|
Main
- books.jibble.org
My Books
- IRC Hacks
Misc. Articles
- Meaning of Jibble
- M4 Su Doku
- Computer Scrapbooking
- Setting up Java
- Bootable Java
- Cookies in Java
- Dynamic Graphs
- Social Shakespeare
External Links
- Paul Mutton
- Jibble Photo Gallery
- Jibble Forums
- Google Landmarks
- Jibble Shop
- Free Books
- Intershot Ltd
|
books.jibble.org
Previous Page
| Next Page
Page 54
Ein St�ndchen sp�ter kam dieser Offizier mit dem Juratus und f�nfzig
Soldaten, die �xte und Beile trugen, zur�ck, und alle nahmen Aufstellung
unter der tausendj�hrigen heiligen Linde.
Der Platz ringsum blieb menschenleer. Die D�rfler wurden vom Milit�r
gewaltsam in den H�usern und H�tten festgehalten.
Ein Wink des Oberrichters. Ein milit�rischer Kommandoruf ert�nte. Gleich
darauf geschah etwas Unerh�rtes nach s�dslavischen Begriffen: die uralte
Linde wurde mit Axtschl�gen mi�handelt.
Knatternde Beilhiebe gegen den Stamm der heiligen Linde. Dumpf,
dr�hnend, knatternd, prasselnd. Ein fast kindisches Tun am riesenhaften
Baum; die sch�rfsten Eisen konnten die Rinde ritzen; nicht aber den
Splint angreifen. Kaum kleine Splitter sprangen ab vom Stamm.
Zurufe des Oberrichters, dem die Vernichtungsarbeit zu langsam vor sich
ging, reizten auf, erzwangen den kr�ftigeren Angriff.
Die Schneide einer Axt wurde schr�g angesetzt; mit wuchtigen Hieben
trieben die Soldaten die R�cken anderer Beile tiefer in den Splint; ein
Dutzend H�nde dr�ngte den Axtstiel seitlich, so da� der Axtkopf klaffend
Bresche ri�, ein St�ck Splint mit Rinde absprang. Unz�hlige Male wurde
dieses m�hsame Tun wiederholt, doch blieb der Erfolg gering bei dem
ungeheuren Umfang dieses riesenhaften Baumes; so gering, da� beim
Scheine mehrerer Lagerfeuer die Nacht hindurch an dem Vernichtungswerk
gearbeitet wurde.
Bis sp�t in die Nacht hinein vertrieben sich die Richter, die Juratusi
und die Offiziere die Zeit mit Kartenspiel und flei�igem Zechen,
den--Sturz der heiligen Linde erwartend, dessen Zeugen die gewaltigen
Herren sein wollten.
Den greisen Pfarrer konnte man h�nderingend am Fenster sehen....
Im Dorfe wu�te man von der Zerst�rungsarbeit nichts. Niemand durfte das
Haus verlassen. Das Milit�r hielt scharfe Wacht....
Gegen Morgengrauen weckten dumpfes Get�se und ein markdurchdringender
Schrei die Gerichtsherren am Zechtisch aus dem Schlummer: die riesige
Linde war krachend niedergest�rzt, ihr Stamm hatte im Sturz einen
Soldaten erwischt und zermalmt. Gef�llt und vernichtet das Heiligtum,
das Wahrzeichen altslavischen Glaubens und Rechtes, die Linde als
Versammlungsst�tte und Symbol....
Wie ein rachegieriges Ungeheuer lag der Baumstamm auf der Leiche des
zermalmten Soldaten. Alle Versuche, dieses Opfer frei zu bekommen,
schlugen fehl.
Die S�dslaven unter den best�rzten Soldaten jammerten, murrten, da� der
von der Linde erschlagene Kamerad des Grabes in geweihter Erde auf lange
Zeit entbehren m�sse.
Den Offizieren wurde unbehaglich.
Der ob der Lindenvernichtung triumphierende Oberrichter wischte sich den
Schlaf aus den weintr�ben Augen und empfahl die Abtrennung der Beine vom
Leichnam des zermalmten Soldaten. Die Beine sollte man im Friedhof
begraben, dann k�nnen Leib und Kopf leichter--warten.
Mit schallendem Gel�chter begr��ten die Juratusi diesen "Witz" ihres
obersten Vorgesetzten.
Ein Fr�hst�ck noch, das der Widum liefern mu�te; dann fuhr die
Gerichtskommission eilig von Krasic weg. Bis zur Mittagsstunde war auch
die milit�rische Besatzung abmarschiert, so still, da� die D�rfler nur
m�hlich ihre Befreiung merkten.
Als die der Linde benachbarten Hausbewohner das Zerst�rungswerk
gewahrten, verbreiteten sie heulend die Kunde im Dorf, so da� zum Abend
die Bev�lkerung weinend den heiligen Baum umstand, klagend in tiefster
Trauer, wie um einen geliebten hervorragend edlen Menschen.... Kein
D�rfler nahm auch nur ein Zweiglein von der Linde zum Gedenken heim. Der
Baum blieb unber�hrt.
Still und wehm�tig kehrten die Leute in ihre H�user zur�ck.
So gro� und niederschmetternd war der Eindruck der Vernichtung des
Dorfheiligtums, da� Emp�rung und Rachegier nicht aufkommen konnten.
M�chtiger war der Schmerz....
Previous Page
| Next Page
|
|