Französisch-slavische Kämpfe in der Bocca di Cattaro 1806-1814. by Nicola Velimirovitch


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Page 14

Der Angriff war ein starker. Die montenegrinischen Vorposten wurden
zur�ckgeworfen bis zum Lager am Flusse, wo sich der Vladika befand. Nach
einem heftigen Kampf, bei welchem auch er in grosse Gefahr geriet, zogen
sich die Montenegriner mit Verlust von 60 Mann auf die H�hen von
_Moidesch_, _Mokrino_ und _Kameno_ zur�ck. General Popondopula kam den
Montenegrinern zu Hilfe. Er stellte seine Truppen auf den Moidescher
Bergen auf, w�hrend die Montenegriner sich von da zur�ckzogen, um die
Schluchten zwischen Castelnuovo und Risano zu besetzen; so deckten sie
den R�cken der Armee. Die Erhebungen von Mokrino und Kameno wurden jetzt
noch st�rker besetzt. Die Stellung des russischen Generals war nunmehr
viel vorz�glicher, denn die der Franzosen. Marmont ordnete Lauriston mit
zwei Bataillonen gegen diesen feindlichen Truppenteil ab. Aber beim
ersten Ansturm wurde Lauriston von den Russen zur�ckgeschlagen. Marmont
gab Lauriston sofort eine Verst�rkung mit, bestehend in einem Bataillon
Grenadiere unter dem Kommando von General _Launay_. Der Kampf dauerte
noch sieben Stunden. Die Russen traten nach dem ausserordentlich mutigen
und harten Angriffe der Franzosen den R�ckzug an und gaben ihre Position
auf der H�he preis. Das taten sie aber erst nach verzweifelter
Gegenwehr; mit dem Bajonett war man auf die Franzosen eingedrungen.
Ungef�hr 250 Mann, Russen und Bokelen, liessen ihr Leben auf dem
Schlachtfeld. Die Russen nahmen ihre Richtung auf Castelnuovo und wurden
von den Franzosen unerm�dlich verfolgt. Diese Verfolgung ging bis zum
Vorgebirge Ostro und dauerte angesichts der russischen Flotte noch fort,
bis diese mit den Kart�tschen die Franzosen zum Stehen brachte und den
Ihrigen den R�ckzug bis Castelnuovo auf diese Weise erm�glichte.

Am 1. Oktober begann Marmont einen neuen Kampf. Den General Lauriston
sandte er gegen Kameno und Mokrino, wo die Bokelen und Montenegriner
standen, und den General _Delzons_ gegen die Russen vor Castelnuovo, um
diese herauszulocken und von der Stadt abzuschneiden. Auch befahl er,
alle Bauernh�user in der Umgebung der Stadt anzuz�nden und zu
verbrennen. �C'�tait punir la r�bellion dans son foyer m�me�,[49]
erkl�rt Marmont. Dabei wurde auch ein t�rkisches Dorf, _Schwinje_,
verbrannt, weil die Bewohner des Dorfes die gefordete Hilfe den
Franzosen nicht leisten wollten. Die Montenegriner bei Kameno und
Mokrino warteten nicht ab bis Lauriston sich ihnen gen�hert hatte,
sondern r�ckten, sobald sie seiner ansichtig wurden, mit Wut vor, sodass
er sich sofort zur�ckziehen musste. Auf die zweite Abteilung, unter
General Delzons, der �avec vigeur�[50] die Truppen f�hrte, wie Marmont
selbst bezeugt, feuerten die Gesch�tze von den zwei Festungen
_Castelnuovo_ und _Espagnola_ und von der Flotte aus. Diesen Moment
beschreibt Marmont folgendermassen (dies stimmt mit den slavischen
Berichten): �Le 2 octobre, au moment o� je faisais incendier les beaux
faubourgs de Castelnuovo, malgr� le feu de la flotte ennemie, mille �
douze cents paysans[51] et quelques Russes vinrent attaquer les postes
de ma gauche, les surprirent et les oblig�rent � se replier.�[52] Als
der linke Fl�gel, unter dem General Lauriston, zur�ckgedr�ngt wurde,
vereinigte er sich mit dem General _Delzons_. Dieser hatte auch viel zu
leiden unter dem Feuer vom Lande und Meere her. Marmont gab ihm
italienische Garde zur Unterst�tzung bei. Der Kampf wurde von Stunde zu
Stunde immer heftiger. Die Masse des Volkes aus den umliegenden D�rfern
und der ganzen Bocca str�mte bei dem Schauplatz des Kampfes zusammen.
Die unm�ndigen Kinder wie die Greise eilten ins Lager ihrer k�mpfenden
Br�der zu Castelnuovo, um ihnen irgendwie behilflich zu sein. Der Kampf
dauerte den ganzen Nachmittag. Die Montenegriner sprangen haufenweise
unter die Franzosen. Furchtbare Szenen entstanden, wie man sie sich nur
dort vorstellen kann, wo die Gegner wutentbrannt mit Dolch und Revolver
gegeneinander losst�rmen. Zuletzt wurden die Franzosen bis in ihr Lager
in _Sutorina_ zur�ckgedr�ngt. Es war schon tiefe Nacht, als die letzten
Sch�sse fielen.

Um die Morgend�mmerung des 3. Oktober erschallten die Rufe der
montenegrinischen Wachen aus der N�he von Sutorina: �Wer ein Held ist,
auf! Der Franzose flieht!�[53] Die Franzosen waren schon weg. In der
Nacht befahl Marmont den R�ckzug nach Zavtat. Er sah wohl ein, dass es
ganz sinnlos w�re, sich auch weiter in einen Kampf gegen die befestigten
Slaven in Castelnuovo einzulassen. Er konnte nicht gegen Castelnuovo
vorgehen, ohne ins Kreuzfeuer der Festungen auf dem Lande und der Flotte
auf dem Wasser zu geraten. Denn nur von einer Seite, und zwar von dieser
gef�hrlichen aus, konnte man von Sutorina nach Novi marschieren. Ein
Umgehen war ausgeschlossen wegen der steilen Berge, die �ber die Stadt
herniederh�ngen.

Als der Ruf der Wachen in Castelnuovo geh�rt wurde, st�rmten die
Montenegriner mit ihrem Vladika den Franzosen nach. In zwei Stunden
wurden diese eingeholt. Da sich Marmont nicht in den Kampf einlassen
wollte, beschleunigte er bloss seinen Wegzug. Unterdessen kamen auch
russische J�ger und verfolgten im Verein mit den Montenegrinern Marmont
aufs h�rteste. Viele Tote und Verwundete blieben auf den Strassen
liegen. Die Feuersch�sse richteten unter den Franzosen grossen Schaden
an. Endlich erreichten sie Zavtat, wo sie sich verschanzten, und die
Montenegriner kehrten mit Beute beladen zur�ck.[54] Der Bericht, den uns
Marmont von diesem R�ckzug hinterlassen hat, lautet ganz anders. Er
schreibt: �J'avais atteint mon but et montr� � ces peuples barbares ma
superiorit� sur les Russes (n�mlich im Kampfe bei Castelnuovo). Je me
retirai le 3, en plein jour, � la vue de l'ennemi. Rentr� �
Raguse-Vieux, mes troupes reprirent le camp qu'elles avaient quitt� cinq
jours auparavant. La terreur des ennemis �tait telle, que pas un paysan
n'osa me suivre.� (!)[55] Wenn wir alle russischen und serbischen
Berichte von dem Kampf bei Castelnuovo und vom R�ckzug der Franzosen von
Sutorina nach Zavtat auf ihre gemeinsamen Z�ge hin untersuchen und wir
bloss diesen Bericht Marmonts in Betracht ziehen, so muss uns manches
ganz auffallend vorkommen. Sollte Marmont bei Castelnuovo das slavische
Heer besiegt haben, so bleibt sein eiliger R�ckzug nach Zavtat ganz
unerkl�rlich, da jener Ort 17 km von dem Kampfplatz entfernt war. Wenn
er wirklich gesiegt h�tte, und wenn �la terreur des ennemis� so
furchtbar gross gewesen w�re, so ist es das gr�sste Geheimnis f�r uns,
wenn er diese �entsetzten Bauern� nicht weiterverfolgen wollte. Sein
Ziel war doch, Castelnuovo und Cattaro zu bezwingen oder wenigstens das
Land zu besetzen. Nichts von dem hatte er erreicht. Wozu dann
unverrichteter Sache ein R�ckzug? An einem anderen Ort, wo er das
Ergebnis des Kampfes bei Castelnuovo in Erw�gung zieht, sagt Marmont:
�Ainsi l'ennemi, qui comptait mettre � feu et � sang Raguse et la
Dalmatie, n'avait pas pu d�fendre son territoire et ses propres
foyers.�[56] War dem so, so stand dem General nichts im Wege, dieses
Territorium in seiner Gewalt zu behalten. Castelnuovo ist der st�rkste
Punkt in der ganzen Bocca. Wer diesen Ort besetzt hat, der ist der Herr
des Landes. Wenn dieser Punkt also von den Slaven nicht verteidigt
werden konnte, wie der General es behauptet, so h�tte er Castelnuovo
besetzen k�nnen. Er unterliess dies aber g�nzlich und zog weiter nach
Zavtat zur�ck. Er verliess nat�rlich auch alle anderen befestigten
Posten, die er selbst bauen lassen oder den Slaven weggenommen hatte,
wie Molonta, Liuta, Ostro, Sutorina, Kameno und Mokrino. Jedermann, der
seinen Bericht mit mehr Aufmerksamkeit und Erw�gung liest, wenn er auch
den Boden, um welchen es sich hier handelt, nicht kennt, muss vor einem
unerkl�rlichen R�tsel stehen. Und jedermann der diese Landschaften kennt
und die anderweitigen Berichte denen Marmonts kritisch gegen�berstellt,
muss daraus schliessen, dass die Franzosen bei Castelnuovo geschlagen
worden sind und deswegen sich schnell bis nach Zavtat zur�ckzogen,
verfolgt von den Bokelen, Russen und Montenegrinern.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sun 22nd Mar 2026, 2:59