Stufen by Christian Morgenstern


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Page 105

Wenn einer die Welt bejaht, bejaht sie Gott, wenn sie einer verneint,
verneint sie Gott (und damit Sich). Gott sagt weder blo� ja noch blo� nein
zu sich, sondern urewig ja _und_ nein.

* * * * *

Wo einer keine Augen f�r sich -- als Mysterium -- hat, da hat auch Gott
keine Augen f�r sich, als Mysterium. Aber als der, als der er Augen f�r
sich hat, leidet er unter diesem andern, als der er keine Augen f�r sich
hat, und z�rnt sich, dem andern, aus sich, dem einen.

* * * * *

Die Welt k�nnte so gro� angelegt sein, da� die unaufgel�ste Dissonanz
eines ganzen Planeten als solche mit hineingeh�rte. Ein schauerlicher,
wahnwitziger Gedanke. Denn wer will seine Dissonanz -- schon allein seine
ganz pers�nliche Dissonanz -- nicht aufgel�st und sei es auch erst -- nach
�onen.

* * * * *

Gott ist die Welt im Einzelnen wie als Gesamtheit. Als Gesamtheit aber ist
er vielleicht eine Zweiheit von Mann und Weib. Einheit als Gott, Zweiheit
als Welt. Sagst du aber: Die Welt? das w�re wohl nicht genug, wenn nur
_das_ Gott w�re! so frage ich: wei�t du, wo die Welt aufh�rt, da� du von
genug und nicht genug redest? Wie kann etwas Un-Endliches noch-genug sein
oder 'nicht-genug'?

Das ist gewi�: was auch von Gott, von Gottheit gedacht werden mag, kann
auch noch nicht an den Saum des Mantels seines Ernstes r�hren.

* * * * *

Wenn Gott nicht die ewige Sehnsucht zweier Seelen zu einander ist -- wenn
die Welt nicht der ewige Weg dieser zwei Seelen ist -- so wei� ich nicht,
was Gott und Welt bedeuten.

* * * * *

Der Mensch ist nur ein Moment innerhalb des MENSCHEN, und der MENSCH nur
ein Moment innerhalb Naturae sive Dei.

* * * * *

Es versteht sich mir fast von selbst, da� das, was ich bin, sich irgend
einmal seines ganzen Lebens -- in allen seinen Erscheinungsformen --
erinnern wird.

* * * * *

Und es wird nichts sein -- kein Richten, kein Wundern, nur ein Schauen.
Aber in diesem Schauen wird Gericht oder Freispruch beschlossen sein.

* * * * *

Ich und du, einmal gro� und einmal klein geschrieben -- das ist die
Weltformel. Ich und Du, und ich und du.

* * * * *

Mu�te der wahrhaft innerliche Mensch fr�her mit der Kirche ringen, so mu�
er es heute mit der Wissenschaft. Der sich selbst schauende Gott ist immer
nur als -- Ketzer m�glich.

* * * * *

Vielleicht ist nichts von allem Gedachten _ganz_ unwahr. Sollte Gott �ber
Sich _g�nzlich_ falsch denken _k�nnen_? Sollte nicht die barbarischste
religi�se Vorstellung ein K�rnchen Wahrheit enthalten, enthalten _m�ssen_?

* * * * *

Eines sein und haben und die Sehnsucht nach allem Andern, -- Formel
Gottes, des Individuums. (Hinzuzuf�gen: zusamt der stillgeglaubten
Anwartschaft auf alles Andere.)

* * * * *

Wohin sollte die Natur in der Stufenfolge der Tiere im Menschen streben,
wenn nicht dahin, da� Gott in ihm sich selbst erkenne? Dies aber, das
Erkennen kann noch nicht sein letztes Ziel sein: er mu� aus dieser
Selbsterkenntnis noch zu irgend einem Handeln hervorschreiten, mu� ja
sagen und tun wie der Zarathustra Nietzsche's, oder nein wie der indische
Buddha. Er mu� das Schicksal der 'Welt' an seinem Teile entscheiden; sie
soll sein oder sie soll nicht sein. Und doch --.

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Books | Photos | Paul Mutton | Wed 21st Jan 2026, 14:08