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Page 44
�Na, wir werden sehen,� meinte der Major, �wir werden ja sehen.
�brigens steht in den Zeitungen gar nichts, ich habe nur so meine
privaten Nachrichten. Der preu�ische Gesandte in Paris hat schon vor
acht Monaten nach Berlin geschrieben: die Luft riecht nach Pulver. Ich
habe viel gegen Bismarck einzuwenden, aber das mu� man schon sagen, der
Mann versteht seinen Kopf aufzusetzen und wird sich nichts gefallen
lassen. Die Franzosen sind teuflisch �berm�tig geworden und der Kaiser
Napoleon sitzt auf einem wackligen Thron, deshalb will er seine
Untertanen besch�ftigen.�
�Geh mir doch, mein Lieber,� erwiderte Sylvester, �deine Politik
schmeckt nach der Stammtischkneipe.�
�Und wenn auch Krieg entst�nde,� warf Agathe mit ernster Miene ein, �wie
kann man sich �ber ein so ungeheures Ungl�ck freuen?�
�Verstehst du nicht, warum ich mich freue, Schw�gerin?� rief der Major
mit einer jungenhaften Begeisterung; �wir werden sie verhauen, die
Kerle, wir werden sie windelweich verhauen.�
�Aber du doch nicht,� sagte Agathe l�chelnd.
�Nein, ich nicht,� seufzte der Major, �f�r mich alten Kr�ppel ist an so
was nicht zu denken. Sylvester hingegen, der kann noch seinen Mann
stehen.�
Agathe heftete die Augen erschrocken auf ihren Gatten. Sylvester
runzelte die Stirn. �Ich befinde mich nicht mehr im Dienstverh�ltnis zur
Armee,� bemerkte er k�hl, �und dann w�rde sich's ja wahrscheinlich um
einen Krieg gegen Preu�en handeln.�
�Preu�en?� fuhr der Major auf, �Himmel und Wetter, mir scheint, er wei�
nicht einmal etwas von einem Schutz- und Trutzb�ndnis. Wenn es losgeht,
geht's gegen uns alle, darauf kannst du dich verlassen, und alle werden
zusammenhalten, darauf verla� dich ebenfalls. Wen's juckt in der Faust,
der schl�gt zu. Den Ofenhockern, na, denen wird eingeheizt.� Er lachte
mokant und z�ndete mit zitternden Fingern seine Pfeife an.
Agathe hielt es f�r geboten, dem Gespr�ch eine andere Richtung zu geben.
Drei Wochen sp�ter, an einem schw�len Julinachmittag, kam der Inspektor
Marquardt in gro�er Erregung aus W�rzburg zur�ck. Er brachte die
Extraausgabe einer Zeitung mit, welche die Kriegserkl�rung enthielt. Das
Blatt ging durch alle H�nde, und bald standen M�nner und Weiber im Hof
und disputierten mit best�rzten und feierlichen Gesichtern. Silvia hatte
sich in der Wohnung der Inspektorin befunden. Sie lief zu ihrer Mutter
ins Haus. Agathe sa� am Klavier. �Mutter, die Franzosen kommen,� schrie
das Kind mit aufgerissenen Augen. Agathe stand auf, schaute Silvia
erstaunt an und trat ans Fenster. Der Inspektor gewahrte sie. Seine
M�tze war in den Nacken gerutscht, die schwei�triefenden Haare hingen
ihm in die Stirn. �Gn�dige Frau,� rief er, �es wird Krieg! Hurra! Es
lebe der K�nig!� Ohne besondere �berschwenglichkeit stimmten einige
Knechte in das Hoch mit ein. Nur der rothaarige G�rtnerbursche, der
unl�ngst rekrutiert worden war, tanzte wie ein Indianer und klatschte in
die H�nde.
Sylvester war nach Kitzingen geritten. Abends um sieben Uhr kam er. Er
wu�te die Neuigkeit schon. ��berall herrscht gro�es Entz�cken, auch bei
den Bauern,� sagte er zu Agathe. �Das Volk ist wie toll. Es �berrascht
einen doch, so viel �bersch�ssige Lebenskraft wahrzunehmen. Ich h�tte es
nicht gedacht.� W�hrend der Mahlzeit blieb er einsilbig, und als die
Lampe gebracht wurde, las er einen Roman von Balzac. Agathe sa� am
Fenster. Sie war tief in Gedanken versunken.
�Glaubst du, da� Achim Ursanner im franz�sischen Heer weiterdienen
wird?� fragte sie pl�tzlich.
Sylvester schaute zerstreut empor. �Es ist wohl m�glich,� gab er zur
Antwort.
�Er, der deutscheste Deutsche!� fl�sterte Agathe beklommen.
Der Ausdruck in Sylvesters Z�gen wurde gesammelter. Wachsende Unruhe
umflorte seinen Blick. �Ja, hier hat das Fatum einen unentwirrbaren
Knoten gesch�rzt,� entgegnete er, f�hlte aber, wie matt und k�nstlich
die Floskel klang.
Agathe schwieg.
Die Nacht war so hei�, da� Sylvester, im Bette liegend, nicht
einschlafen konnte. Die Uhr in der Bibliothek schlug zweimal, als er
sich erhob und seine Kleider anzog, um in den Garten zu gehen. Der
Himmel war prachtvoll bestirnt, und auf dem Rasen gl�nzte der Tau. Die
and�chtige Stille der Natur ber�hrte ihn schmerzlich, wenn er des
Schlachtens gedachte, das morgen, �bermorgen beginnen und, wer konnte es
wissen, vielleicht auch das friedliche Gefild um ihn her mit Blut d�ngen
w�rde. Ihn schauderte.
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