Beiträge zur Entdeckung und Erforschung Africa's. by Gerhard Rohlfs


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Page 5

Der einzige Ort von Wichtigkeit ist nun nur noch El Aech (sprich Aisch),
ein kleines Etablissement circa 15 Kilometer von Port-Said entfernt.
Bald sah man nun schon die hohen Masten der Seefahrer und nach einer
Weile fuhr unser kleiner Dampfer hindurch zwischen seinen gro�en
Seebr�dern aus der Familie der Lloyd, der Messagerie imp�riale und
anderer Gesellschaften, die wie Riesen auf einen Zwerg, so auch auf
unsere kleine Dampfnu�schale herabschauten.

Port-Said ist eine vollkommen europ�ische Stadt und hat jetzt circa
12,000 Einwohner, welche Bev�lkerung au�er aus Aegyptern haupts�chlich
aus Oesterreichern (Dalmatinern), Franzosen, Italienern und Griechen
besteht. Letztere, der Auswurf ihres Landes, machen inde� das Leben in
Port-Said ebenso unsicher, wie in Suez und Alexandria. In allen diesen
St�dten konnte man zur Zeit des Kanalbaues t�glich einen Mord rechnen;
zum Gl�ck f�r die �brigen Europ�er, von denen sie wie die Pest gemieden
werden, schlachteten sie sich meist unter einander selbst ab. Die Stadt
hat einen �gyptischen Gouverneur und einen von der Regierung gepflegten
Gesundheitsdienst, fast alle maritimen Staaten sind durch Consuln
vertreten, Deutschland durch Herrn Bronn, welcher fr�her ebendaselbst
schon Consul von Preu�en war. Es giebt Kirchen f�r den katholischen und
griechischen Cultus, eine Moschee f�r die Mohamedaner, Hospit�ler und
Kl�ster, in denen nichtsthuende griechische oder katholische M�nche auf
Kosten der Bewohner Port-Saids ihre B�uche m�sten, eine Menge Hotels
(von denen das H�tel Pagnon das beste sein soll; wir selbst hatten
unsere Wohnung auf Sr. Majest�t Consulat). Caf�s mit und ohne Musik,
�ffentliche B�der, Clubs, kurz nichts fehlte, um Port-Said als eine
kleine Gro�stadt bezeichnen zu k�nnen. Aber auch die Voraussicht, da�
Port-Said eine bedeutende Concurrenz Alexandrien machen w�rde, hat sich
nicht bewahrheitet. Jetzt nach einem Bestande des Canals von 5 Jahren
k�nnen wir nur constatiren, da� dieser Hafen nicht die Entwicklung
genommen hat, welche man seiner Lage zu Folge berechtigt zu sein
glaubte, voraussetzen zu d�rfen.

Zum Theil ist der Hafen nicht sicher, trotz der enormen Molen, welche
man construirt hat, zum Theil passiren die Schiffe, welche nach Indien
gehen, rasch ohne sich hier aufzuhalten. Der eigentliche Hafen f�r
Aegypten ist eben Alexandria geblieben. Wenn der jetzige Chedive, der ja
so gro�e Dinge schon geschaffen hat, eines Tages dazu schreiten w�rde,
den in unmittelbarer N�he gelegenen Mensaleh-See auszutrocknen, dann
w�rde sich allerdings in der Entwicklung Port-Saids eine wesentliche
Aenderung zu Gunsten der Stadt ergeben.

Sehr sehenswerth war die Fabrikation der gro�en Steinbl�cke zur
Construction der beiden Hafenmolen. Wie schon erw�hnt, waren es die
Herren Dussaud Fr�res, welche diese Arbeit �bernommen hatten. Jeder
Block hat 10 Kubikmeter Gehalt und wiegt 40,000 Pfund. Das Verfahren,
sie herzustellen, war so einfach wie m�glich: Mittelst Sand, welcher aus
dem Hafen gebaggert und mit der vorgeschriebenen Partie S��wasser
gemischt wurde, brachte man dieses Gemenge unter eine Zerreibem�hle und
that es dann mit Kalk und Cement in gewollter Menge zusammen. Wenn alles
ordentlich durcheinander gemischt war, kam diese Masse in h�lzerne
Formen und mu�te dann zwei Monate trocknen, nach welcher Zeit eine
felsenartige H�rte eintrat.

Seitdem ist in der That der Kanal von Suez am 16. November 1869 er�ffnet
worden und alle die b�sen Conjuncturen, welche man an die
Lebensf�higkeit dieses gigantischen Unternehmens gekn�pft hatte, haben
sich als eitel Dunst erwiesen.

Ein riesiges Unternehmen, wozu man f�nf Jahre Studien, wie Stephan sagt,
und elf Jahre Ausf�hrung gebraucht hatte.

Alle seefahrenden Nationen hatten sich bei dieser gro�artigen Feier
durch ihre Flotten vertreten lassen und von F�rstlichkeiten waren der
Kaiser von Oesterreich, der deutsche Kronprinz (damals noch Kronprinz
von Preu�en), die Kaiserin Eugenie und Prinz Heinrich der Niederlande
erschienen. Alle waren G�ste des Chedive, aber nicht sie allein, sondern
Tausend andere. Ja der Schreiber dieser Zeilen, welcher ebenfalls eine
Einladung erhalten hatte, der er leider eingetretener Umst�nde halber
nicht Folge geben konnte, wei� aus sp�terem Besuche in Aegypten, da�
eine Menge _ungeladener_ G�ste flott sich unter die Geladenen dr�ngte
und auf Kosten des Chedive den Festlichkeiten anwohnte. Man berechnet
die Zahl der damals anwesenden Fremden auf 30,000 Personen.

Der dabei entwickelte Pomp, die Verschwendung, welche ostensibel zur
Schau getragen wurde, sind unbeschreiblich; aber f�r den Orient, wo
Alles auf Aeu�erlichkeit berechnet ist, kann man sie kaum �bertrieben
nennen.

Wenn nun auch der Kanal bei der Er�ffnung vollst�ndig planm��ig
hergestellt war, so war doch im Mai 1871 erst die Ausbaggerung des
Kanals soweit vollendet, da� er in seiner ganzen L�nge eine mittlere
Tiefe von 8,50 Meter hatte, so da� Schiffe mit 7 Meter Tiefgang
ungehindert den Kanal passiren konnten.

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Books | Photos | Paul Mutton | Thu 3rd Apr 2025, 23:01