Stufen by Christian Morgenstern


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Page 102

Ebenso hatte ich stets das Gef�hl des Zusammenhangs in so hohem Ma�e, da�
ich mich von Vorstellungen solcher Art nicht losmachen konnte, wie diese
etwa, da� meine Hand, von A nach B bewegt, das ganze Weltall in
Mitleidenschaft ziehen m�sse.

* * * * *

Was sagt Meister Ekkehart anders als: zerbrich alle Sprache und damit alle
Begriffe und Dinge: der Rest ist Schweigen. Dies Schweigen aber ist --
Gott.

* * * * *

'Gott' ist das einfache Ergebnis eines Subtraktionsexempels: ziehe alles
von dir ab, was abzuziehen ist, und der Rest ist -- Mysterium.

* * * * *

Gott ist seine eigene Erfindung. Das sich selbst Unerkl�rliche sagt aus
Menschenmund Gott zu sich.

* * * * *

In Christus ist zum ersten Mal auf der Erde Gott selbst sich zum
Bewu�tsein gekommen. In Christus erkannte Gott als Mensch zum ersten Mal
sich selbst. Seitdem sind fast zweitausend Jahre vergangen. Aber freilich:
'Tausend Jahre sind vor Ihm wie ein Tag.'

* * * * *

Man emp�rt sich gegen die Gottheit Christi -- als liege man selbst in Hose
und Rock nicht als ein St�ck -- Gottheit herum.

* * * * *

Eines Einzelnen Leben ist vielleicht nichts Besondres. Von au�en, mit
fremdem Auge betrachtet, mag es nicht viel bedeuten, von innen, mit seinen
Augen gesehen, schon mehr, sehr viel mehr. Als Leben -- Gottes aber
angeschaut, wird es sofort unaussprechlich tief und tragisch. Sieh nur
irgend einen Menschen daraufhin an, da� er nichts andres ist als Gott,
Gott selbst in ureigenster Person -- und die Welt wird sich dir mit
einemmal und auf immer verwandeln und du wirst kein Sittengesetz mehr zu
befragen brauchen; denn alles wird dir auf einen Schlag wunderlich heilig
werden.

* * * * *

Ich sehe das Unvermeidliche herannahen: da� den Menschen eines Tages in
gr��erer und gr��erer Anzahl zum Bewu�tsein kommt -- nicht nur nominell
wie bisher, sondern faktisch -- da� sie in der Unendlichkeit leben.

* * * * *

Heute sehen die Menschen noch nicht den Raum, sie sehen den Himmel, aber
noch nicht den RAUM.

* * * * *

Auf Erden ist nichts, sondern alles im Himmel zugleich und in der
Ewigkeit. (Getr�umte Zeile.)

* * * * *

Gott ist nicht etwas Vorgestelltes, sondern das, was wie jede andere
Vorstellung, so auch die Gottesvorstellung produziert. Bis heute glaubt
die Menschheit noch, soweit sie glaubt, an den Gott oder die G�tter ihrer
Vorstellung. Und darum ist sie so leicht durch den Satz zu widerlegen:
Dein Gott ist eine blo�e Vorstellung von dir. Gewi� ist er das. Erst die
Menschheit, welche bekennt: Was wir uns als Gott vorstellen, ist
irrelevant; das einzige, was wir als Gott behaupten k�nnen, ist das
Unvorstellbare, auf das unsre Vorstellungen zur�ckgehen, ist das, was wir
f�r uns als Wirklichkeit klassifiziert haben, sind wir selbst (wie wir uns
bezeichnen) und alles, was um uns ist (was wir so bezeichnen). Gott ist
alles. Wir haben kein andres Wort f�r Gott als das Wort 'alles'. Man kennt
und f�hlt Pantheismus schon lange, aber ich wei� nicht, ob je mit diesem
'alles' schon ganz und resolut Ernst gemacht worden ist. Wer ihn macht,
f�r den gibt es kein Entrinnen mehr. Er mu� selbst hinein in dies 'alles'
mit jeder Faser seines Leibes und jedem Schatten seiner Gedanken, er mu�
selbst zusammenfallen mit Gott, er mu� selbst Gott -- und nicht nur in
Gott -- sein.

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Books | Photos | Paul Mutton | Wed 21st Jan 2026, 8:36