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Page 38
War sie zugegen, so vermochte er den Namen Gabriele nicht einmal zu
denken. Der Name enthielt das Fremdeste und zugleich das Vertrauteste,
ein auf einem geheimnisvollen Eiland gef�hrtes M�rchenleben, Gl�ck und
Verzicht, Schuld und Entbehrung. Er liebte sich selbst in diesem aus
Herzensangst und S��igkeit gemischten Gef�hl. Sein Geist war in einem
best�ndigen leichten Rausch; er glaubte zu sp�ren, da� er begehrt wurde,
da� sie, die Ferne, mit ihren Tr�umen an ihm hing und er liebte sich
selbst in ihren Tr�umen. Er sah ihre herrliche Gestalt im dunklen Kleid
mit sanft verhaltenen Bewegungen: das junge M�dchen. Sie trauerte. Aber
schon nahm die Welt sie auf, der sie angeh�rte, deren Gesch�pf sie war
durch ihre Kunst; schon verga� sie den Mann, der an der Grenze zweier
Lebensalter stand und sie um ihre Jugend und ihre Kunst betr�gen wollte,
verga� ihre Leidenschaft f�r ihn, wie man einen Irrtum und die seine,
wie man eine sch�ne Abendr�te vergi�t. Erste Liebe w�hlt nicht: das
junge M�dchen ist die Kreatur des Liebenden. Kunst ist ein Moloch; sie
fri�t Seelen und l��t ihrem Opfer nur den Schein der Selbstbestimmung:
die S�ngerin geht zu den Menschen wie in der Sage die Schwanenjungfrauen
in mondhellen N�chten ans Gestade gehen und verdammt und ausgesto�en
werden, wenn man ihnen das Zauberkleid raubt.
Sylvester fing an, vieles als Gesetz und Notwendigkeit zu begreifen, was
er kurzsichtig als Mi�gunst des Geschicks beklagt hatte, und voll
Resignation folgerte er, da� sein Leben nutzlos, �berfl�ssig und
verbraucht sei.
Eines Abends, es war ungef�hr eine Woche nach seiner Heimkunft, sa� er
mit Agathe beim Nachtessen. Sie waren zum erstenmal allein bei Tisch;
bisher hatte Agathe immer den Inspektor und dessen Frau eingeladen.
Sylvester a� lustlos und in kleinen Bissen und fand das Beisammensein
beklemmend. �Marquardt hat gestern eine Andeutung fallen lassen, da�
Achim Ursanner nicht mehr in der Gegend weilt,� sagte er endlich; �das
ist mir neu. Ich habe vergessen, den Inspektor deswegen zu fragen. Wei�t
du etwas N�heres?�
Agathe erz�hlte, wie sie vor einem Jahr Achim Ursanner besucht habe, wie
sich aus einem Gespr�ch ein Freundschaftsverh�ltnis zwischen ihnen
entwickelt, und wie er einmal im Sommer in Erfft gewesen; wenige Tage
sp�ter sei das Anwesen in Randersacker abgebrannt und er habe ihr
geschrieben. Den Brief wu�te sie beinahe Wort f�r Wort auswendig.
Sylvester runzelte die Stirn. Es war der blanke Widerspruchsgeist, der
ihn zu der Bemerkung veranla�te: �Es scheint mir aber doch, da� der gute
Achim ein wenig wie ein Schw�rmer und Starrkopf gehandelt hat. Um mit
den Menschen zu leben, mu� man sich ihrer zu bedienen wissen, nicht
aber sie durch kindischen Trotz in Teufel verwandeln.�
�Findest du?� antwortete Agathe ruhig. �Ich dagegen finde, da� er wie
ein Mann gehandelt hat.�
Sylvester blickte j�h in ihr Gesicht. Das hatte messerscharf geklungen.
�Es gibt vielerlei Arten, wie ein Mann zu handeln,� versetzte er
abweisend.
�Nein; es gibt nur eine einzige.�
�Und die w�re?�
�Die ist: durch die Tat bekr�ftigen, da� au�erhalb des egoistischen
Wohlbefindens noch etwas anderes, etwas H�heres existiert.�
Sylvester zuckte die Achseln. Nach ein paar Minuten stand er auf,
verbeugte sich h�flich und ging in die Bibliothek. Er warf sich in den
breiten Polsterstuhl und dachte �ber Agathes Worte nach. Er ha�te sie,
weil sie den Mut besa�, ihm dergleichen zu sagen; er ha�te sie, weil
diese ihre �u�erung einen so tiefen Eindruck auf ihn �bte; er w�re gern
zur�ckgegangen, um ihr zuzurufen: �Ich hasse dich,� wenn er nicht neben
dem Ha� etwas empfunden h�tte, das ihn klein und befangen machte.
Regungslos kauerte er einige Stunden hindurch. Pl�tzlich richtete er
sich empor und rief laut: �Es mu� noch heute geschehen. F�r uns beide
ist kein Raum in demselben Haus.�
Im Speisezimmer war es l�ngst finster. Er hatte der Zeit nicht geachtet
und wunderte sich, als er wahrnahm, da� die Mitternacht vor�ber war. Da
er aber den Augenblick benutzen wollte, der seinem Vorsatz den h�chsten
Schwung verliehen hatte, betrat er Agathes Schlafgemach, entschlossen,
sie zu wecken. Er hatte eine Kerze angez�ndet und trug sie in der Hand.
Als er die T�re ge�ffnet hatte, war er erstaunt, zu sehen, da� mitten im
Zimmer ein gepackter Koffer stand. Agathe schlief fest. Ihr Gesicht war
bla�, um die Lider war ein Zug von M�digkeit. Sylvester zauderte. Er
hatte stets Ehrfurcht vor dem Schlaf empfunden. W�hrend er noch
�berlegte, fiel sein Blick auf den kleinen Schreibtisch und auf einen
Brief, der, sicherlich kurz vorher geschrieben, noch offen dort lag. Er
setzte sich hin und las: �Das Kind ist Gott sei Dank so weit, da� ich
f�r mehrere Wochen zu Martha fahren kann. Bleibe so lange bei ihm, bis
du selber Erfft wieder verl�ssest. Ich gebe dir die Freiheit. Ich
hindere dich nicht, dir ein neues Leben zu schaffen, das deinen
Hoffnungen entspricht. Ich sehe ein, da� ich dir nicht mehr gen�gen
kann, und du mu�t wissen, da� ich dir die Achtung nicht mehr
entgegenzubringen vermag, ohne die eine Ehe zur H�lle wird. La� dich
nicht durch die Sorge um mein ferneres Gl�ck oder Ungl�ck beirren. Ich
bin gesund und kr�ftig, und ein Ereignis, auf das ich solange
vorbereitet war, kann mich nicht zerschmettern. Gehorche der Stimme
deines Herzens. M�ge es zum Segen f�r dich sein. Die innerlich
vollzogene Trennung auch �u�erlich in aller Form und tunlichst rasch
durchzuf�hren, darf ich dich wohl bitten. Agathe.�
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