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Page 19
Sylvester z�gerte lange, bis er den Entschlu� fa�te, in Lord Cecils Haus
zu gehen. Aber er glaubte es dem Andenken Evelyns schuldig zu sein,
ihrem irdischen Rest einen Abschiedsgru� zu erweisen. Er w�hlte eine
Stunde, wo er sicher war, da� man unter vielen Leuten seine Anwesenheit
nicht beachten w�rde. Jedoch seine Erwartung traf nicht zu. Als er in
den Saal kam, in welchem die Tote auf einem mit schwarzem Sammet
ausgeschlagenen Katafalk lag, waren die meisten Besucher schon
weggegangen, und einige Personen, die fl�sternd in einer Ecke des Raumes
standen, waren ebenfalls im Begriff, sich zu entfernen. Sylvester trat
an den Sarg und blickte in das ergreifend zerst�rte, unendlich
abgeh�rmte Antlitz, dessen starre Ruhe zu tr�gen schien, und dessen
Bl�sse phosphorisch leuchtete. W�hrend er noch niederschaute, sah er
pl�tzlich dicht neben sich Lord Cecil Albany. Der Lord hatte die H�nde
auf dem R�cken, wandte Sylvester den Kopf langsam zu und sagte mit
heiserer Stimme: �Sie war sch�n, nicht wahr?� Sylvester zuckte zusammen,
die Augen des Lords verdrehten sich unheimlich, als er seine Worte
wiederholte: �Sie war sch�n, nicht wahr?�
Da senkte Sylvester die Stirn, kehrte sich um und ging schweigend
hinaus.
* * * * *
Seiner selbst �berdr�ssig sein ist schrecklicher als sterben. Jeder
Gedanke wird Anklage, das Herz erstickt in Melancholie, der Schritt
spottet seines Zieles, nur Ekel saugt das Auge aus den Dingen, die Hand,
wonach sie auch greift, sie h�lt nichts, der Mund mag nicht mehr reden,
das Ohr nicht h�ren. Sich auskleiden am Abend, sich anziehen am Morgen,
wozu? Und die Menschen, was soll ihre Eile frommen, ihr Gel�chter, ihr
Nein und Ja, ihr Sch�n und H��lich; wie zwecklos dies Anz�nden von
Lichtern und Ausl�schen von Lichtern, dies Abreisen und Wiederkommen,
der Schmuck von W�nden, die Zierat der St�dte, all dies Vergebliche,
ach, so furchtbar Vergebliche!
Unheilvoller als vor Monaten in der Heimat gewann solche Stimmung Macht
�ber Sylvester. Er blieb tagelang in seinem Zimmer, schlo� die L�den zu
und lag in der Dunkelheit. Jedes fremde Gesicht war ihm unertr�glich und
jeder Laut von der Stra�e verst�rte ihn. Wenn der treue und besorgte
Adam an die T�re pochte, antwortete er zuerst �berhaupt nicht, dann
�bermannte ihn der Zorn und er befahl ihm unter Schimpfworten, sich zu
trollen. In sp�ter Nacht ging er aus, um zu essen und kehrte oft hungrig
wieder heim. Am liebsten weilte er am Flu�, in sp�ter Nacht; beugte sich
�ber ein Br�ckengel�nder und sah zu, wie das Wasser flo� und Barken und
kleine Dampfer dahin glitten. Er wollte sich nicht Rechenschaft dar�ber
geben, was er unterlassen. Er war nicht gewohnt, �ber sich nachzudenken.
Sein Schmerz hatte nichts mit seinen Handlungen zu schaffen, obwohl er
sich klar dar�ber war, da� er nichts Gutes und Heilsames, sondern nur
Sch�dliches und Schlechtes durch sie hervorgebracht hatte. Erinnerte er
sich an die Begegnungen der letzten Zeit, an die Abenteuer und
Verstrickungen, so fand er sich um so leerer und k�lter, je deutlicher
er sie vergegenw�rtigte, und Evelyns bleiches Totenantlitz hatte nur
einen Flammenschein in die K�lte und Armut seiner Brust geworfen wie
eine Fackel in die Ruine eines Hauses. Sein Schmerz str�mte aus dem
allertiefsten Grund des Lebens, und mit ihm stieg zuweilen eine
unerme�liche Sehnsucht empor, in deren Umklammerung er sich ohnm�chtig
hinschleppte.
Einmal tr�umte ihm, er sei mit Adam Hund von Erfft aufgebrochen. Sie
ritten durch den Wald, Adam mit einer brennenden Fackel voraus. Es ist
eine st�rmische Nacht, die Zweige krachen und seufzend biegen sich die
St�mme. Eine Regenflut prasselt nieder und verl�scht die Fackel. Die
undurchdringliche Finsternis t�tet alle Hoffnung in Sylvester, und er
kann nichts denken als das eine: nur nicht zur�ck, nur nicht mehr nach
Hause. Er sp�rt den warmen Leib des Pferdes und vernimmt Adams h�ufigen
Zuruf, der sich seiner N�he versichert. So irren sie viele Stunden lang
umher, und als der Morgen graut, fangen die Pferde an zu wiehern, und
Sylvester gewahrt durch Nebel und Regen hindurch sein Haus. Dar�ber
empfindet er eine solche Verzweiflung, da� er sich �ber den Hals des
Pferdes beugt und ihm ein Messer in die Brust st��t. Ein Blutstrahl
quillt auf, steigt immer h�her empor und leuchtet wie Feuer. Adam ist
verschwunden, das Haus ist leer, Sylvester sucht und wei� nicht wonach,
keuchend l�uft er durch unbekannte R�ume, die Luft ist rot von der
Blutfont�ne, er sinkt ersch�pft zu Boden und erwacht.
Bei diesem Erwachen fa�te er den Vorsatz, wieder unter Menschen zu
gehen, damit die in seiner N�he lebten, nicht das best�ndige Schauspiel
selbstzerst�renden Tuns vor Augen h�tten. Er rief Adam zum Rasieren, der
schleppte mit heller Freude seinen Kasten herbei und behandelte
Sylvester wie einen von Krankheit Genesenden; im �brigen war er schlecht
auf England zu sprechen, weil er nirgends Suppe zu essen bekam, und
nannte die Engl�nder traurige Hungerleider. Seine Gefr��igkeit wuchs im
selben Ma� wie seine zarteren Bed�rfnisse schwanden.
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