Stufen by Christian Morgenstern


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Page 82

* * * * *

Die Anzahl der geistigen Foltermittel, die wir heute noch unter- wie
gegeneinander bewu�t oder unbewu�t anwenden, ist gro�. Eines davon ist das
Fragen. Es gibt Menschen, die so wenig wie m�glich gefragt sein wollen;
wohlverstanden: nach Unwesentlichem. Und Gegenst�cke dazu: Menschen, die
fast keine andere Interpunktion kennen, als das Fragezeichen.

* * * * *

Wie mancher mu� sich auf Kosten seiner Vergangenheit lieben lassen. Diese
Vergangenheit hat ihm vielleicht ein gutartiges Gesicht gegeben. �lter
werdend aber erkennt er mehr und mehr auch das B�se in sich. Nun aber
h�ngt ihm seine Miene wie ein Schild vor, das nur die eine Seite seines
Wesens anzeigt.

* * * * *

Gewi� hat der Mann die moderne Kultur geschaffen, aber sie ist denn auch
nur f�r ihn ein so ungeheurer Ruhmestitel. Er selbst w�rde vermutlich nie
an dieser kompakten Errungenschaft vorbeikommen, wenn es nicht Frauen
g�be, die, ohne seinen 'Geist der Schwere' himmlisch unbefangen daran
vor�ber und dem entgegenschritten, was ihrer Seele -- denn f�r sie gibt es
in der Tat und horribile dictu noch eine Seele -- not und wohl tut.

* * * * *

Wie ein Wind �ber ein �hrenfeld, so ging diese durchfahrene Viertelstunde
�ber seine bewegliche Seele.



1913


Takt erfordert vor allem Phantasie. Man mu� viele M�glichkeiten der
fremden Seele �berschauen, viele Empfangsm�glichkeiten und danach, was man
geben kann, einrichten.

* * * * *

Es gibt Naturen, die f�r sich allein Stunden lang mit ihren Freunden und
Bekannten reden, w�hrend ihnen in deren Gegenwart jeder Gespr�chsstoff
entfallen ist.

* * * * *

Du wohnst in einem Hause, das viele Menschen mit dir zugleich bewohnen.
Einer dieser Hausgenossen ist ein auf den Tod Kranker, von dem du wei�t,
und viele der andern wissen es mit dir, da� ihm jeder L�rm, vor allem jede
irgendwie laute und grelle Musik zur vollkommenen Folter und Marter wird.
Da erscheint ein Mann mit einer Ziehharmonika vor dem Hause und f�ngt an
seine Operetten zu spielen. Dein erster Gedanke ist: Dem Mann mu� sofort
ein Geldst�ck gegeben werden, das ihn veranla�t, sein Spiel einzustellen
und weiterzugehen. Aber du kannst es nicht, denn du liegst selbst zu Bett
und deine Bedienung ist ausgegangen. Aber das ganze �brige Haus! Einer
wird doch gleich dir auf den Gedanken kommen, wenigstens einer aus der
n�chsten Umgebung des Kranken. Niemand r�hrt sich. Der Musikant spielt
eine Viertelstunde lang, er �berbietet sich.

Wie dieses Haus, so ist das Haus der Welt. Einer darinnen vielleicht hat
jeweilig den rechten urspr�nglichen Gedanken -- den Gedanken, der sich im
Grunde von selbst versteht -- aber er ist an seiner Ausf�hrung gehindert.
Vielen andern geht auch noch so etwas �hnliches durch den Sinn -- aber sie
lassen es beim Gedanken von vornherein bewenden. Ermi� daraus die Kraft
der _Originalit�t_ des Menschen, berechne daraus die M�glichkeit, die
Wahrscheinlichkeit einer wahrhaft originellen Handlung.




ERKENNEN

1896


Unser Begreifen ist Schaffen; seien wir doch selig in diesem Bewu�tsein.

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Books | Photos | Paul Mutton | Mon 19th Jan 2026, 17:00