|
Main
- books.jibble.org
My Books
- IRC Hacks
Misc. Articles
- Meaning of Jibble
- M4 Su Doku
- Computer Scrapbooking
- Setting up Java
- Bootable Java
- Cookies in Java
- Dynamic Graphs
- Social Shakespeare
External Links
- Paul Mutton
- Jibble Photo Gallery
- Jibble Forums
- Google Landmarks
- Jibble Shop
- Free Books
- Intershot Ltd
|
books.jibble.org
Previous Page
| Next Page
Page 61
* * * * *
Viele Menschen f�hlen sich in ihrer Ruhe und Sicherheit gest�rt und
fordern laut nach strengen strafrechtlichen Ma�nahmen gegen den
Verbrecher.
Das ist verst�ndlich, aber es zeigt auch, woran es noch viel mehr als an
gesetzgeberischen Bestimmungen fehlt: An dem Bewu�tsein, an der Ahnung
wenigstens, was man selbst und was der sogenannte Verbrecher ist. Der
Verbrecher und ich sind nichts wesentlich Getrenntes, wir stehen im
engsten menschlichen Zusammenhang; er kann uns nichts tun, was er nicht
auch sich selber t�te, und wir k�nnen ihm nichts tun, was wir nicht auch
uns selber t�ten. Er ist nicht anders von uns verschieden, als unser Arm,
unser Bein, unser Auge. Nun hei�t es zwar: So dich deine Hand �rgert, so
haue sie ab. Aber wenn ich die Hand abhaue, so f�ge ich mir damit einen
Schmerz zu, den ich mein Leben lang nicht vergessen werde, und sollte ich
ihn doch vergessen, so bleibt immer noch ihr Fehlen etwas, was sich nicht
vergessen l��t.
Anders, wenn sich eine Gesellschaft einen Verbrecher vom Leibe schafft.
Dann schafft sie sich ihn eben vom Leibe und damit punktum. Es fehlt der
entsprechende Schmerz auf ihrer Seite, der Stachel, den sie nicht wieder
los wird.
* * * * *
Die Bestimmung des Menschen ist nicht nur, da� er als ruhiger B�rger
seinem Tagewerk nachgehe, sie ist noch etwas dar�ber: da� er sich mehr und
mehr verinnerliche, sich, und soviel an ihm liegt, seine Umwelt mehr und
mehr verchristliche.
Alle, die beispielsweise f�r die Todesstrafe stimmen, wollen nicht die
Gewissensnot, in die sie die Schreckenstat eines Bruders bringen und die
dann Frucht �ber Frucht aus ihm zeitigen m��te, sondern sie wollen ihre
Ruhe, ihre Behaglichkeit, ihr ungest�rtes Weiterwirtschaftenk�nnen im
einmal �berkommenen. Wie gesagt, es kann ihnen nicht verdacht werden, wenn
sie einer gewissen Sicherheit genie�en wollen, aber sie m��ten daf�r, da�
sie mit der einen Hand nehmen, n�mlich Freiheit oder gar Leben vom
Mitmenschen, mit der andern Hand geben: n�mlich doppelte, dreifache Liebe.
Sie m��ten nicht nur den andern sich, sondern sich zugleich dem andern
opfern, sich, das hei�t ihren Eigennutz, ihren Hochmut, ihre
Gleichg�ltigkeit, ihre Tr�gheit. Aber dem wird ausgewichen und darum ist
in unseren Strafen so viel -- Rache; was man auch von Erziehungs- und
Abschreckungstheorien redet. Erziehen soll man zuerst sich selbst und dann
erst den, der mitten im Scho�e von uns Tugendhaften als Lasterhafter
emporbl�hen konnte. Wahrlich, es kann mit der allgemeinen Tugend nicht
soweit her sein, wenn der R�uber und M�rder so �ppig gedeiht, wahrlich, es
ist nicht gut, wenn solch ein Unkrautboden wie unsere Gesellschaft auch
noch nach Schutz und besonderer F�rsorge verlangt. Sie m�ge erst die
sieben Tods�nden in sich bek�mpfen und im Verbrechertum zun�chst vor allem
das vergr��erte Spiegelbild ihrer selbst sehen, den immerw�hrenden Vorwurf
ihrer selbst. Sie m�ge im Verbrechertum zun�chst erst einmal ihr --
_Schuld_-Konto erblicken. Wenn sie aber meint, da�, sagen wir, der Bauer
Adam in Vaduz unm�glich Schuld haben k�nne, wenn in den S�dstaaten ein
Neger sich an einer Wei�en vergreift, so ist zu erwidern, da� weder der
Bauer noch der Neger f�r sich nur als Bauer und Neger verbindlich sind,
da� sie vielmehr vom Anfang bis zur Vollendung unserer Welt als
sch�pferische Faktoren rechnen, die nach der einen Seite unendliches
Schulden-Karma abzutragen, nach der andern Seite die Geisterreiche der
Zukunft mit aufzurichten haben, wozu sie nicht nur als Bauer und Neger,
sondern in hinreichenden menschlichen Manifestationen ab aeterno in
aeternum wiederkehren.
1912
Da� G�te (z.B.) nicht Schw�che sein _k�nne_, behauptet niemand, da� sie es
_sei_, nur ein Tor.
* * * * *
Wer 'f�r G�te Dank' erwartet, macht sich schon allein dadurch, da� er sich
selbst als 'g�tig' empfindet, der feinsten Berechtigung Dank zu ernten
verlustig, indem er sich im Gef�hl und Bewu�tsein seiner G�te als ein
besonderer Wohlt�ter andrer vorkommt, sich also �ber sie erhebt und
�berhebt. Eine solche Erwartung, so nat�rlich und allgemein sie sein mag,
verdient nicht nur keinen Dank, sondern gerade das, womit ihr gew�hnlich
vergolten wird: eine gewisse Gleichg�ltigkeit, ja beinahe einen gewissen
(zur�ckschlagenden) Hochmut. Wer Gutes tun und dabei nicht in die Br�che
geraten will, mu� es soweit bringen, da� er sich nie anders denn als einen
Diener des andern empfindet, dem eine gl�cklichere F�gung gestattet --
Schuld abzutragen. Er mu�, fern davon, von dem andern Dank zu erwarten,
vielmehr das Gef�hl der Dankbarkeit gegen diesen andern entwickeln, weil
er ihm Gelegenheit gibt, ihm zu helfen, gleichviel, wie solche Hilfe
nachtr�glich 'gelohnt' wird. Dies mag f�r uns freilich mehr oder minder
immer ein Ideal bleiben; die erste Stufe ist jedenfalls, dem Satze von der
Dank verdienenden G�te in uns und au�er uns zu Leibe zu gehen.
Previous Page
| Next Page
|
|