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Page 24
Sylvester antwortete nicht; in matter Haltung auf der Seitenlehne des
Sessels sitzend, verkrampfte er die Finger ineinander. �Mein armer
Freund,� sagte Frau von Rhynow, �ich verstehe alles. W�re ich ein Mann,
mir ginge es ebenso. Ich fordere nicht, da� Sie heute schon einen
Entschlu� fassen, aber wahren Sie Ihre Besonnenheit. Schonen Sie
Gabriele.�
Die wohlmeinenden Rater n�hren stets ein Feuer, das zu l�schen sie
gekommen sind. Nun, wo es Gefahr bedeutete und W�chteraugen zu betr�gen
waren, achtete Sylvester keine Schranke mehr. Er schrieb sieben Briefe
an Gabriele, die er alle wieder zerri�; seine Phantasie gab dem
Abenteuerlichen, dem M�rchenhaften Raum, doch wenn er dann Gabriele vor
sich sah, in ihrer lieblichen Unruhe, in ihrer scheuen Gespanntheit und
wie sie immer wieder versuchte, sich dem finstern Element zu entziehen,
dann stockte er verzweifelt und wu�te keinen Weg mehr.
Er fuhr zum Rennen nach Epsom und erblickte sie auf einer Trib�ne neben
der Gr�fin Shrewsbury. Sie hatte den Kopf zur�ckgewandt und sprach
fr�hlich mit einigen Herren, als sich ein ungew�hnlich sch�ner junger
Mann im Reitkost�m zu der Gruppe gesellte. Sylvester kannte ihn vom
Sehen, es war der Viscount Darrington, ein J�ngling von zwanzig Jahren
mit einem Gesicht und einem K�rper wie von Phidias gemei�elt. Sylvester
stand unten im Gew�hl und beobachtete jede Geb�rde Gabrieles. Ihm wurde
eiskalt, als sie dem jungen Menschen zul�chelte, und als der Viscount,
der sich am Herrenreiten beteiligte, ihre Hand beim Abschied l�nger als
es n�tig schien in der seinen behielt, legte sich ein purpurner Dunst
�ber Sylvesters Augen. Wenige Minuten sp�ter begann das Rennen. Mit
solcher Aufmerksamkeit, da� seine Lider kaum blinzelten, verfolgte
Sylvester die Gestalt des jungen Edelmanns, der auf einem Grauschimmel
bald unter den Vordersten �ber das Feld flog. Hundert Meter weiter
�berfl�gelte er den Ersten, und Sylvester war es, als sei alles f�r ihn
verloren, wenn jener als umjubelter Sieger ans Ziel gelangte. Er
w�nschte nicht, er befahl, da� der J�ngling zu Fall kommen m�ge und in
einer Art von Raserei sammelte er seine Gedanken in diesem Willen.
Gleich darauf ert�nte ein hundertfacher Schrei. Der Grauschimmel hatte
vor dem letzten Hindernis versagt. Sylvester gewahrte wie im Schein
eines Blitzes den K�rper des Viscount in der Luft, dann eilten viele
Menschen hin�ber, um dem regungslos auf der Erde Liegenden beizustehen.
Er hatte beide Arme gebrochen und aus seiner Nase rann Blut.
Das ist also m�glich, fuhr es Sylvester schaudernd durch den Sinn, warum
sollte es etwas Unm�gliches geben? Sein schuldvoller Blick suchte
Gabriele. Die Zuschauer auf den Trib�nen hatten sich erhoben und
pl�tzlich sah er, wie sich Gabriele durch die Menge dr�ngte; hastig und
beklommen trat sie zu ihm, schob ihren Arm unter den seinen und bat, er
m�ge sie in die Stadt bringen. Kaum sa�en sie im Wagen, so fing es an
zu regnen und nach einer Viertelstunde Wegs wurde aus dem Regen ein
Wolkenbruch. Die Pferde scheuten ein paarmal, der Kutscher mu�te
absteigen und sie f�hren.
Gabriele schaute wie geistesabwesend vor sich hin; in seiner sonderbaren
Verwirrung und inneren Not glaubte Sylvester, sie denke nur an den
Viscount, w�hrend ihr dies und ihr ganzes gegenw�rtiges Leben nur wie
Wolkenziehen vor�berging. Sie sprach aber nichts, und in ihrem Schweigen
war etwas Redeverbietendes. Sylvester hatte den Kopf gesenkt und ihm
schien, als ob sein Herz in einer salzigen, brennenden Lauge zersetzt
w�rde. Weshalb ist sie mit andern liebensw�rdig, ja freudig erregt,
gr�belte er, und mir zeigt sie ein erstorbenes, verdunkeltes Wesen? Er
h�tte Ehre und irdisches Heil daf�r gegeben, wenn er diese Frage an sie
h�tte richten k�nnen und Gabriele sie beantwortet h�tte. Aber es lag
eine unerme�liche Entfernung zwischen ihnen. Was bedeutete jedoch der
Blick, als sie ausstieg, dieser volle, tiefe, strahlende, flehende,
dem�tige Blick? Schon war sie im Eingang des Theaters verschwunden.
Sie spielte an diesem Abend zum letztenmal in der Saison. Es wurde der
Barbier von Sevilla aufgef�hrt, und nach den Aktschl�ssen glich das
Theater einem mit br�llenden Tieren gef�llten K�fig. Als die Oper zu
Ende war, ging Sylvester hinter die Kulissen. Anna Ewel geleitete ihn in
eine Ecke, wo sich Gabriele vor den vielen Menschen versteckt hielt, die
ihre Garderobe belagerten. Sie kauerte auf einem h�lzernen Karren und a�
eine Birne. �ber das Kost�m der Rosine hatte sie ein schwarzes Tuch
geschlagen, und die wei�e Haut des Nackens und der B�ste leuchtete
eigent�mlich feucht. �Ich will nach Hause wie ich bin,� sagte sie, �wir
k�nnen das Theater unbemerkt verlassen, wenn wir durch den finstern Gang
dort gehen. Meinen Mantel, Anna.�
�Soll ich denn mitkommen?� fragte Sylvester. Sie nickte.
In der Villa drau�en war ein Imbi� vorbereitet, aber Gabriele hatte
keinen Hunger. Sie lie� Sylvester einige Zeit allein, dann kehrte sie in
einem Gewand aus weichem, wei�em Kaschmir zur�ck und setzte sich still
an den Tisch. Die Fenster waren offen; schon herbsteten die Abende, und
die B�ume hauchten einen zarten Modergeruch aus. W�hrend er allein
gewesen, hatte Sylvester eine Laute genommen, die an der Wand hing; er
hatte sie betrachtet und es wunderbar empfunden, da� in dem Instrument
unbekannte Melodien schlummerten, die er nicht hervorlocken konnte;
wieviel wunderbarer d�nkte ihn jetzt Gabrieles Anblick, dieser atmende
Leib, aus dem die Gottheit T�ne zauberte, welche die Armut der Menschen
in Reichtum und ihre N�chternheit in �berschwang verwandelten.
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