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Page 15
Sylvester wurde von mehreren Bekannten um seinen Eindruck befragt. Er
zuckte die Achseln. �Ich finde nicht, da� sie das ist, was die Welt aus
ihr macht,� antwortete er, �ich vermisse Schwung und Leidenschaft. Sie
hat noch nichts erlebt, dessen bin ich sicher. Vielleicht ist sie gar
nicht f�hig, etwas zu erleben.� Das klang plausibel, und die es
vernahmen, machten ein tiefsinniges Gesicht.
Am andern Abend, bei der Soiree im gro�herzoglichen Schlo�, lernte er
Gabriele Tannhauser kennen. Sie wechselten nur wenige Worte. Er fragte
sie, ob sie im Fr�hling in London singen werde; er selbst sei im
Begriff, nach Paris zu gehen, doch sei es wohl m�glich, da� ihn sein Weg
auch nach England f�hren werde.
�Ja, Sie sollten nach London kommen,� erwiderte sie, ohne ihn
anzublicken und wahrscheinlich auch ohne an ihn zu denken, �dort ist das
Leben unmittelbarer als irgend sonst in der Welt.�
�Was k�nnte es Ihnen bedeuten, wenn ich k�me, einer unter den
Millionen,� sagte er l�chelnd.
Der Unmut, der �ber Gabrieles Z�ge flog, zeigte, wie m�de sie solcher
Redensarten war. Sie reichte einem Offizier den Arm, der sie zum Tanz
aufforderte. Sylvesters Eigenliebe war verletzt, und er suchte eine
Gelegenheit, um die S�ngerin noch einmal an sein Gespr�ch zu fesseln. Es
war vergebens, und er �berredete sich, da� ihm die Meinung, die sie von
ihm hatte, gleichg�ltig sei. Doch war sein Ehrgeiz erwacht, und
allm�hlich bildete sich ein Kreis von Menschen um ihn, die er durch
seine Unterhaltung entz�ckte. Ohne da� er sich dar�ber klar wurde,
entfaltete er diese Gabe nur f�r das junge Weib, das ihm so schn�de den
R�cken gekehrt hatte.
Als er in der Nacht nach Hause kam, berichtete Adam Hund, da� der
Domherr noch w�hrend des Transports auf der Stra�e verschieden sei. Wie
schade, war Sylvesters erster Gedanke, ich h�tte �ber de Vriendts mit
ihr sprechen k�nnen. Unzufrieden und voll von W�nschen begab er sich zu
Bett.
* * * * *
Unter demselben Dach wohnte in dieser Nacht Gabriele Tannhauser. Es war
sp�t; zu wissen, da� alle Menschen schliefen, tat ihr wohl. Sie sa� mit
einem Buch bei der Lampe; auf dem Tisch vor ihr stand eine Schale mit
�pfeln.
Ihr war, als m�sse sie die Zeit, die sie in Gesellschaft verlor, dadurch
wieder einbringen, da� sie sich dem Alleinsein m�glichst lange hingab.
Die von keinem h��lichen Gedanken, von keiner unsteten Empfindung
getr�bte Ruhe ihres Antlitzes bezeugte, wie nat�rlich ihr diese
Gewohnheit war.
Sie bedurfte der Menschen kaum. Sie hatte keine Freundin, keinen Freund.
Allen, die sich um sie bem�hten, begegnete sie mit G�te, und angeborene
Liebensw�rdigkeit verurteilte sie dazu, auch gegen die Aufdringlichen
Geduld zu �ben. In jeder Stadt waren Personen, denen sie f�r
Dienstleistungen und Beweise der Ergebenheit verbunden war, Frauen und
M�nner, mit denen sie gern verkehrte und f�r die sie eine lebhafte
Anh�nglichkeit versp�rte, aber in Wahrheit h�tte sie sie entbehren
k�nnen. Seit Sziralsky, ihr wunderbarer alter Lehrer, gestorben war,
hatte sie sich an keinen Menschen mehr so innig angeschlossen, um nach
seiner N�he zu verlangen. Mit Anna Ewel, ihrer Zofe, einer
Postmeisterstochter aus Gabrieles b�hmischem Heimatsdorf, reiste sie
umher, an keinem Ort verweilend, von Gasthof zu Gasthof, von Land zu
Land, ohne Erregung, ohne sonderliche Neugier, ohne Launen und ohne zu
erm�den.
Der best�ndige Wechsel ihres Aufenthalts verhinderte die Menschen, sich
ihrer zu bem�chtigen und sie mit Forderungen zu qu�len, die sie nicht
erf�llen konnte. Ihre anmutige, immer gleiche Freundlichkeit war wie
eine Lichtflut um sie gebreitet, die es schwierig machte, sie genau zu
sehen, und so wu�te niemand auf der Welt, wie es eigentlich mit ihr
beschaffen und welch ein merkw�rdiges Kind Gottes dieses junge Gesch�pf
war, das mitten im Strom des Lebens und im Glanz des Ruhmes sein Gl�ck
in der Einsamkeit suchte.
Sie hatte keine Familie. Vater und Mutter waren tot, ein Bruder war vor
zwei Jahren bei K�niggr�tz gefallen. Wenn sie ihrer Heimat gedachte, sah
sie ein karges H�gelgel�nde, eine Stra�e, die in dunkle W�lder f�hrte,
einen regungslosen Teich, auf dem G�nse und Enten schwammen, gelbh�utige
K�he, arme H�user, ein armes gedr�cktes Volk, und �ber alldem einen
blassen Himmel bei Tag und am Abend funkelnde Sterne. Schwerm�tige
Abende, wenn aus den Schenken die Tanzmusik klang oder in einem
Zigeunerlager eine Geige fiedelte, Licht um Licht in den kleinen
Fenstern erlosch und der Mond wie eine gl�hende Glocke aus den
geheimnisvollen Tiefen der Erde emporstieg. Erinnerte sie sich w�hrend
des Singens daran, gewahrte sie dies Bild, das im Fr�hlingswerden oder
in der Herbstesneige die Seele mit Frieden und Trauer erf�llt hatte, so
zerflossen die vielen, ihr zugewandten Gesichter in Dunst, und nur die
Augen strahlten ihr noch entgegen, fremd und fern.
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