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Page 41
�Das Unheil der Ehe besteht darin, da� sie vieles zur Pflicht macht, was
freie Gabe sein soll,� erwiderte Sylvester. �Wird dadurch nicht jede
Gabe verd�chtigt, jede Pflicht in Fron verwandelt? Der Anspruch auf
Best�ndigkeit erzeugt Abtr�nnigkeit, der Anspruch auf Treue Untreue. Sie
legt dem stolzen Mann Fallen, die ihn erniedrigen, und wie soll er
aufrichtig sein, wenn er f�rchten mu�, da� Aufrichtigkeit ein Verh�ltnis
zerst�rt, das ihm trotz alledem unentbehrlich ist? Denn hier ist etwas
Mysteri�ses, wovor meine ganze Weisheit verstummt,� fuhr er gr�blerisch
fort; �ich hatte geglaubt, ich sei nur deshalb zur�ckgekommen, um mit
deiner Einwilligung von dir wegzugehen. Ich kann aber nicht von dir weg,
Agathe. Das ist es eigentlich, was ich dir sagen wollte.�
In Agathes Gesicht zeigte sich eine kaum merkbare Erhellung, als ob ein
feiner Schleier abgerissen w�rde. �Wie kannst du denn bei mir bleiben
mit der andern im Herzen?� entgegnete sie. �Sie w�rde dir immer
engelhafter und ich immer unzul�nglicher erscheinen. Eine solche
Rivalit�t zu ertragen, ist keine Frau f�hig. Ich denke, du bist jetzt
nicht stark und ehrlich, sondern schwach und gutm�tig. So sch�n eine
Br�cke ist, so schauderhaft sind mir Notbr�cken, besonders wenn sie �ber
st�rmisches Wasser f�hren. Nein, nein, Sylvester, geh du nur hin�ber ans
andere Ufer; ich bleibe hier, wir wohnen ja doch nicht mehr im selben
Land.� Sie zog ihr Taschentuch, um es an die feuchten Augen zu bringen,
besann sich aber in einer Regung des Trotzes und dr�ckte es auf den
Mund.
�Dann habe ich mich allerdings furchtbar geirrt,� sagte Sylvester. Von
allem, was ihm h�tte widerfahren k�nnen, war ihm das standhafte Str�uben
Agathes, das er anfangs dem Gef�hl verletzter W�rde zugeschrieben, das
Unerwartetste. Da� sie ihn liebte, ihn allein, bedingungslos und ohne
die Denkbarkeit eines Aufh�rens, daran hatte er nicht im mindesten
gezweifelt. Ihre Liebe war ihm so selbstverst�ndlich gewesen wie die
Luft, die er atmete; er hatte niemals die M�glichkeit erwogen, da�
dieser Schatz an Liebe, den er in seltsam gleichg�ltiger Gewi�heit f�r
unersch�pflich gehalten, vergeudet werden k�nne; wie ein gesunder K�rper
seine inneren Organe nicht sp�rt, so hatte er die Kraft und Ausdauer
dieser Liebe als etwas Gesetzm��iges und ein f�r allemal Geregeltes
hingenommen. Die Einsicht, da� dem nicht so war, weckte ihn f�rmlich
auf; er begann anders zu sehen und zu h�ren; pl�tzlich erblickte er in
Agathe ein Weib, das sich ihm versagte. �Was soll nun werden?� fragte er
stockend, �willst du es nicht mehr mit mir versuchen?�
�Du bist Herr in deinem Haus, und ich kann unser Kind nicht im Stich
lassen, also mu� ich mich deinem Beschlu� f�gen,� antwortete Agathe
hart, und ohne auf Sylvesters beschw�rende Geb�rde zu achten, sprach sie
weiter: �Versuchen? Was hei�t das? Du traust mir eine �berlegenheit zu,
die ich nicht besitze. Ich bin nicht rachs�chtig, aber ich kann nicht
hindern, da� das Erlittene auf mein Gem�t wirkt. Ich glaube nicht mehr
an dich, Sylvester. Liegt dir an Verzeihung? Gibst du mir ein Recht,
gibt es �berhaupt ein Recht zu verzeihen? Dann habe ich dir verziehen
seit dem Tag, an dem du kamst. Aber ich glaube nicht mehr an dich. Gern
will ich zugeben, da� es von tiefer Bedeutung f�r dich war, was du
erlebt hast. Aber gerade da� du es erlebt hast und da� es eines solchen
Erlebnisses bedurfte, um dich zu befl�geln und deiner Seele Schwung zu
geben, das macht dich klein in meinen Augen, weil etwas so Unreifes,
etwas so Spielerisches und etwas so Zuchtloses darin liegt. Wenn ich dir
weh' tue, so vergib; ich mu�te es sagen, und ich bin froh, da� es nun
gesagt ist.�
�Was aber m��te geschehen, damit du den Glauben an mich wieder
gewinnst?� fragte Sylvester tonlos.
�Was geschehen m��te? Ich wei� es nicht. Oder vielleicht doch.
Vielleicht m��test du -- es ist schwer, das auszudr�cken; ob du mich nur
recht verstehst -- vielleicht m��test du Achim Ursanners w�rdig werden.�
�Achim Ursanners w�rdig? Wie meinst du das?�
�Es ist mein Gef�hl so. Ich finde kein anderes Wort daf�r.�
Sylvester erhob sich und ging im Zimmer umher. Es d�mmerte schon, und
das blaue Schneelicht wurde violett. Die Stille war so gro�, da� das
Knistern der drau�en von den Zweigen fallenden Flocken h�rbar war.
�Willst du nicht gleich jetzt mit mir nach Erfft gehen?� wandte sich
Sylvester an Agathe. �Martha kann ja deine Sachen morgen
hin�berschicken, und Silvia freut sich, wenn du kommst.� Er war bem�ht,
seiner Haltung und seiner Stimme Ungezwungenheit zu verleihen, jedoch es
gelang ihm nicht. Agathe stand ebenfalls auf, sah ihn forschend an und
nickte.
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