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Page 85
Wir sind wieder da, wo jeder zuletzt hinkommt, und was ich beim Lesen
Meister Ekkeharts einmal so formulierte: Gott ist ein Subtraktionsexempel.
* * * * *
Betrachte den F�hler dieses feingliedrigen K�fers. Was ist der Mensch
anderes als solch ein F�hler, von unbekannter Urkraft ausgestreckt,
tastend sich �ber die Dinge zu unterrichten suchend, zuletzt forschend
zur�ckgekr�mmt auf sich selbst -- ? Der Mensch, ein Taster Gottes nach
Sich selbst.
* * * * *
Alles Denken ist �bersetzen Gottes ins Rationalistische. Von Gott, dem
Original, wissen wir nur durch Gott, den �bersetzer.
* * * * *
Man hat Hegel verspottet, weil er sagte, aus ihm rede der Weltgeist. Ach,
auch aus ihnen, den Sp�ttern, redet leider nichts anderes.
* * * * *
Ich lese mit Ersch�tterung in Hegel, an dem ich immer vorbeigegangen war.
Zwei Dinge hielten einst schon den Studenten ab, Hegeln eine unbestimmte
geheime Neigung zu entziehen: Seine �berlebensgro�e B�ste, die ihm am
Kastanienw�ldchen hinter der Berliner Universit�t manchen bedeutenden
Augenblick schuf, und das �ber ihn umlaufende Wort: niemand habe Hegeln
zuletzt mehr verstanden, nicht einmal er selbst. Ich halte den n�mlich
nicht f�r den Tr�ger und Offenbarer h�chster Erkenntnisse, der diese
Erkenntnisse ein f�r alle Mal 'versteht'. Das H�chste vermag der
menschliche Geist auch nur in h�chsten Momenten zu leisten, und manchmal
ist es nur ein Blitz, der die Tiefe der Welt sekundenlang aufrei�t.
* * * * *
Entweder man ist K�nstler oder Philosoph. Der Philosoph achtet die Kunst,
ja liebt sie, -- aber er komplimentiert sie hinaus, wenn er mit seinem
Ernst allein sein will.
* * * * *
Wogegen ich mich vor allem richte, das ist die B�rgerlichkeit so vieler
bisheriger Philosophie. Es fehlt mir darin zu sehr an jener �berw�ltigung
des menschlichen Geistes durch das, was ihn wohl �berw�ltigen darf: die
nicht nur rechnerisch gebrauchten, sondern innerlich erlebten
Vorstellungen von Ewigkeit und Unendlichkeit. F�r mich beginnt Philosophie
hart vor dem Wahnsinn, sonst ist sie ein Handwerk wie andre auch. Und sie
mu� immer wieder bis hart an den Wahnsinn f�hren, das ist beinahe eine
Forderung der Sittlichkeit philosophischen Denkens, da es sonst einen
Mangel an Leidenschaft zu bedenklich verr�t. Ohne Leidenschaft aber ist
jede T�tigkeit gro�en Stiles, so erhaben sie sich auch geben mag, gemein.
* * * * *
Wie mancher Steinregen im Hochgebirge verdankt dem Klettern einer Gemse
seinen Ursprung. Dies bedenke auch du, der du auf Gedankenbergen
herumkletterst, und -- freue dich dessen oder mache dir Vorw�rfe dar�ber
oder beides zugleich, je nachdem du geartet bist.
Man mu� Pessimismus und Optimismus als 'Stimmungen' hinter sich lassen,
wenn man, obzwar erkenntnislos, aber von allen Seiten umwittert, den Pfad
der Wirklichkeit wandelt.
* * * * *
Sei nur Skeptiker, es gibt keinen besseren Weg als den fortw�hrenden
Zweifelns. Denn nur, wer die Relativit�t jeder Meinung eingesehen hat,
sieht zuletzt auch die Relativit�t dieser Einsicht ein -- und schwingt
sich endlich vom letzten Erdenwort in -- Sich selbst zur�ck.
* * * * *
Wenn ich w��te, welches Wort der Erde keine Vorstellung enthielte, so
w�rde ich es dazu gebrauchen, das Wort Vorstellung zu �berwinden. Aber
dieses Wort Vorstellung bleibt zuletzt als einziges auf dem obersten Siebe
liegen, das alle andern passiert haben.
Nur glaube man nicht, damit etwas anfangen zu k�nnen. Denn wenn ich sage:
Die Welt ist meine Vorstellung, so sage ich damit nichts andres als: eine
Vorstellung ist meine Vorstellung. Es gibt keinen Weg hinaus, es gibt nur
einen Weg hinein.
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