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Page 34
Oft trat sie am Abend an das Bett Silvias, wenn diese mit offenen Augen
dalag und in die Dunkelheit schaute. Einmal glaubte sie das Kind im
Schlaf, da beugte sie sich und k��te es auf die Stirn. In demselben
Augenblick bemerkte sie, wie Silvias beide H�nde sich zu F�usten
zusammenkrampften und die zuckenden Wimpern verrieten, da� der Schlaf
geheuchelt war. Agathe empfand einen heftigen Schmerz; Zentnerlast
w�lzte sich auf ihre Brust, und still ging sie hinaus. Eines Tages im
Juli geschah es, da� ein Hagelwetter das Getreide auf den Feldern und
den Wein an den St�cken niederschlug. Die Erntehoffnungen f�r dieses
Jahr waren vernichtet. Agathe sa� im gro�en Wohnzimmer, den Kopf in
beide H�nde gest�tzt, und Inspektor Marquardt stand neben ihr, verlegen,
finster und schweigsam. W�hrenddem ging die T�re auf und Silvia kam
herein. Sie stellte sich zwischen den Inspektor und ihre Mutter und sah
diese an, und Agathe wurde aufmerksam auf Blick und Miene des Kindes. Es
war der gro�e, kalte Blick befriedigter Rache, die grausame Miene der
Genugtuung. Unwillk�rlich erhob sich Agathe. �Was willst du?� herrschte
sie das Kind an, �geh! Geh mir aus den Augen.� Ein Zittern �berflog
Silvias Glieder, und sie gehorchte. Der Inspektor schaute ihr mitleidig
nach, weil er dachte, ihr sei unrecht geschehen.
Einige Wochen sp�ter war es, als Agathe den Brief Sylvesters erhielt,
den er in dem kleinen Wirtshaus in Twickenham geschrieben. Mit
unendlicher Bitterkeit las sie die S�tze, die ihr allzu verstiegen und
allzu dem�tig erschienen, um ihr Gef�hl aufzur�hren. Doch wu�te sie
sogleich, was f�r eine Bewandtnis es mit dem Brief hatte, und da� er von
verh�ngnisvollen Banden umstrickt sein mu�te, um so vor ihr zu betteln.
Sie hatte sich l�ngst abgefunden mit ihrem Los, doch die mahnende
Stunde, das unerbittlich Gegenw�rtige des Bruchs und der Zerst�rung
wirkte auf sie, als ob man ihr die Haut vom Leibe risse. Silvia sa�
drau�en auf einem hochbeladenen Heuwagen; sie hatte den Brieftr�ger
gesehen und konnte durch die offnen Fenster in die Stube blicken. Nun
kletterte sie vom Wagen herunter und eilte ins Haus. Z�gernd trat sie
ein, richtete aber die Augen furchtlos gegen Agathe und fragte: �Was
schreibt denn der Vater?� Agathe war betroffen von der Divination wie
auch von der verstellten Ruhe in der Stimme des Kindes. Es war das
erstemal, da� sich Silvia durch eine unmittelbare Frage nach ihrem Vater
erkundigte, aber der mi�trauische und heimlich gereizte Ton erz�rnte
Agathe, und sie antwortete: �Deinem Vater geht es gut. Was dich
betrifft, so nimm dich in acht, Kind, da� du mir nicht durch D�nkel und
Vorwitz verha�t wirst. Nicht was du sprichst, sondern wie du dich gibst,
ist �ber deine Jahre und steht dir nicht an. Wenn du �lter und kl�ger
bist, wirst du einsehen, da� man mit einem so kleinen M�dchen nicht �ber
die ernsten Dinge sprechen kann, die Vater und Mutter besch�ftigen.�
Silvia l�chelte. Es war ein sehr besonderes L�cheln, das ungef�hr zu
sagen schien: �Du weichst mir aus und du willst mich t�uschen, aber ich
frage ja nur, um zu ergr�nden, ob du mich t�uschen willst.� Nicht D�nkel
und Vorwitz lag in dem L�cheln, sondern eine gleichsam in Tr�umen
gewonnene Erfahrung. Von diesem Tage an w�nschte Silvia, da� sie sterben
m�ge, denn nun w�hnte sie die Gewi�heit erlangt zu haben, da� der Vater
niemals zur Mutter zur�ckkehren werde. Warum es so war und so sein
mu�te, begriff sie nicht; da� es so war, �berhauchte ihr Wesen mit einer
Schwermut, die aus der abg�ttischen Liebe zum Vater stammte. Sie
entbehrte ihn; sie verdorrte ohne ihn wie eine Blume ohne Regen. Sein
Tod h�tte sie vielleicht h�rter getroffen, doch hat der Tod f�r die
Phantasie eines Kindes eine abschlie�ende und verkl�rende Macht. Sie
wu�te, da� er lebte, irgendwo drau�en in der Welt lebte und die Tatsache
seines pl�tzlichen Verschwindens, seiner Abwesenheit, seines
Fernbleibens erf�llte sie mit um so gr��erer Bangigkeit und Sehnsucht,
als sie in sich selber die Ursache davon erblickte.
Sie bildete sich n�mlich ein, da� er nur deshalb fortgegangen war, weil
er sie nicht mehr hatte leiden m�gen, weil er Unarten an ihr entdeckt
und sie h��lich gefunden hatte und eine andere, bessere, sch�nere
Silvia haben wollte. Sie entsann sich, wie oft sie ihn ge�rgert hatte
durch Grimassenschneiden, L�rmen auf der Treppe, Naschhaftigkeit und
Ungehorsam; sie konnte sich dies nicht verzeihen, nie, solange sie
lebte, w�rde sie sich's verzeihen k�nnen. Nur um unter dem Gewicht der
eigenen Schlechtigkeit nicht erdr�ckt zu werden, verfolgte sie das Tun
und Treiben der Mutter mit tadels�chtigen Augen, war fast gl�cklich,
wenn sie einen Fehler, eine Schw�che an ihr beobachtete, und mit
derselben wunderlichen Unbarmherzigkeit stand sie den Dienstleuten
gegen�ber und allem Mi�geschick, das dem Hause zustie�.
Bisweilen erwachte sie in der Nacht, und ihr war, als habe sie den Vater
lachen geh�rt. Dann vermochte sie sich seine Z�ge so eindringlich
vorzustellen, da� sie seine beim Lachen blitzenden Z�hne sah und seine
Augen, deren spottlustiger Glanz sie oft erg�tzt hatte. Am meisten hatte
sie ihn bewundert, wenn er ritt, und sie kannte kein gr��eres Vergn�gen,
als in einer dunklen Ecke zu kauern und sich zu erinnern, wie pr�chtig
er auf dem Pferde gesessen war, und wie die Leute auf den Feldern sich
von ihrer Arbeit aufgerichtet hatten, um ihm lange nachzuschauen.
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