Stufen by Christian Morgenstern


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Page 78

* * * * *

Die Psychologie befa�t sich mit den einzelnen Wellen des Baches. Aber hat
ein Bach je aus -- Wellen bestanden?

* * * * *

Die Psychologie antwortet, so wie der Lehrer dem Kinde, das ihn fragt: Was
ist das -- ein Baum? Ein Baum, sagt er, ist eine Pflanze mit Wurzeln,
einem Stamm, �sten, Bl�ttern usw. Und das Kind des 19. Jahrhunderts ist
ganz gl�cklich, da� es nun 'wei�', was ein Baum ist.

* * * * *

Man mu� scharf zwischen dem aktiven und dem kontemplativen Menschen
unterscheiden. Jedem sein Reich und seine Welt f�r sich. Und vor allem,
wird der Kontemplative sagen, dem Aktiven sein Reich f�r sich. Denn wenn
der Kontemplative der Duft der Lebensblume ist, so ist der Aktive, so ist
'die Welt' der einzige Weg zu diesem Duft.

* * * * *

Wenn ich die Augen f�nf Minuten lang geschlossen und inzwischen nicht ganz
klar und zusammenh�ngend gedacht habe, so k�nnte ich mir leicht einreden,
ein Jahr sei vergangen und noch viel mehr.

* * * * *

Es gibt nichts Sinnverwirrenderes, als eines Tages zu entdecken, da� man
als der und der lebt.

* * * * *

Je tiefer einer wird, desto einsamer wird er; aber nicht nur das: desto
mehr lassen ihn selbst seine treusten Freunde allein -- aus Zartgef�hl,
Schamgef�hl, Liebe, Ehrfurcht, Verlegenheit, Hochachtung, Scheu, kurz, aus
den allerbesten Gr�nden und mit dem unanfechtbarsten Takt des Herzens.

* * * * *

Man hat nie nur einen Grund zu einer Handlung, sondern hundert und
tausend.

* * * * *

Heftige Bewegungen machen alle Tiere scheu. So sollte sich auch der
vollkommene Weise im Geistigen j�her Bewegungen enthalten. Im Grunde ist
es das Gleiche, wie du an ein Pferd herangehst und sein Zutrauen gewinnst,
und wie du an einen Menschen dich wendest und ihn eroberst.

* * * * *

Je ernster ein Kritiker seine Kritik nimmt, desto kritischer wird er
seinen Ernst nehmen.

* * * * *

Der Ironiker ist meist nur ein beleidigter Pathetiker.

* * * * *

Viele der Feinsten gehen in sich gekehrt durchs Leben, weil sie es nicht
ertr�gen, von andern �berlegen betrachtet zu werden. Sie f�rchten die
Verwundung ihres Stolzes, den Verlust ihres Machtgef�hls, sie ziehen es
vor, in ihren vier W�nden die Ersten zu sein, statt auf dem Markte die
Zweiten. Aber manch einen macht solch heimliches Schatzh�tertum auch
bitter und hochfahrend. Immer lauter mu� er bei sich Stolz nennen, was im
Grunde vor allem Furcht ist, um schlie�lich, statt der Verschwender, der
giftige Drache seines Horts zu werden, der alle Welt ob ihrer Armut
verachtet.

* * * * *

Vorsehung --

Ich kann mir wohl denken, da� in einem genialen Menschen auch ein geniales
un- oder unterbewu�tes sich Vorsehen waltet, so wie einer im Traumwandeln
dem �berall drohenden Tode instinktiv ausweicht.

Napoleon im Kugelregen.

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Books | Photos | Paul Mutton | Mon 19th Jan 2026, 9:44