Stufen by Christian Morgenstern


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Page 77

* * * * *

Es ist schmerzlich, einem Menschen seine Grenze anzusehen.

* * * * *

Im Grunde spricht sich wohl in allen Forderungen, die der Mensch an seine
Gattung stellt, nur der Wunsch des Menschen nach gr��erer und feinerer
Behaglichkeit des pers�nlichen wie sozialen Lebens aus: Der Mensch will
wohl endlich soweit kommen wie die Blumen und die B�ume: ruhig leben und
sterben zu d�rfen. Zweifellos w�nschen sich die meisten Menschen nichts
Besseres.

* * * * *

Wir sind geborene Polizisten. Was ist Klatsch andres als Unterhaltung von
Polizisten ohne Exekutivgewalt.

* * * * *

Eine Hauptsache bei vielem ist, da� stets der Anschein �u�erster
Wichtigkeit erweckt wird. Wenn z.B. eine Katze ihrem Verehrer fortl�uft,
so mu� das aussehen, als ob sie auf der anderen Seite des Weges etwas
ungemein Wichtiges zu tun h�tte, was jeden andern Gedanken ausschl�sse.
Oder wenn ein sogenannter Zahlkellner gerufen wird, so mu� er immer erst
wie der Mond aus dem Gew�lk treten, das hei�t erst nach l�ngerer Zeit und
nur auf einen Moment, zu dem man sich begl�ckw�nschen mu�, da ihn neues
Gew�lk schon wieder zu verschlingen droht. Auch in geistigen Dingen n�tzt
dergleichen viel, und wer darauf verzichtet, kann sicher sein, da� ihn
sobald keiner wichtig nimmt.

* * * * *

Ironisches Gebot:

Wenn du gereizt bist, so wirf die T�r hinter dir zu, das erweckt allgemein
Furcht.

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Es gibts nichts Lohnenderes, als der Schwachheit des Menschen durch ein
sch�nes Wort zu Hilfe zu kommen. Verordne einem 'Patienten' dreimal
t�glich Manulavanz, und er wird sich �ber alle erhaben f�hlen, die sich
blo� die H�nde waschen. Je interessanter du seine Gewohnheiten benennst,
desto geschmeichelter und dankbarer wird er sein, und das eine W�rtchen
Alkoholismus, um ein Beispiel zu nennen, hat sicherlich nicht nur Gorkis
Satin, sondern unz�hlige andere Ungl�ckliche unz�hlige Male berauscht und
getr�stet. �bersetze das Ungl�ck ma�voll ins Arabische, Griechische,
Lateinische, und du wirst ein wahrer Wohlt�ter der Menschen werden. Du
gibst ihrem Geist dadurch Anregung, du verschaffst ihnen eine kleine
Distanz zu ihren Leiden oder Lastern. Wie fremdartig ist es, Angina zu
haben, wie beinahe ehrenvoll, die Krisis eintreten zu f�hlen. Du kn�pfst
damit das Individuum, das nichts mehr f�rchtet als das Alleinsein, das
Alleingelassenwerden, an ferne fremde Zeiten und Kulturen; das alte, das
neue Europa versammelt sich um sein Lager, und selbst wenn die Pest es
bef�llt und f�llt, kommt sie ihm doch aus Asien: die Mutter der Menschheit
selbst trifft es mit den Schatten ihrer gewaltigen Fl�gel.

* * * * *

Was ist das Erste, wenn Herr und Frau M�ller in den Himmel kommen? Sie
bitten um Ansichtspostkarten.

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Es ist etwas Herrliches, wenn in das H�ndeklatschen einer Menge jenes
Elementare kommt, das ich das Mark des Beifalls nennen m�chte.

* * * * *

Mir sind diese Leute, die �ber alles so klug zu reden wissen, verd�chtig.
Des Geistes zeugende Kraft ist nicht in ihnen. Wem die Natur etwas Eigenes
zu sagen mitgab, den k�mmert es wenig, in jenem Sinne klug zu reden. Ihn
erf�llt ganz der Geist seiner Aufgabe (nicht der Aufgabe anderer).

* * * * *

Wer sich selbst auch nur Einen geistig regen Vormittag streng beobachtet,
dem mu� das scheinbare Filigran der Psychologie vorkommen, wie ein
Gespinst aus Baumst�mmen.

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Books | Photos | Paul Mutton | Mon 19th Jan 2026, 7:37