Stufen by Christian Morgenstern


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Page 60

* * * * *

Jede Krankheit hat ihren besonderen Sinn, denn jede Krankheit ist eine
Reinigung; man mu� nur herausbekommen, wovon. -- Es gibt dar�ber sichere
Aufschl�sse; aber die Menschen ziehen es vor, �ber hunderte und tausende
fremder Angelegenheiten zu lesen und zu denken, statt �ber ihre eigenen.
Sie wollen die tiefen Hieroglyphen ihrer Krankheit nicht lesen lernen und
interessieren sich, gleich dem Neger, noch weit mehr f�r das Spielzeug des
Lebens, als f�r seinen Ernst, als f�r ihren Ernst. -- Hierin liegt die
wahre Unheilbarkeit ihrer Krankheiten, im Mangel an und im Widerwillen
gegen Erkenntnis, hierin, nicht in Bakterien.

* * * * *

Vor einem halbbeschneiten Berge: So ist mancher von uns halb noch im
Schnee der K�hle, K�lte. Dann taut die Sonne den Schnee weg; aber in diese
und jene Grube vermag sie nicht vorzudringen; wei�e, unvertilgbare Flecken
bleiben zur�ck: nie werden wir ganz frei von jedem Rest von Lieblosigkeit,
nie _ganz_ Liebe -- solang wir noch dieser Berg sind.

* * * * *

Es gibt nur einen Fortschritt, n�mlich den in der Liebe; aber er f�hrt in
die Seligkeit Gottes selber hinein.

* * * * *

Der Welt Schl�ssel hei�t Demut. Ohne ihn ist alles Klopfen, Horchen,
Sp�hen umsonst.

* * * * *

Der Geist baut das Luftschiff, die Liebe aber macht gen Himmel fahren.

* * * * *

Der Nenner, auf den heut fast alles gebracht wird, ist Egoismus, noch
nicht -- Liebe.

* * * * *

So wie der Strom in das Meer mu�, so mu� der amor in die caritas.



1911


Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre
Dienste und Verdienste an uns zu vergelten.

* * * * *

A sagte zu B, der sich mit seinem pers�nlichen Schicksal herumschlug und
des Jammers kein Ende fand: Wie erbarmungslos bist du!

Wie erbarmungslos? gab B befremdet zur�ck und f�gte, da er A nicht
durchdrang, nach einer Weile hinzu: Wenn nur du nicht erbarmungslos bist!
(indem er meinte, dieser habe f�r sein Ungl�ck kein Verst�ndnis). Und
_wenn_ ich es gegen dich w�re, erwiderte A, so w�re ich es gegen einen
Einzigen. Du aber bist es gegen Millionen. Denn du siehst nur dein eignes
Leid, nicht auch das ihre. Du w�rst aus ganzer Seele zufrieden, wenn nur
du allein getr�stet w�rdest, wenn nur dir allein unter allen Millionen
geholfen w�rde. Pr�fe dich selbst, ob ein solcher Sinn nicht noch
strengster Zucht bedarf und ob es weit gefehlt ist, ihn selbsts�chtig,
hart und erbarmungslos zu nennen.

* * * * *

Man mu� von aller Verliebtheit in Maja frei werden, dann erst kann die
gro�e Liebe entstehen.

* * * * *

Der Ha� hat uns in eine solche Grobheit des Urteils und der Beurteilung
hineingesteigert, da� wir nichts mehr rein zu sehen verm�gen. Wir
vergessen, da� es keine Ablehnung gibt, die nicht, sei es ein Korn, sei es
einen Klumpen Unrecht enthielte. Versuchen wir uns doch einmal entschieden
auf die Seite des Positiven zu stellen, in jeder Sache.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 17th Jan 2026, 23:02