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Page 112
* * * * *
Wenn du die Lage einer H�tte auf einem Berge betrachtest, so machst du
leicht deinen Standpunkt zu dem ihrigen, uneingedenk dessen, da� sich die
Welt von da droben ganz anders ausnimmt als von dir aus. Ja, dies verh�lt
sich bis zu einem gewissen Grade selbst dann noch so, wenn du dich mit
aller Einbildungskraft auf ihren Standpunkt zu versetzen bem�hst. Um einen
Standpunkt _ganz_ verstehen und w�rdigen zu k�nnen, mu� man diesen
Standpunkt selbst einnehmen oder wenigstens einmal eingenommen haben.
Aus diesem Grunde l��t sich alles G�ttliche nicht eigentlich beurteilen,
es sei denn von Menschen, die in persona im �ber-Menschlichen zu verkehren
verm�gen.
* * * * *
Die Menschheit schleppt am Boden. Gefesseltes aller, ach viel zu aller,
Art. Darunter ab und zu ein Adler. Auch er mit Fu�ring und Bleikugel. Aber
ein ander Schauspiel doch, als all das andre. Er gew�hnt das Schleppen
nicht, das alle andern mehr oder minder gew�hnen. Er emp�rt sich sein
ganzes langes Leben lang, fl�chtet empor, strebt empor, k�niglich und
unabl�ssig. Auch er vermag sich nicht wirklich in die Luft zu schwingen --
und das weniger, weil er die Gewichte am Fu� nicht zu heben imstande ist,
als weil ihn das ungeheure Gewimmel um ihn nicht los, nicht hoch l��t, --
besser noch, weil er's nicht mit hochziehen _kann_, -- aber er bleibt ein
lebendig Memento Coeli, er verliert seine G�ttlichkeit nicht an den
Alltag, den Staub und die Stra�e, nicht an den Trott der Millionen.
* * * * *
Wer das feine zweite Ohr f�r den Souffleur hat, sieht die Geschichte der
Menschheit anders an.
1911
Werden wir hier auf Erden nicht schon von sichtbaren Lehrern erzogen und
immer weiter befruchtet? Ist irgend ein gro�er Mensch, dem wir etwas
verdanken, nicht unser Meister? Ist so das Leben nicht ein
fortschreitendes Lehren und Lernen?
Und sollte das nach dem Tode der leiblichen Pers�nlichkeit -- aufh�ren?
* * * * *
Wenn die Menschen sich weiter entwickeln, m�ssen auch ihre G�tter sich mit
und weiter entwickeln, all die geistigen Wesenheiten, die an ihnen
gearbeitet haben und arbeiten. Der Lehrer, der das Kind bis zu dessen
zwanzigstem Jahre geleitet hat, wird dann ebenfalls um zwanzig Jahre
gealtert, gereift, weiter entwickelt sein. Wer �berhaupt g�ttliche
Demiurgen annimmt, der soll sie nicht als starre G�tzen verehren.
* * * * *
Wir sollten wohl so vor dem Mysterium von Golgatha empfinden: Nicht nur:
ein Gott _opfert sich_ f�r seine Welt. Sondern ebenso: er opfert sich f�r
_seine Welt_. F�r seinen eigenen ungeheuren tragischen Sch�pfungsproze�,
Sch�pfungskomplex. Oder, um die Majest�t dieses Unausdenkbaren zu mildern:
f�r den Menschen, seinen Sohn, seine Tochter. Denn vielleicht ist f�r den
Gott, dem die Entwickelung seiner Sch�pfung, seines Gesch�pfes vor Augen
steht, die von ihm selbst so verh�ngte und heraufgef�hrte Art und
Notwendigkeit dieser Entwickelung ein noch ganz anderer Schmerz, als der
seines Kreuzweges und Opfertodes. Vielleicht wird Christus erst dann von
uns noch ganz anders ahnungsvoll begriffen werden, wenn wir uns in die
Tragik eines Weltensch�pfers zu versenken suchen, dessen Wesen Liebe ist
-- stark und unaufh�rlich wie die Sonne --, dessen Wille es ist,
selbst�ndige ebenb�rtige Welteng�tter, Weltensch�pfer, durch �onen und
�onen heranreifen zu lassen, und dessen abgrundtiefe Weisheit es ist, den
Schmerz in allen seinen Graden und Formen als Bildner zu wollen oder doch
wenigstens zuzulassen. Glaubst du nicht, da� Sein Leid �ber alle Leiden
der Welt das Leid all dieser Leiden �bertrifft, -- denn noch wie anders
leidet ein Gott als ein Mensch --? Sollten wir nicht dieses Leiden des
Gottes Christus, als Gottes, zu sehr verkennen hinter dem Leid des Gottes
Christus, als Menschen, in der Maja des Jesus von Nazareth?
* * * * *
Es ist ein ungeheures Schauspiel, mit welcher grenzenlosen Freiheit in
einem Kosmos, wie dem unsern, alles seine Wege gehen darf. Jede Meinung,
jede Handlung ist erlaubt. Jedes Wort, und sei es noch so wunderlich oder
verkehrt, kann gesagt werden, jede Urteilsnuance bis zur h�chsten
Erkenntnis der Wahrheit hinauf, bis zur tiefsten Schmach der Verblendung
hinab darf da sein und ist da und unterliegt keinem andern Gesetze, als
dem der allm�hlichen Selbstkorrektur im Sinne einer von Liebe gel�uterten
Vernunft.
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