Stufen by Christian Morgenstern


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Page 104

Ja, gewi�, es ist vieles am Menschen l�cherlich und ver�chtlich. Aber der
Mensch ist ja auch nur ein winziger Teil Gottes. Und was w�re Gott, wenn
er nicht irgendwo auch l�cherlich und ver�chtlich w�re. Gott schenkt sich
nichts. Das wollen nur die Kurzsichtigen, die meinen, man k�nne das Eine
ohne das Andere haben, ja noch mehr: man d�rfe es.

* * * * *

Die planetarischen Kulturen geistiger Wesen sind die gro�en Grotesken
Gottes. Gottes materielle Erscheinungsform ist notwendig grotesk.

* * * * *

Man k�nnte eine Bibliothek schreiben von den Selbsttr�stungen Gottes.

* * * * *

Nicht, da� gek�mpft wird, ist das Tragische der Welt. Sie selbst ist das
Tragische.

* * * * *

Betrachte den gef�llten Zuschauerraum eines Theaters. Wie festlich machen
ihn die vor Erwartung und Lebenslust gl�nzenden Augen der Frauen, ihre
schneewei�en Nacken, ihr herrliches Haar -- wie scheinen sie alle zu rufen
voll reizender Ungeduld: den Vorhang auf! den Vorhang auf! Wie gern sie
leben und leben sehn, wie ganz unverst�ndlich es ihnen w�re, wenn nun
pl�tzlich ein Mann aufst�nde und spr�che: Nein, nicht den Vorhang auf!
nicht auf! Sondern la�t uns endlich ein Ende machen mit diesem ewigen
Theaterspiel! Und seine Augen w�rden sich schlie�en im �berma� des
Schmerzes. Aber nach einer kurzen Spanne der Starrheit -- was w�rde
geschehen? Mit ihren F�chern w�rden sie ihn zu erschlagen drohen und mit
hundert beredten Geb�rden laut oder stumm, l�chelnd oder schluchzend, die
M�nner rings fragen: Wie? und wir? sind wir nichts? gelten f�r nichts? Ihr
wollt dies starke s��e bunte Leben nicht mehr? Ihr wollt also Uns nicht
mehr? Was haben wir euch denn getan? Und was unsre Kinder, eure Kinder? O,
ihr Toren, ihr Spielverderber, ihr Pflichtvergessenen! Aber ihr sollt uns
nicht irre machen. Nicht irre an Lieben und Leben, nicht irre an Pflicht
und gesundem Menschenverstand. Nein, die Kom�die sei noch nicht zu Ende!
-- Der Sprecher von vorhin aber w�rde bei sich denken: Umsonst. Gottes
Teufel ist seiner w�rdig. Er k�nnte nicht �berzeugender noch unschuldiger
sein. Und f�rwahr: Heute erkannte ich ihn zum ersten Mal -- und sein
triumphierendes Reich, soweit Welt ist.

* * * * *

Wer sich einmal in die Idee des Teufels, an dem Gott immer wieder zu
schanden wird, von dem er immer wieder zum Leben verf�hrt wird, vertieft,
dem wird die Gr��e und Sch�nheit des Lebens f�rder nicht Einwand sein
k�nnen: Denn je unfa�licher dieser Gott ist, desto unfa�licher wird auch
die Kunst seines Teufels sein m�ssen, desto heiliger wird sie erscheinen
m�ssen, desto bejahungsw�rdiger die Welt f�r menschliche Urteilskraft.

* * * * *

'Die Welt' ist Gottes Weg zu seiner Sch�nheit. �berall und immer duftet
diese Wunderpflanze 'Welt'. Um dieses Duftes willen ist sie da; er ist
ihre Sch�nheit, ihre 'Seele', 'Gottes' -- Seele.

* * * * *

Wir sind nie wirklich aus dem Paradiese vertrieben worden. Wir leben und
weben mitten im Paradiese wie je, wir sind selbst Paradies, -- nur seiner
unbewu�t, und damit mitten im -- Inferno.

* * * * *

'Alles was ist, ist vern�nftig' -- ganz gewi�. Freilich nicht vom
Standpunkt des Reichstagsabgeordneten X oder des Privatdozenten Y aus;
aber sub specie Dei.



1908


Im Geist erst wird die Natur, wird Gott tragisch. Was ist der Mensch? Die
Trag�die Gottes.

* * * * *

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Books | Photos | Paul Mutton | Wed 21st Jan 2026, 12:14