Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 53

Am Riesengrab der siebenundzwanzig Leichen sprach der greise Pfarrer
nicht viel, aber eindringlich von der Strafe Gottes f�r jene, welche die
Verantwortung zu tragen haben.

Gl�hend brannte die Sonne Kroatiens hernieder; der Verwesungsgeruch
dr�ngte zur Eile. In aller Hast mu�te das gro�e Grab zugesch�ttet
werden.

Mit der Mahnung zum Frieden, zur R�ckkehr in die H�user, zu Gebet und
Arbeit entlie� der Pfarrer das tiefersch�tterte Volk. Und wie bet�ubt
und gebrochen wankte er dem kleinen Widum zu....

W�hrend der hei�en Nachmittagstunden schien das Dorf ausgestorben zu
sein. Niemand zu sehen, auch die Soldeska nicht, kein Offizier;
verschwunden die Gaffer aus den umliegenden D�rfern. Tot die St�tte des
Jammers, leer der Platz um die tausendj�hrige Linde von Krasic.

Gegen Abend Wagengerassel, L�rm und Befehlsrufe: der Oberstuhlrichter
von Karlstadt war mit Gerichtsbeamten und etlichen Juratusi gekommen,
wollte "ptotokollieren". Der stellvertretende Staresina mu�te erst die
Offiziere herbeirufen, dann die �lteren M�nner von Krasic.
Tatbestandaufnahme unter der Linde. Tische und St�hle wurden aus dem
Widum geholt, der Protest der Domestika h�hnend verlacht.

Mit "vorbereiteten Protokollen" konnte summarisch "gearbeitet" werden;
es ging glatt bez�glich der Aussagen der beteiligten Offiziere. Die
�lteren Bauern von Krasic wollten nicht reden, konnten �berhaupt nicht
schreiben und hatten etwas im Blick, das den Oberrichter schwer reizte
und schreien machte: "Wir wissen schon, was ihr wollet! Eure Rechte! Wir
werden euch zeigen, was eure Rechte sind! Was geschehen ist, habet ihr
reichlich verdient! Schade ist, da� nicht alle Aufr�hrer erschossen und
erschlagen worden sind! Die Protokollierung seid ihr nicht wert! Gehet
alle zum Teufel! Fort!"

Die Juratusi schrieben emsig weiter. Es mochte sich um das
"Generalprotokoll" handeln, f�r das die Unterschrift der Hauptperson,
des Dorfpfarrers, gew�nscht und ben�tigt wurde. Zwar erschien
schleppenden Ganges, gebeugt und zerm�rbt von dem schweren
Schicksalsschlag der Seelsorger im Wei�haar vor dem Tisch des
Oberrichters unter der Linde, h�rte dem�tig und aufmerksam an, was mit
zuckers��er Stimme freundlich lockend gesprochen wurde, doch die Antwort
war ein Kopfsch�tteln, das die Silberstr�hne flattern machte.

Der Ton der Bitte um die Unterschrift des Zupnik wurde weich und
flehend.

Das Wei�haar flatterte heftiger.

Eindringlich wurde der Hinweis, da� der Priester es in der Hand habe,
seiner Gemeinde den Frieden zu bringen, der Beh�rde die schwere Arbeit
zu erleichtern und abzuk�rzen.

"Ich kann nicht unterschreiben! Und ich will nicht!" erkl�rte festen
Tones der greise Pfarrer.

Was nun geschah, machte die Juratusi und Beisitzer trotz der hei�en
Temperatur fr�steln: der hochm�tige Oberstuhlrichter bat mit gefalteten
H�nden den Dorfpfarrer um die Unterzeichnung des Protokolltextes....

Wieder flatterte das Silberhaar.

Der Oberrichter schlug einen anderen Ton an, sprach jedoch nicht
deutlich aus, was beabsichtigt sei und geschehen werde. Dem Sinn nach
war es die Drohung, da� der Bauern alte und neue Rechte "begraben"
w�rden, und da� der Zupnik von Krasic daf�r die Verantwortung zu tragen
haben werde.

Der alte Pfarrer richtete einen langen forschenden Blick auf den
Oberrichter und ging m�de, wie gebrochen, von der Linde weg. Niemand
wu�te, ob der Priester den Sinn der Drohung verstanden hatte oder nicht
verstehen wollte.

Zur N�chtigung begaben sich die Gerichtsherren in das benachbarte Dorf
Jaska, wo der Stuhlrichter Zaba f�r Quartier und Verlegung sorgte.

Krasic blieb unter Bewachung seitens des Milit�rs mit scharfem
Nachtdienst.

Am Vormittag kehrten die Gerichtsherren in das ungl�ckliche Dorf zur�ck.
Tisch und B�nke wurden hart an der Kirche aufgestellt; jedoch wurde
nichts mehr geschrieben. Der Oberrichter sprach mit den herbeigeeilten
Offizieren, von denen dann ein Leutnant mit einem Juratus ins Dorf
hineinschritt.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 19:37