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Page 93
Jahrhunderte stritten �ber das Wort Dreieinigkeit Und doch enth�lt es die
Welt, f�r ein Kind gedeutet. Der Vater, das ist das Leben, das alles ist
und das der einzelne Mensch nie aus seinem Gehirn heraus fassen oder gar
erkl�ren kann. Der Sohn, das ist dies selbe g�ttliche Leben als sich
erahnendes Wesen, als Mensch, als der Mensch Christus im Besonderen. Der
heilige Geist, das ist das langsame Weiterg�ren dieser Erkenntnis auf
Erden: da� alles 'Gott' ist. --
* * * * *
Tief unten schlachten sich noch die V�lker, es raucht das Blut und in
Selbstzerfleischung f�llt noch -- Blindes sich selber an. Warum tue -- Ich
das. Ich wei� es nicht. Die Menschheit ist noch ein Kentaur, der heilige
Geist hat das Tier erst zur H�lfte verwandelt.
* * * * *
'Gott ist nur der Lebensfunke.' Sch�n. Dieser Funke aber bildet Sterne und
Gehirne. Ja, er legt mir selbst das Wort Gott �ber sich in den Mund. Und
so brauch ich's denn.
* * * * *
Was es gilt, ist die Austreibung Gottes aus allem Jenseits in das
Diesseits. Gott ist nicht irgendwo, er ist auch nicht hier oder dort,
sondern er ist dies und das, und drittes und legionstes.
* * * * *
Ich habe den verwandelnden Blick.
* * * * *
Vor einer Anzahl von Leuten der 'guten Gesellschaft'. Sind es nicht alles
Menschen, die man in irgend einem Zuge ihres Wesens lieben kann? Alle sind
so oder so ein wenig oder sehr liebenswert. Aber sie m��ten auch fast alle
mit dem Gift einer schwachen doch steten Unruhe geimpft werden. Sie wollen
zu wenig �ber sich hinaus, sie siedeln sich zu schnell bei sich selber an,
sie haben zu wenig Wachstum und Wandertum in sich. Sie glauben, mit 30
Jahren sich gefunden zu haben -- sie nennen es: erwachsen sein -- und
setzen sich schon auf sich selbst zur Ruhe. Man wird nichts Unerwartetes
von ihnen mehr sehen oder h�ren; als ob man nicht von jedem Menschen in
jeder Stunde Unerwartetes erwarten m��te! Man kann sie vorausberechnen wie
irgend etwas ganz Gew�hnliches -- und dabei sind sie das Ungew�hnlichste
der Welt, n�mlich Menschen und tragen das Unberechenbarste der Welt in
sich: eine zu jeder Unerh�rtheit f�hige Seele. Sie haben ganz vergessen
oder nie begriffen, da� sie -- Gott sind, sie begn�gen sich damit, Herr X
oder Frau Y zu sein und als solche und nur als solche zu leben und zu
sterben.
* * * * *
Dieser Grundhang, das Leben zu einer Biedermeierei zu erniedrigen, ist es,
den ich unter der Bezeichnung 'b�rgerlich' �berall aufsp�re und verfolge.
Es ist die eigentliche Gefahr des Menschen, zu versimpeln. Man sollte
t�glich zu einer festgesetzten Stunde einen Glockenton durchs ganze Land
gehen lassen, der keine andre Bedeutung h�tte, als die, den Menschen in
Erinnerung zu rufen, da� sie nicht nur B�rger von diesem Namen und jenem
Stand seien, sondern unerforschliche Teile des Unerforschlichen. Man m��te
eine eigene Glocke daf�r erfinden und in unz�hligen gro�en und kleinen
Exemplaren gie�en lassen: eine 'Ged�chtnisglocke des Menschen'. Wo aber
ein Tempel gebaut w�rde, da m��te �ber seiner Pforte stehen: Dem
furchtbaren Gott, oder: Mir selber, dem dreimal Unbekannten.
* * * * *
Der Mensch von 1900 scheint eine neue Tugend in sich gereift sehen zu
d�rfen: die Erkenntnis des B�rgerlichen. Als das B�rgerliche bezeichne ich
das Absehenk�nnen des Menschen davon, da� er das Geheimnis der Geheimnisse
ist, das Sichhinstellen- und Verharrenk�nnen des Menschen als eines
Zweiten. B�rger hei�t: der sich in einer Burg Bergende. B�rger hei�t mir
der Mensch, insofern er sich in der Burg des Gedankens birgt, etwas andres
als Gott selbst zu sein. Kein Mensch kann sich wirklich als Gott f�hlen,
der er ist. Es kann Gott sich nur b�rgerlich und nicht anders ergreifen.
Das Menschliche ist schlechtweg das B�rgerliche.
* * * * *
Im Menschen erschuf sich das Ungeborgene seine Burg. Gott ist nichts
Au�erb�rgerliches; wo auch nur die kleinste Zelle, da ist sie zugleich
Gottes Burg. Nun ist aber alles Zelle, das Wort wo ist �berfl�ssig, ebenso
wie wenn man sagen wollte: wo (im Glase Wasser) auch nur ein Tropfen
Wasser, da ist Gott in ihm. Alles ist 'Burg'. Seit Welt �berhaupt ist,
gibt es nur Gott, den Geborgenen, den B�rger.
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