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Page 48
Den Degen in der Faust, marschierte Sylvester vor der Schw�rmerkette
�ber den Damm und jenseits herab. Er wunderte sich dumpf, als ein St�ck
Himmel �ber ihm herrlich blau erstrahlte. Weit dr�ben im Gel�nde
erblickte er ein ameisenhaftes Gewimmel rothosiger Soldaten. Sie sahen
aus wie die Mohnblumen in einem Kornfeld. Auf allen H�hen, stundenweit
im Umkreis, siedete der sonnenbeleuchtete Dampf. Das Donnern, Knattern,
Sausen und Zischen hatte etwas Unwirkliches wie im Traum. Verwundete
wurden vor�bergetragen; ihr St�hnen und Wimmern verlor sich im
allgemeinen Get�se. In einer Ackerfurche lag ein menschlicher Arm.
Sylvester hatte die Empfindung, er komme nicht vom Fleck, trotzdem er
und seine Leute schnell gingen. Das gespenstische Knarren einer
Mitrailleuse lie� ihn neugierig herumschauen; es war wie ein tierischer
Laut und durchschnitt das Herz. Der kleine Fl�tenspieler machte
pl�tzlich einen Sprung und st�rzte auf das Gesicht. Wie kann man nur so
ungeschickt sein, dachte Sylvester und rief ihm zu, er solle aufstehen.
Ein Kamerad beugte sich �ber ihn. �Er ist tot,� sagte er. Im selben
Moment fiel auch dieser, in den Kopf getroffen, wie ein St�ck Holz.
Warum der und warum nicht ich? dachte Sylvester verwundert.
Dicht vor Bazeilles lag das alte Schlo� Dorival. Verwitterte Amoretten
blickten aus dem Gestr�uch. Im Vorbeiziehen hatte Sylvester das n�mliche
Gef�hl, das er als Knabe gehabt, wenn er zur Schule hatte gehen m�ssen
und auf dem Weg eine Spielverlockung an ihn herangetreten war.
Da platzte zwei Schritte neben ihm eine Granate; einem Mann an seiner
Seite wurde wie durch ein unsichtbares Beil der Kopf vom Rumpfe
gerissen; er ging noch einen Schritt und brach zusammen wie Asche. Am
Eingang des Dorfes lagen die Toten zu dreien und vieren �bereinander.
Der Erdboden war mit Blut begossen. In einer Rinne rann das Blut, wie
sonst das Regenwasser nach dem Regen. Obwohl am Himmel die Sonne schien,
war es in den Gassen d�ster wie am Abend. Aus allen Fenstern starrten
Gewehrl�ufe, auch aus den Fenstern der brennenden H�user. Aus mancher
Kellerluke krachte ein halbes Dutzend Sch�sse auf einmal. Jede Barrikade
war mit Hunderten von Leichen gepflastert. Viele lagen mit friedlichen
Gesichtern da, als ob sie schliefen, andere wieder zeigten einen
Ausdruck grimmigster Qual. Immer neue Abteilungen r�ckten vor,
frenetisch jubelnd st�rmten sie in die Hauptgasse, und nach einigen
Minuten waren sie hingem�ht. Jedes einzelne Geb�ude mu�te wie eine
Festung erobert werden. Aus den brennenden R�umen drang das Geschrei der
Weiber und Kinder in den H�llenl�rm. Von dem einst�rzenden Geb�lk der
D�cher prasselten ununterbrochen Funken herab. Auf einer Brunnenstufe
gewahrte Sylvester einen schwerverwundeten J�ger des dritten Bataillons.
Dem Mann war die H�fte zerschossen, und er schien Durst zu leiden.
Sylvester gebot einem Soldaten, ihm Wasser zu reichen, aber der
Verwundete bat um eine Zigarre. Der Soldat griff in die Tasche, gab ihm
die Zigarre und z�ndete sie auch an, w�hrend um ihn her die Kugeln wie
Hagelschlo�en fielen. Nachdem jener die ersten Z�ge geraucht hatte,
starb er. Sylvester ging weiter und sah seinen Premierleutnant tot auf
einem Haufen anderer Toten liegen, rosigen Schaum �ber den Lippen.
Die dritte Kompagnie unternahm einen Sturm gegen ein Geb�ude, das etwas
au�erhalb des Dorfes lag und von den Franzosen mit wildester Wut
verteidigt wurde. Die Mauern des Hauses waren schwarz vor Alter; es
hatte zwei Erker, und die Fenster waren vergittert. Jedes der beiden
Stockwerke hatte sechs Fenster, an jedem Fenster standen die Soldaten
enggedr�ngt, und die Erschossenen wurden sogleich wieder durch andere
ersetzt. Die Granaten hatten das Dach eingeschlagen, aber bis jetzt
hatte noch keine gez�ndet. Auch aus dem Sparrenwerk des Daches schossen
die Feinde herab, und wie alle fr�heren Angriffe, wurde jetzt der
Angriff der dritten Kompagnie zur�ckgeschlagen. �Folgt mir, J�ger!� rief
Sylvester und verlie� mit seinem Zug die Deckung einer Hofmauer. Die
Leute waren s�mtlich sehr bla�, gehorchten jedoch dem Befehl mit einem
rachs�chtigen Hurrageschrei. Viele dr�ckten die Augen zu, w�hrend sie
liefen. Die vierte Kompagnie, deren Hauptmann gefallen war, vereinigte
sich mit Sylvesters Abteilung. Einer um den anderen st�rzte. Sylvester
vernahm den s��lichen U--i-Laut, mit dem die Kugeln an seinem Ohr
vor�berpfiffen. Auf einmal taumelte er und hatte ein Gef�hl, als sei der
linke Arm von einem f�rchterlichen Keulenschlag getroffen worden. Einen
Augenblick verweilend, bemerkte er, da� das Blut aus dem Rock�rmel flo�.
Zugleich sah er mit einer Kampfesaufregung, die ihm Schwindel
verursachte und ihm in einem tiefen, ganz stillen und sonderbar
wachsamen Winkel seiner Seele kaum verst�ndlich d�nkte, da� seine J�ger
endlich bis an die Mauer jenes Hauses vorgedrungen waren, wo die Leichen
in H�geln lagen. Sie hatten die Gewehre umgedreht und schlugen, zwanzig
zu gleicher Zeit, mit den Kolben wie mit H�mmern gegen das massive Tor.
Angeln und Schlo� gaben nach, auch die Fassung zersplitterte, das Haus
war ge�ffnet, und die Tapferen erstiegen die drei Stufen; mit gef�llten
Bajonetten st�rzten sie in den Flur. Eine Salve empfing sie, mehr als
drei�ig verhauchten ihr Leben, doch f�r die �brigen war kein Aufhalten
mehr. Sylvester dr�ngte sich eben durch sie hindurch in den Flur, als
er, wie zu einer Bilds�ule verwandelt, stehen blieb.
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