Stufen by Christian Morgenstern


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Page 101

* * * * *

Z�nde einen Magnesiumfaden an -- und du hast das Leben des Menschen im
blitzschnellen Bild. Leben und sterben sind nur zwei Ausdr�cke f�r
dasselbe. Und unser Ichgef�hl das Gef�hl des hineilenden feurigen Punktes.

* * * * *

Es gibt nur ein Neues: Die N�ance.

* * * * *

Die Welt, eine in sich zur�cklaufende Spirale.

* * * * *

Wir m�ssen sehen, aus den Formen, als die wir erschienen sind, bis zu
unserm Ende zu Kugeln zu werden: die Spirale der Ewigkeit hinabzurollen,
nicht aber wie ungef�gte Kl�tze hinabzurutschen und hinabzupoltern, mu�
unser erster Wunsch und letzter Wille sein.

* * * * *

Betrachte die Welt: Alles wesentlich, alles unwesentlich. Unwesentlich die
M�cke, wesentlich der Mensch; unwesentlich der Mensch, wesentlich die
Menschheit; unwesentlich die Menschheit, wesentlich das Universum;
unwesentlich das Universum, wesentlich --



1907


Wir m�ssen das Quantitative verabschieden. Gott, ich meine das
Unvorstellbare, das wir sind, ist weder gro� noch klein. Alles ist in
jedem Augenblicke Gott und jeder 'Teil' in jedem Augenblicke zugleich das
Ganze. (Ist denn das Wasser f�r den Tropfen klein oder gro�? Nein, er ist
der Tropfen und das Wasser zugleich. Wasser aber ist weder klein noch gro�
und wenn der Tropfen zur�ckblickt auf den Wasserfall, so wird er doch
darum nicht sagen k�nnen: Wasser ist gro�. Und so ist 'Gott' auch nicht
gr��er da, wo er die 'Milchstra�e' ist, als da, wo er in einem Menschen im
Gras liegt. An sich ist diese Blume hier nichts geringeres als zehntausend
Gestirne. Und so zerbrich denn auch nicht, Herz, an diesen Worten 'gro�'
und 'klein', denn 'das gibt es alles garnicht'.)

* * * * *

Ich f�rchte, -- und dieser unheimliche Gedanke kehrt mir, fast seit ich
denken gelernt, immer wieder, --: nicht, da� wir sterben werden, ist zu
f�rchten, sondern da� wir nie sterben werden. Ich empfand dies immer unter
folgenden Worten: Ich werde immer da sein. Und wenn ich heute meinem Leib
nach sterbe, wer will wissen, ob ich dann nicht -- mein Freund bin? Nicht
als ob etwas, was meine Seele genannt werden k�nnte, gewandert w�re, nein,
sondern wie wenn ein Etwas in allem Lebendigen immer w�re und w��te da� es
w�re ... Wer will wissen, ob er nicht aus seinem Freunde (wenn auch ganz
und gar als dieser und mit allen physischen Pr�missen) in die Welt blickt,
in demselben Moment, wo er sein Bewu�tsein verliert? Solange ich in meiner
Form befangen bin, kann ich nichts Zweites sein, aber wenn diese Form
zerbricht, bin ich vielleicht das Zweite, und das Zweite ist vielleicht
nichts als wieder das Eine.

* * * * *

Die Menschheit ist nur eine Korrektur des Menschen.

* * * * *

Dies Bewu�tsein wenigstens habe ich: mein h�chster Gedanke hat nichts zu
tun mit dem �u�erlichen meines Lebensganges. Ich bin nicht von denen, die
zur Wiederaufnahme der Gottesidee durch irgend etwas getrieben worden
sind, als da ist unterdr�ckte Sinnlichkeit, Einsamkeit der Seele,
Verzweiflung an sich und der Welt oder �hnliches. Ich kenne diese Zust�nde
wohl, aber ich w�re nie vor ihnen zu einem neuen Gottes-Begriff geflohen:
wie denn dieser auch weder 'heilt' noch 'erl�st'. Diese Idee ist vielmehr
aus meiner innersten Natur herausgewachsen, ich kann ihre Anf�nge bis in
mein zweites Jahrzehnt zur�ckverfolgen, in dessen Mitte etwa ein ganz
spezifisch philosophisches Interesse in mir erwachte. Ihr endliches
Zutagetreten h�ngt sehr stark mit der Art meines Schauens zusammen, das
mir manchmal erlaubt, sehr in die Dinge zu versinken oder auch: die Dinge
gleichsam in mich hineinzunehmen, und mir damit das Micheinsf�hlen mit
allem zu einem nat�rlichen Gef�hl macht.

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Books | Photos | Paul Mutton | Wed 21st Jan 2026, 6:29