|
Main
- books.jibble.org
My Books
- IRC Hacks
Misc. Articles
- Meaning of Jibble
- M4 Su Doku
- Computer Scrapbooking
- Setting up Java
- Bootable Java
- Cookies in Java
- Dynamic Graphs
- Social Shakespeare
External Links
- Paul Mutton
- Jibble Photo Gallery
- Jibble Forums
- Google Landmarks
- Jibble Shop
- Free Books
- Intershot Ltd
|
books.jibble.org
Previous Page
| Next Page
Page 36
Er wohnte nicht in dem Hotel, dessen Bedienstete vor einem Jahr Zeugen
des Auftritts mit der sch�nen Rahel gewesen waren. Am dritten Morgen
trieb es ihn nach dem G��chen, in welchem der Laden des H�ndlers war.
T�re und Auslagefenster waren mit Rollbalken versperrt und das ganze
Haus machte den Eindruck, als ob es verlassen sei. Indes Sylvester
sinnend davor stand, gewahrte ihn der Portier des Gasthofs, erkannte
ihn, trat mit einem halb vertraulichen, halb respektvollen Grinsen heran
und erz�hlte, da� seit jenem Tage, der Herr Baron wisse schon, seit
welchem, der Alte seine Butike nicht mehr ge�ffnet habe. Seine Tochter
habe den Verstand verloren, sie tue nichts anderes als am Fenster sitzen
und stumpfsinnig vor sich hinstarren. Sie habe blo� eine einzige
Liebhaberei, man k�nne es ruhig eine Tollheit nennen: jede Woche einmal
gebe ihr der Vater eine Uhr, eine richtige Taschenuhr, die zerst�re sie
dann, ziehe die Feder und die Schr�ubchen heraus und sei gl�cklich, wenn
alle Bestandteile St�ck f�r St�ck vor ihr l�gen. Der Alte habe mehrere
Uhren, die er dann immer wieder zusammensetzen lasse, um der Tochter von
neuem eine Freude zu bereiten, denn die Uhr m�sse ticken; wenn sie nicht
ticke, lasse das M�dchen sie unber�hrt. �Finden Sie nicht, Herr Baron,
da� das eine lustige Art von Verr�cktheit ist?� schlo� der joviale Mann
seinen Bericht.
Sylvester antwortete nicht und ging weiter. In seinem Quartier
angelangt, forderte er seine Rechnung und bestellte f�r den Nachmittag
einen Wagen. Sodann verabschiedete er den getreuen Adam, der mit der
Post nach Dudsloch fahren sollte. Adam Hund war aufgeregt wie ein
Br�utigam am Hochzeitsmorgen und sah aus wie ein lebendiger Beweis f�r
die Hinf�lligkeit aller Theorien. Er hatte seinem Weib ein silbernes
Armband, einen buntgesprenkelten Schal, ein Paar Filzschuhe und ein
halbes Dutzend roter Str�mpfe gekauft, und mit diesen Gegenst�nden in
seinem Rucksack d�nkte er sich gegen alle k�nftigen Unbilden an seinem
ehelichen Himmel gefeit. Sylvester zahlte ihm den vereinbarten Lohn und
schenkte ihm au�erdem noch zwanzig Taler.
Um drei Uhr rumpelte die plumpe Kutsche, die ihn nach Erfft bringen
sollte, �ber das holprige Pflaster der Stadt. Pl�tzlich ergriff ihn eine
sonderbare Ungeduld. Auf der kotigen Stra�e ging es so langsam vorw�rts,
da� er einigemal ausstieg und mit raschen Schritten weitereilte. Es
d�mmerte bereits, als er die H�user von Erfft sah. An der Landstra�e
befand sich eine kleine Schenke; er befahl dem Kutscher, hierzubleiben
und erst in einer halben Stunde nachzufahren, dann schlug er in der
beginnenden Dunkelheit einen wohlbekannten Fu�pfad ein.
Der Platz vor dem Haus lag �de. In den Stuben brannte noch kein Licht,
auch im Flur war es noch finster. Er stieg die Treppe empor; kein Mensch
war zu sehen, kein Laut zu h�ren. Am Ende des Gangs war Silvias Zimmer.
Der Lichtschein im Schl�sselloch glich einem Stern. Da trat aus einer
T�r zur Linken eine in der Dunkelheit nur umrissene Gestalt. Sylvester
blieb stehen. �Bist du es, Agathe?� fragte er leise. Agathe stie� einen
Schrei aus und klammerte sich an den Pfosten, als ob sie fliehen wollte
und ihr der Weg abgeschnitten w�re. Die T�r von Silvias Zimmer wurde
ge�ffnet und auf der Schwelle erschien Frau �sterlein mit warnend
erhobenem Finger. Ihr zum Fl�stern schon bewegter Mund erstarrte, als
sie Sylvesters ansichtig wurde. In dem breit auf den Flur flie�enden
Lampenlicht konnten Sylvester und Agathe einander in die Augen sehen.
Er reichte ihr die Hand. Stumm und kalt lag ihre Hand in seiner. �Wie
geht es dir, Agathe?� Sie antwortete nicht. Matt deutete sie gegen
Silvias Zimmer. Sylvester griff sich an die Stirn; f�nf Schritte, und er
stand vor dem beleuchteten Gemach. Frau �sterlein wollte ihm den
Eintritt verwehren, er schleuderte sie beiseite. Agathe folgte mit einem
dumpfen L�cheln. Als Sylvester vor Silvias Bett auf die Knie gest�rzt
war und verzweifelt in die vom Fieber aufgeschwemmten Z�ge des Kindes
schaute, als er die lieben, sinnlosen Worte, das erbarmungsw�rdige
R�cheln vernahm, dem gebrochenen, hei�en, suchenden, nicht erkennenden
Blick begegnete, krampfte er die H�nde in das Linnen und f�hlte selbst
den Tod, der diese Seele seiner Seele bedrohte. Eine Klage, ein
Bekenntnis, ein Gel�bde, ein irres Gebet, eine Forderung an Gott, ein
zerknirschtes Hinsinken, Vermessenheit, die ein Schicksal leugnet,
w�hrend es sich vollzieht, wie nichtig und niedrig empfand er es selbst,
wie glich es dem Zappeln eines Tieres, das zertreten wird!
Agathe legte ihm die Hand auf die Schulter. Er verstand sie, erhob sich
und ging hinter ihr aus dem Zimmer. Im Flur sagte sie: �Letzte Nacht
glaubten wir schon, es sei aus mit ihr, da begann sie pl�tzlich zu
schlummern. Heute mittag ist das Fieber mit doppelter Gewalt
zur�ckgekehrt. Vorhin war der Doktor hier. L��t das Fieber in einer
Stunde nicht nach, so ist sie verloren.�
Der Inspektor und seine Frau hatten von Sylvesters Ankunft geh�rt. Sie
kamen die Treppe herauf und begr��ten ihn.
Previous Page
| Next Page
|
|