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Page 96
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(Zu Drews.) Es ist sehr lehrreich, da� dieses dicke und gelehrte Buch 'Die
Religion als Selbstbewu�tsein Gottes' gerade _die_ Idee, die Gott am
tiefsten fa�t, als 'wahnsinnig' hinstellt. Man mache sich klar: von
unz�hligen Ideen mit t�dlicher Sicherheit gerade die energischste,
bedeutendste! Man m�chte den Geist des Verfassers eine umgekehrte
W�nschelrute nennen.
* * * * *
Die Welt, lieber Herr Professor (beruhigen Sie sich), ist eine --
Privatangelegenheit Gottes. Und da Sie mit zur Welt geh�ren, so geh�ren
Sie, wie jeder andere, ebenfalls ganz restlos in diese Privatangelegenheit
hinein.
* * * * *
(Zu Dostojewski.) Es ist ein Wandel zwischen �berreiztheit, Ermattung und
Gr��e, einer Gr��e, wie sie sich nur bei den ganz tiefen, gl�henden Seelen
der Menschheit findet, und wenn ich im Augenblick gefragt werden sollte,
w��te ich auch im Augenblick nur zwei moderne Namen daneben zu nennen: den
Namen Lagarde und den Namen Nietzsche. Nur bei ihnen findet man diesen
Sturm der Seele wieder, der oft lange schl�ft, sich lange unter allerlei
psychologischem, politischem, was wei� ich f�r Kleinkram verkriecht, um
sich dann pl�tzlich unvermutet wie ein feuriger Wirbel zu erheben,
emporzusteigen, alles zu �bersch�tten, zu �berstrahlen, da� das Herz zu
klopfen anf�ngt --
* * * * *
Dostojewski hat folgende gro�artige Methode: Er f�hrt eine Anzahl Menschen
ein, die uns zun�chst nur einfach fesseln, noch nicht erregen, wirft sie
durcheinander, bringt sie in die unglaublichsten Verwickelungen, bis f�r
jeden irgendeinmal die Stunde schl�gt, wo er sein Innerstes enth�llen mu�.
Und enth�llt er sich nicht aus freien St�cken -- und je bedeutender solch
ein Mensch ist, desto verschlossener, schamhafter, unwilliger, ja selbst
zynischer ist er -- so wird er, ich m�chte sagen, 'gestellt'. Ein andrer
setzt ihm das Messer auf die Brust: Aljoscha und Iwan in den 'Karamasow',
Werssilow und sein Sohn im 'Werdenden', Schatoff und Stawrogin in den
'D�monen' usw. Lassen wir das, ruft Schatoff, davon sp�ter, sprechen wir
von der Hauptsache, von der Hauptsache .. Ich habe zwei Jahre auf Sie
gewartet. -- Nicht meine Person selbst, zum Teufel mit ihr, -- aber das
andere --! Und dann sprechen sie alle von dem 'andern', von der
Hauptsache: ob es einen Gott gibt oder nicht; was der Mensch tun mu�, wenn
es Gott nicht gibt; ob der Mensch �berhaupt ohne Gott leben k�nne; wie im
Besondern das Russenvolk diese h�chste und brennendste Lebensfrage
entscheide, und ob dieses Volk nicht vielleicht 'das einzige Gott tragende
Volk' heute sei, 'das einzige, dem die Schl�ssel des Lebens und des neuen
Wortes gegeben sind'.
Und in diesen Gespr�chen brennt die Flamme Gottes selbst, die Flamme des
um sich selbst ringenden Gottes, dessen Leib das unendliche All der
Gestirne und dessen Geist der Geist ihrer Lebendigen ist.
* * * * *
(Zu Dostojewski.) Wenn ich ein Priester w�re, so w�rde ich mit meiner
Stirn erst dreimal vor ihm den Boden ber�hren, bevor ich mich umwendete
und zu meinen Br�dern spr�che; denn in ihm ward eine jener gro�en Leuchten
der Erde lebendig, die noch in den finstersten N�chten leuchten, -- er war
einer der gro�en Rechtfertiger des Menschen, weil er sich am Menschen
nicht genug sein lie�; nur aber, wem der Mensch kein Ziel war, nur ein
Wurf nach dem Ziel, verdient Mensch gewesen zu sein.
* * * * *
(Zu Drews.) Wenn ich sage: 'Mensch' ist nur eine sprachliche Ausdrucksform
f�r 'Gott' -- ist das 'Selbstverg�tterung'? Gott kann sich doch nicht
selbst verg�ttern! Was aber w�re Gott, der nicht die ganze Natur, der
nicht alles, alles selbst w�re, der nur das Selbst, nicht auch das Ich
zugleich, nicht zugleich die Sehnsucht nach Sich und dies Ersehnte selbst,
kurz, dessen Inhalt, sozusagen, nicht die gesamte unendliche Welt w�re?
Gott ist jeder Gedanke und jedes Gebilde; es gibt allerdings Metaphysik,
insofern die Natur nicht nur ein einfacher chemischer oder mechanistischer
Proze� ist, als den sie der Materialismus hinstellen will, aber es gibt
keinen Metatheismus; Metatheismus aber w�re, das menschliche Subjekt noch
einmal in Mensch und Gott zu spalten: wenn diese Spaltung auch noch so
fruchtbar sein mag, ja wenn sie auch unzweifelhaft eines der instinktiven
Mittel des aus dumpfem Urtrieb zu immer reinerer Sichselbsterfassung,
Sichselbsterringung hindr�ngenden Gottes war und ist, seinen Weg zu sich
selbst, ja: Sich Selbst zu finden.
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