Stufen by Christian Morgenstern


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Page 75

Einander kennen lernen, hei�t lernen, wie fremd man einander ist.

* * * * *

Ja -- nein: geistiges Strickziehen.

* * * * *

Es ist gut, da� wir Spiegel haben. Da� wir f�r gew�hnlich unsere eigene
Miene nicht sehen, ist eines der unheimlichsten Dinge, die es gibt.

* * * * *

Wir spielen unsere Gedanken gegeneinander aus, in Wirklichkeit unsere
Temperamente.

* * * * *

Alles Sagen ist ein dem andern in sich Sagen, und der sagt's.

* * * * *

Wenn wir die Macht und Unbedingtheit einer Liebesleidenschaft begreifen
wollen, so brauchen wir nur zu bedenken, da� sich in den beiden Menschen,
die sich lieben, zugleich der dionysische Rausch zweier riesenhafter
Zellenv�lker manifestiert -- so, als ob Ru�land aus lauter M�nnern und
Westeuropa aus lauter Weibern best�nde und eines Tages will das zusammen
in orgiastischer Hingerissenheit.

* * * * *

Eine wenn auch noch so leichte Sentimentalit�t geh�rt unstreitig zum
Charme jeder Frau. Sie ist die Verb�rgerin jener Augenblicke, wo wir ihr
ganz Schutz, ganz Ruhe, ganz Meer sein d�rfen.

* * * * *

Man verliebt sich oft nur in einen Zustand des andern, in seine Heiterkeit
oder in seine Schwermut. Schwindet dieser Zustand dann, so ist damit auch
der feine besondere Reiz jenes Menschen geschwunden. Daher die vielen
Entt�uschungen.

* * * * *

Die meisten Menschen verdunsten einem, wie ein Wassertropfen in der
flachen Hand.

* * * * *

Wir sind alle hart und �u�erlich zueinander, auch wenn wir noch so sehr
aufeinander einzugehen trachten; aber wenn wir getrennt in unsern Zimmern
liegen und nachts der Regen herniederflie�t, dann suchen wir uns im Geiste
mit z�rtlicher, bereuender Teilnahme, dann dr�ngen wir uns aneinander wie
unwissende und zusammenschauernde Preisgegebne auf dunklem Meer, dann
liebkosen und tr�sten sich unsere Seelen, die der erk�ltende Tag wieder
verstocken und verh�rten wird, dann lieben wir wirklich einander mit einer
tiefen, schwerm�tigen, unbezwinglichen Liebe.

* * * * *

Es ist schauerlich an Toren zu r�tteln, die verschlossen sind; noch
schauerlicher aber, wenn sie nur aus d�nnem Seelenstoff, ja, wenn sie nur
aus den k�hlen, harten Blicken einer Seele bestehen, die dich nicht in
sich eindringen lassen will.

* * * * *

Wir sind alle Besessene, man mu� das Wort nur w�rtlich genug verstehen.
Aber zugleich k�nnen wir auch Mehrer dieses uralten Besitzstandes sein,
den wir 'unsern Geist' nennen, zugleich auch Besitzergreifende.

* * * * *

Die Forderung m�glichster Klarheit in allen Dingen, die wir andern
gegen�ber so gern geltend machen, entspringt vornehmlich dem Unbehagen,
das uns alles nicht v�llig Verstandene als etwas von uns nicht
v�llig Beherrschtes einfl��t. Es ist der ewige Kummer der
Durchschnittsintelligenz, da� es auch au�erhalb ihres Begriffsverm�gens
noch Geistigkeit gibt.

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Books | Photos | Paul Mutton | Mon 19th Jan 2026, 3:49