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Page 12
War dies die Ursache, da� sie sich entschlossener als bisher in ihre
Lage fand? War es die Vergleichung der Schicksale, die sie geduldiger
stimmte, ernster, gesammelter? Sie wandte ihre ganze Aufmerksamkeit der
Wirtschaft zu, �berwachte die Lieferung des Holzes und der Viktualien,
die Ausbesserung der Pfl�ge und Wagen, die Pflege der Tiere in den
St�llen und rechnete jeden Samstag mit dem Inspektor ab. Ihr Einblick
wurde tiefer, ihre Kenntnis der Verh�ltnisse gr�ndlicher und im Umgang
mit den angestellten Leuten zeigte sie sich verst�ndig und durchaus
f�hig zu regieren. Aber ihr war, als ob sie Flei� und M�he ans Bodenlose
verschwende, als sie eines Tages von dem W�rzburger Bankier abermals
eine Bescheinigung dar�ber erhielt, da� an Herrn von Erfft nach Paris
dreitausend Taler geschickt worden seien.
So wu�te sie also wenigstens, wo er war.
Bisweilen kam die Inspektorin mit ihrer Geige, Agathe setzte sich ans
Klavier, und sie spielten eine Mozartsche Sonate. Bisweilen las sie,
doch selten mit Anteil. In manchen Stunden war Schwermut unabweisbar,
und wenn man nach innen weinen kann, sie sp�rte solche Tr�nen; dann floh
sie den Anblick aller Menschen, die auf dem Gut um sie waren, stieg in
das Turmzimmer �ber dem Hause und schaute regungslos in die winterliche
Landschaft, bis es Abend wurde.
Einmal ersp�hte Silvia, wohin die Mutter ging und folgte ihr. Das kluge
Kind stand lange vor der T�re und wagte nicht, sie zu �ffnen;
schlie�lich setzte es sich nieder, und seine sch�nen Augen f�llten sich
mit Traurigkeit. Es war kalt da oben, der Wind heulte im Sparrenwerk,
und wenn der Schnee �ber die Ziegeln rutschte, klang es, als ob
Geisterf��e �ber das Dach trippelten. Es wurde d�mmerig und Silvia
schien es, da� sie ganz allein auf der Welt sei. Sie lehnte den Kopf an
einen schr�gen Balken und gedachte ihres Vaters. Sie malte sich aus, wie
er in der Fremde unter vielen Menschen herumirrte und wie er den Weg
nach Hause nicht mehr finden konnte, weil �berall der Schnee zu hoch
war. Da knarrte die T�r, und Agathe, den Pelzmantel um die Schultern,
trat heraus. Sie erblickte das Kind sich zu F��en, erschrak und kniete
nieder. Silvia umhalste die Mutter, ohne zu sprechen; Agathe bedeckte
die Frierende mit ihrem Mantel, hob sie auf und trug sie hinab. Am Kamin
in der Bibliothek setzte sie das Kind auf ihren Scho� und erz�hlte ihm
das M�rchen vom Wacholderbaum.
�... und als ein Monat vorbei war, da war der Schnee vergangen, und zwei
Monat, da war es gr�n, und drei Monat, da kamen die Blumen aus der Erde,
und vier Monat, da dr�ngten sich alle B�ume in dem Holze und die gr�nen
Zweige waren alle ineinander gewachsen. Dort sangen die V�glein, da� das
ganze Holz erschallte, und die Bl�ten fielen von den B�umen. Da war der
f�nfte Monat vorbei und die Frau stand wieder unter dem Wacholderbaum,
dort sprang ihr das Herz vor Freude, und sie fiel auf die Knie. Und als
der sechste Monat vorbei war, da wurden die Fr�chte dick und stark und
sie wurde ganz still und im siebenten Monat, da griff sie nach den
Beeren und a� sich satt und wurde traurig und krank. Der achte Monat
ging hin und sie rief ihren Mann und weinte und sagte: wenn ich sterbe,
begrabt mich unter dem Wacholderbaum. Da war sie getrost, und im neunten
Monat kriegte sie ein Kind so wei� wie Schnee und so rot wie Blut, und
als sie das sah, freute sie sich so, da� sie starb.�
Silvia schaute drein wie eine Frau, und Agathe fuhr in ihrer Erz�hlung
fort.
Am andern Tag kam ein reitender Bote von Achim Ursanner. Er brachte
einen Brief des Inhaltes, da� Sylvester aus Paris geschrieben habe. �Ich
will Ihnen die Epistel nicht schicken,� schrieb Ursanner, �wozu auch? Er
versteckt ja nur sein Gesicht. Er berichtet von der Sch�nheit einer
T�nzerin, und da� irgendeine Gr�fin eine Liebschaft mit ihrem Kutscher
hat, da� der Marquis de Luzon aus Indien zwei Tiger mitgebracht hat, da�
einer gewissen Kreolin ganz Paris zu F��en liegt, und da� man beim
spanischen Gesandten auserlesene Weine trinkt; er schw�rmt von den
exotischen Blumen, die das Fr�ulein von Feurqui�res z�chtet und von der
Juwelensammlung des Herzogs von Praslin; von dem Bild eines ber�hmt
gewordenen jungen Malers, von einer Begegnung im Versailler Schlo�, von
einer Bootsfahrt in Passy, von lustiger Gesellschaft auf dem Montmartre
und von einem Feuerwerk im Luxembourg. Genug an dem, es ist Schaum.
Mancher setzt sich einen bunten Kranz aufs Haupt, wenn ihn das schlechte
Gewissen nicht schlafen l��t. Ich denke viel an Sie, aber ich kann nicht
kommen, damit ist alles gesagt. Letzten Sonntag ist von der Kanzel
herunter gegen mich gepredigt worden. Leben Sie wohl. A. U.�
Es ist alles aus, dachte Agathe, und sie sp�rte, wie es in ihrem Herzen
dunkel und �de wurde, w�hrend sie langsam in den Flur ging, um den Boten
zu entlohnen.
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