Stufen by Christian Morgenstern


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Page 97

* * * * *

Ihr werdet mich mit Euren blassen Gottesideen nicht �berzeugen k�nnen. Der
_sichselbstsch�pferische_ Gott ist ein zu gewaltiger Gedanke, und wenn
nicht die Philosophen, so werden die K�nstler mich stets begreifen.

* * * * *

Ich kann nur durch Kampf und Leiden zur Erkenntnis Meiner selbst kommen
und zu diesem Leiden geh�rt, da�, was da leidet, zum allergr��ten Teil
nicht wei�, da� Ich leide, sondern sich als selbst-Leidendes f�hlt, soda�
ich, obwohl ich es nur selbst bin, der leidet, doch endlos zugleich leiden
_mache_. Und dies alles um Meinetwillen, um Meiner Entwickelung willen.
Was bleibt Mir da noch �brig, womit kann Ich allein diesen furchtbaren und
doch notwendigen Weg aufwiegen, wenn nicht durch -- Liebe! Liebe nicht zu
Mir, sondern zu dem, was Ich noch nicht bin, also zur ganzen werdenden
Welt, zu allem, was �berhaupt noch Werden hei�t. Die ganze Welt einst
wieder an Mein Herz zur�ckzunehmen -- k�nnte Ich mich ohne diesen Willen
zur -- Welt entschlossen haben?

(Schauerlich, wenn ich mit meinen ich und Ich mi�verstanden w�rde. Wenn
man mich f�r einen gr��enwahnsinnig gewordenen Subjektivisten n�hme!)

* * * * *

Das Geschenk solcher Gotteserkenntnis, das sie uns anstelle der 'ewigen
Seligkeit' verspricht, ist folgendes:

Wir h�ren nie auf, als Lebendige wiedergeboren zu werden, wir sind und
bleiben Teilnehmer des g�ttlichen Ringens um sich selbst. Gott schenkt uns
(sich) keinen 'Frieden', als den, welchen er sich selbst erringt. Alle
h�chste Stufe der Entwickelung erreicht Gott als Mensch: Der
h�chstentwickelte, am vollkommensten gelungene Mensch ist zugleich ein
h�chster Gl�cksmoment Gottes. Es gilt nicht, diese h�chsten Gl�cksmomente
Gottes auf allen Sternen einfach auszuschalten und als irdische
Ungen�gendheiten zu verd�chtigen. Sie sind die _einzige_ (bewu�te)
_Seligkeit_ Gottes, es gibt keine andere, hinterweltliche, au�er ihr. Sie
sind selbst geistweltlich genug. Sie sind Erk�mpftheiten, Ersiegtheiten,
nicht faule Geschenke, sie sind nicht jenes Ausruhen, jener Friede, den
die Geplagten und Gemarterten als H�chstes ersehnen, sondern Seligkeiten
der Kraft, des au�erordentlichen Verm�gens, -- alles irdische Gro�e und
Herrliche ist zugleich Seligkeit Gottes. Es gibt nicht Elende und
Gl�ckliche und einen Gott bewu�t oder unbewu�t au�erhalb ihrer, sondern
Gott selbst ist elend und gl�cklich, Gott selbst f�llt und erhebt sich,
s�ndigt und �berwindet sich, Gott selbst ist das Herz, die Seele, der
anemos der Welt.

* * * * *

Wer das Wunder nicht als das Prim�re erkennt, leugnet damit die Welt, wie
sie ist, und supponiert ihr ein Fabrikspielzeug.

Das Wunder ist das einzig Reale, es gibt nichts au�er ihm. Wenn aber alles
Wunder ist, das hei�t durch und durch unbegreiflich, so wei� ich nicht,
warum man dieser gro�en einen Unbegreiflichkeit, die alles ist, nicht den
Namen Gott sollte geben d�rfen.

* * * * *

Wirklicher innerster, reinster Glaube _kann_ sich nur auf etwas beziehen,
wof�r die Sprache kein anderes Wort hat als absurdum; das Absurde ist sein
_einziges_ Objekt. Ja, ich m�chte noch weiter gehen: was geglaubt werden
kann, ist schon nicht mehr glaubw�rdig. Glaube, im innersten Begriff, ist
Annahme _aller_ M�glichkeiten mit Ausnahme der einzigen, zu ihm selbst je
ein bestimmtes Geglaubtes, das hei�t einen irgendwie bestimmten Inhalt, zu
finden. Glaube ist nur wahrer Glaube als von keinem Gedanken entweihtes
Gef�hl Gottes. Glaube ist damit das Gef�hl Gottes von Sich selbst, Glaube
_an_ Gott ist bereits kein reiner Glaube mehr: das an setzt einen
Gedanken, ein Urteil, eine Auswahl voraus. Glaube an Gott ist ebenso wenig
Glaube Gottes, wie Gef�hl an Gott Gef�hl Gottes. Daher auch keine Vernunft
dem wahren Glauben etwas anhaben kann.

* * * * *

A. Wo ist Gott ...

B. Du fragst, wo Gott ist?

A. Ja.

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Books | Photos | Paul Mutton | Tue 20th Jan 2026, 22:48