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Page 18
Seit sie seine Geliebte war, besuchte sie ihn in seiner Wohnung; nun
geschah es aber, da� Lord Cecil nach London reisen mu�te und seine
R�ckkehr erst f�r das Ende jener Woche in Aussicht stellte. An einem
Abend ging Sylvester zu Lady Evelyn, und die Vorsicht vergessend, die
sie beide bis jetzt beobachtet, blieben sie bis weit �ber Mitternacht
beisammen. Als Sylvester durch den beleuchteten Flur zum Tor schritt,
wurde die Nachtpforte gerade von au�en ge�ffnet, und zu seinem
peinlichen Erstaunen sah er Lord Albany hereintreten. Der Lord stutzte,
griff aber dann nach seinem Hut und gr��te Sylvester mit
au�erordentlicher H�flichkeit. Darauf wandte er sich zur Treppe, und
Sylvester verlie� ziemlich beruhigt das Haus.
Indessen rief der Lord s�mtliche Diener und Dienerinnen herbei,
bedeutete ihnen, im Vestib�l zu warten, forderte von einem der M�dchen
ein gew�hnliches Kleid, und nachdem er es erhalten und �ber den Arm
geworfen, betrat er das Schlafzimmer seiner Frau. Er brauchte keinen
andern Beweis ihrer Schuld als den Umstand, da� sie im Bette lag. Mit
eisigem Gesicht befahl er ihr, sich zu erheben, warf ihr das Gewand hin
und hie� sie es anzuziehen. Sie gehorchte zitternd. �Nur wenn Sie
augenblicklich das Zimmer und augenblicklich mein Haus verlassen, k�nnen
Sie sich eine k�rperliche Z�chtigung ersparen,� sagte er. Sie sah ihn an
und wu�te, da� sie nichts zu hoffen habe. Sinnlos vor Scham und Angst
eilte sie hinaus, durch das Spalier der regungslosen Dienstleute
hinunter auf die Stra�e. Lord Cecil sperrte das Tor hinter ihr zu und
bewachte es eine Stunde lang, um zu verh�ten, da� einer von den Leuten
ihr folge und Hilfe leiste.
Erst drei Tage sp�ter gelangte die Kunde dieses Vorfalls zu Sylvester;
da Lord Albany selbst sich in Schweigen h�llte, konnte das Ger�cht nur
durch die Mitteilungen der Dienerschaft in die Welt dringen. Man war
entsetzt, man sch�ttelte den Kopf, und die Gespr�che ersch�pften sich in
ausschweifenden Vermutungen. Sylvester war froh, da� nirgends sein Name
genannt wurde, aber der Gedanke an das Schicksal der ungl�cklichen
Evelyn verfolgte ihn best�ndig. Da� sie nicht zu ihm gekommen war und
keine Nachricht gab, zeigte, da� auch sie das Spielerische und Haltlose
ihrer gegenseitigen Beziehungen empfunden hatte, und seine Sorge um sie
verdoppelte sich. Nach einigen Wochen erz�hlte ihm der Marineoffizier,
Lady Evelyn habe Mittel gefunden, nach Essex zu kommen, wo ihre Eltern
wohnten, habe sich ihrem Vater zu F��en geworfen, sei aber von diesem
mit gro�er H�rte abgewiesen worden, da in den Augen eines anst�ndigen
Engl�nders ein Ehebruch unausl�schlichen Makel mit sich bringe, und eine
Frau, die solcher S�nde �berf�hrt worden, von der menschlichen
Gesellschaft versto�en und auf ewig gebrandmarkt werden m�sse. Einer
ihrer Br�der habe ihr aus Mitleid eine geringe Summe Geldes zugesteckt,
und damit sei Evelyn nach London gegangen, wo sie ein unstetes, ja, wenn
man den Versicherungen des Sir Randolph Canning, eines Vetters von Lord
Albany glauben wolle, verworfenes Leben f�hre. Sir Randolph behaupte
n�mlich, sie sei jede Nacht in einer ber�chtigten Opiumkneipe im Norden
der Stadt zu sehen.
Es kam der Juni, und Sylvester lie� sich von seinen englischen Freunden
�berreden, mit ihnen nach London zu gehen. Er entschlo� sich um so
leichter dazu, als er in den Pariser Zirkeln pl�tzlich eine feindselige
Haltung gegen seine Nationalit�t sp�rte, eine Gespanntheit und
zunehmende K�lte, die er sich nicht erkl�ren konnte und die jedenfalls
durch gewisse politische Machenschaften und Hetzereien begr�ndet war.
Eines Abends, im Foyer der Oper, stellte er den Herzog von Montmorency
zur Rede, der in seiner Gegenwart eine sp�ttische Bemerkung �ber die
�Prussiens� gemacht hatte, und es w�re zum Duell gekommen, wenn nicht
einsichtige Vermittler den Streit geschlichtet h�tten. Eben jener Sir
Randolph, ein j�ngerer Sohn des Lord Winchester, lud ihn ein, die
Herbstmonate auf seinem Schlo� in Bangor an der Irischen See zu
verbringen. Er versprach es.
Schon die ersten Londoner Tage zogen ihn in eine verwirrende
Geselligkeit und die Anforderungen wuchsen mit der Bereitschaft, sie zu
erf�llen. Eines Morgens nahm er eine Zeitung zur Hand, und sein Gesicht
verf�rbte sich, als er unter den Todesanzeigen die Nachricht vom
Hinscheiden der Lady Evelyn Albany las. Lord Cecil verk�ndete es in
Ausdr�cken geziemenden Schmerzes und teilte mit, da� sich die Leiche in
seinem Haus am Trafalgar Square befinde und er daselbst die
Kondolenzvisiten annehmen werde. Noch am Vormittag erhielt Sylvester den
Besuch eines jener Alleswisser, die �ber die Ereignisse in der gro�en
Welt genau unterrichtet sind und vernahm von ihm, da� man die arme
Evelyn vor zwei Tagen gegen Morgengrauen in einem Elendsviertel
bewu�tlos auf der Stra�e gefunden habe. Sie sei ins Hospital geschafft
worden, habe dort nur noch ihren Namen fl�stern k�nnen und dann sei ihre
Seele entflohen. Lord Cecil wurde verst�ndigt; dem Tod gegen�ber zeigte
er sich wenn auch nicht vers�hnt, so doch der �u�eren Pflichten seiner
Stellung eingedenk; durch ihren Tod wurde die grausam in den Schlamm des
Lebens hinabgeschleuderte Evelyn wieder zur Lady Albany und alles was
geschehen war, seit sie sich entw�rdigt, wurde einfach als ungeschehen
betrachtet.
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