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Page 20
Nur um die Zeit zu f�llen ging Sylvester am Abend ins
Coventgarden-Theater, nicht weil Gabriele Tannhauser dort sang. Um so
unerwarteter war der tiefe Eindruck, den sie auf ihn machte. Zwei Tage
sp�ter traf er sie auf einem Rout bei der Herzogin von Devonshire. Sie
gewahrte ihn, als er unter die T�re trat, schien sich seiner zu
erinnern und l�chelte ihm fl�chtig zu. Da sie von Bewunderern umlagert
war, verschm�hte er es, zu ihr zu dringen. Es fiel ihm auf, da� sie sich
ganz und gar nicht als Dame gab, ganz und gar nicht als Stern f�r eine
entz�ckte Menge, aber er verga� nicht, wie schlank und fein sie dastand,
sp�rlich in Gesten und wachsam hinter ihren besonderen Verschleierungen.
Die vielfachen Wege des gesellschaftlichen Lebens hatten Stationen, auf
denen man sich immer begegnete. Schon am andern Tag sah er Gabriele auf
einem Ball bei Lady Tankarville wieder, und am darauffolgenden bei einem
Diner im Hause des Lord Keith. Sie hatte gro�en Erfolg in London, alle
jungen M�nner lagen ihr zu F��en, und ehrw�rdige Granden des Reichs
geh�rten zu ihren Anbetern. Sie schien es kaum zu merken. Die Last der
Verpflichtungen, die ihr der Ruhm auferlegte, bedr�ckte sie. Sie klagte
gegen Sylvester, da� sie unter dem Klima leide. Er riet ihr k�rperliche
Bewegung an, empfahl ihr zu wandern, zu reiten und machte sich erb�tig,
sie bei Ausfl�gen zu besch�tzen. �Ich bin ein armer Sklave,� antwortete
sie, �ich kann mein Joch nicht abtun.� Im Herbst wolle sie sich erholen,
sagte sie; sie sei von den Cannings eingeladen, nach Bangor zu kommen
und habe die Absicht, einige Wochen dort zuzubringen. Es ber�hrte sie
nicht unangenehm, als Sylvester ihr mitteilte, da� auch er in Bangor
sein werde. Sie fand Gefallen an der Unterhaltung mit ihm. Sein offenes,
geistig durchw�hltes Gesicht hatte ihre Sympathie erweckt.
Sylvester hatte eine alte Freundin in London, eine Frau von Rhynow, die
Gattin eines Konsuls. Sie war f�rmlich verliebt in Gabriele, der sie in
dem fremden Land viele Dienste leistete, und da sie ein Vergn�gen daran
fand, Menschen zusammenzubringen, die sie gern hatte, lud sie Gabriele
und Sylvester h�ufig zur Teestunde ein. �bertriebenes Zartgef�hl lie�
sie glauben, da� das harmonische Gespr�ch der beiden durch ihre
Gegenwart gest�rt werde, und so ging sie meist aus dem Zimmer, nachdem
sie ihre G�ste bewirtet hatte. Die Zur�ckgelassenen mu�ten ihre
Situation scherzhaft nehmen, wenn sie ihnen nicht verf�nglich scheinen
sollte.
Gabriele war ohne Arg, auch gegen sich selbst. Sie war der N�he eines
Menschen froh, der fest in seiner Welt stand und ihre Empfindlichkeit
gegen dieselbe Welt milderte. Sie durfte immer wieder in ihre Einsamkeit
zur�ckkehren, sie hatte die Sicherheit, sich nicht verlieren zu k�nnen
und als sie erfuhr, da� er verheiratet sei, wuchs ihr Vertrauen gegen
ihn, ein m�dchenhafter Zug und ein philistr�ser zugleich. Sylvester
betonte sein Gef�hl der Freundschaft; er sagte, da� sein Herz m�de sei,
und er glaubte es. Der Magnetismus, den zu erproben er ausgezogen, er
sp�rte ihn nicht mehr; er hatte ihn verschwendet, in Kleinm�nze
zerst�ckt. Er hielt sich f�r unf�hig, zu entflammen und unf�hig,
entflammt zu werden. Wenn er Gabriele vor sich sah, in der Herrlichkeit
einer Jugend, die sie wie eine B�rde trug, wenn er in ihre Augen
blickte, in denen unbewu�t und ergreifend die Sch�nheit der Bereitschaft
war, dann d�nkte ihm Resignation nat�rlich und anst�ndig.
In dieser stolzen und ergebenen Stimmung schrieb er an Achim Ursanner,
an den er sich jetzt zuweilen wie an einen heimlichen Boten wandte: �Da�
ich in meiner Zeit lebe, ist mein Schicksal; da� ich sie betrachte,
enth�lt schon einen Triumph �ber das Schicksal. Vor ihr stehe ich wie
vor einem Spiegel. Sie atmet mir die Welt entgegen, sie zeigt mir die
Menschheit in dem Augenblick, wo ich es vermocht habe, mich ihr zu
entziehen. Meine Selbstbesinnung ist mein Sieg �ber die Zeit. Ich kann
die Augen schlie�en, und Welt und Zeit str�men in mich hinein, kein
einzelnes hat mehr Gewalt �ber mich, ich habe die Gewalt des Tr�umers
�ber das Ganze. Ich m�chte mich mit einem Trauernden vergleichen, der in
unzug�nglicher Abgeschlossenheit haust, dennoch sich gehetzt, bedroht,
aufs �u�erste beunruhigt f�hlt, und der gerade in der Sekunde der
letzten Hoffnungslosigkeit einen zauberhaften Trost empf�ngt, so da�
seine Stirn, von der neuen Morgenr�te ber�hrt, einen Schein mystischen
Entz�ckens ausstrahlt, w�hrend die Brust noch in einer poesielosen
Finsternis begraben ist.�
Aber Sylvester irrte sich. Die ganze Weisheit war gew�nschtes
Mi�verst�ndnis dessen, was in ihm vorging. Lockte ihn nicht die Geb�rde,
mit der die Freundin nach einer Notenrolle griff? Und jene, mit der sie
die Arme hob, um den Schleier zu binden? Und jene halb f�rstliche, halb
zaghafte, mit der sie eine T�r �ffnete? Gab nicht ein schelmisches
L�cheln, ein verstohlener Blick Stoff zu Gr�belei? Folgte nicht die
Phantasie der schlanken Gestalt in ihr Alleinsein? Belauschte sie nicht
die Gedanken hinter der eigent�mlich gefesselten Stirn des M�dchens? War
nicht sein Gleichmut erheuchelt, sp�rte er nicht, wie er sich wandelte,
seinen Bindungen entfloh, seiner Gewi�heit entschl�pfte?
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