Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 52

In flatternden R�cken, mit aufgel�stem Haar, kreischend und fluchend
st�rmten die Weiber zum Lindenplatz, wo sich der Vizestuhlrichter mit
zwei Offizieren um den �bel zugerichteten Hauptmann bem�hte. Sein
Unterbeamter, ein junger Juratus, suchte im Kn�uel der Bauern und
Soldaten nach, wer noch am Leben war.

Der Vizestuhlrichter, ein angejahrter, erfahrener Mann, war dienstlich
in Karlstadt festgehalten gewesen, konnte nicht rechtzeitig in Krasic
erscheinen. Mit der Volksseele vertraut, insbesondere ein Kenner der
S�dslavin wu�te er, da�, wie die Bosnierin, auch die Kroatin im Zorn
ihren Kindern, so diese ungehorsam sich erwiesen, die Schmerzen der
Geburtswehen vorh�lt in der Meinung, dadurch die ahnungslosen Kinder
hart zu strafen. Auf Grund solcher psychologischer Kenntnisse war Herr
Zaba auf "kr�ftige" Vorw�rfe seitens der Krasicer Weiber wegen seines
versp�teten Erscheinens gefa�t. Den Hagelsturm von Verw�nschungen und
Fl�chen, wie er in wilder Wut und fanatischer Kraft niederbrauste und
-prasselte, konnte der Richter aber doch nicht ahnen. Ein
Wortgeschmetter gr��lichster Art von tobs�chtigen Weibern, die gewillt
waren, den schuldlosen Gerichtsbeamten in Fetzen zu zerrei�en, und nur
von herbeigeeilten Soldaten von Mord und Totschlag abgehalten werden
konnten.

Alle Seelenkunde lie� Zaba im Stich; solchem Verfluchen war er, selbst
ein S�dslave und dem Einflu� eigenartiger Erziehung und absonderlicher
Verh�ltnisse unterworfen, nicht gewachsen; sein Denken wurde verwirrt,
die Seele in Angst vor Verdammung versetzt dadurch, da� schwangere
Weiber, deren Gatten erschlagen und erschossen auf dem Dorfplatze lagen,
dem Richter die Verantwortung an dem furchtbaren Ungl�ck aufluden, ihn
vor den Richterstuhl Gottes forderten und seine Sterbestunde
verfluchten. Sinnverwirrt, an vermeintliche Schuld nun selbst glaubend,
wiewohl schuldlos, klagte er sich vor den tobenden Weibern der
Nachl�ssigkeit und leichtsinnigen Versp�tung an; besinnungslos rannte er
von einer Leiche zur anderen, bat jeden Toten um Verzeihung und heulte,
da er keine Antwort bekam.

Die Offiziere, von den Weibern ma�los beschimpft, machten der Szene ein
Ende, f�hrten den sinnverwirrten Richter von dem Lindenplatz weg und
redeten ihm zu, Vorkehrungen f�r die--Beerdigung zu treffen. Dadurch
gerieten die Gedanken auf den greisen--Pfarrer, den kein Auge erblickt
hatte.

Von der Domestika erfuhr man, da� der hochw�rdige Pfarrer tags vorher
nach Agram gefahren war und f�r den Abend in Krasic erwartet wurde.

Der zappelige Richter verf�gte die Verbringung der Leichen in
die--Kirche und sandte Boten nach Jaska, die--S�rge beschaffen sollten.
Diese Anordnung beruhigte in etwas die Weiber, die auf Zureden �lterer
M�nner auch in die H�user zur�ckkehrten und f�r die Soldaten kochten.
Nicht aus christlicher Barmherzigkeit, sondern im Bestreben,
Pl�nderungen zu verhindern. Dann eilten die Witwen in die Kirche zu
ihren Toten....

Der verwundeten Soldaten wegen kam ein Milit�rarzt, der sich auch der
verletzten Bauern nach M�glichkeit annahm.

Da� der Schreiner in Jaska S�rge in gro�er Anzahl weder vorr�tig hatte
noch sofort beschaffen konnte, war vorauszusehen; der sinnverwirrte
Richter erwartete jedoch das Unm�gliche, brachte mit seinem Geschrei
neue Aufregung in das Dorf.

Nicht ein einziger Sarg wurde gebracht. Die Boten kamen nicht wieder.

Sp�t am Abend kehrte von Agram der greise Pfarrer zur�ck. Die
Schreckenskunde raubte dem ehrw�rdigen Seelsorger die Sprache.
Ersch�ttert vergo� er Tr�nen bittersten Leides. Unter der Linde von
Greisen, Weibern und Kindern umringt, suchte er Trost zu spenden, die
Leute zu beruhigen, von Rachegedanken abzulenken. Freilich schreie das
vergossene Blut gen Himmel, doch die Rache liege bei Gott....

Betend verbrachte der Pfarrer mit den Witwen die schw�le Nacht bei den
Toten in der Kirche. Am Morgen konnte er noch die Trauermesse lesen.
Dann aber machte der Verwesungsgeruch der Leichen den Aufenthalt in der
Kirche unm�glich. Schnelle Beerdigung war geboten. S�rge hatte man
nicht.

Verschwunden der Richter, die Offiziere. Aus benachbarten D�rfern kamen
Bauern in Scharen. Von der Gutsherrschaft lie� sich niemand blicken.
Unschl�ssig warn die Soldaten bez�glich ihres Verhaltens; der Befehl
lautete, niemanden aus den H�usern zu lassen; doch die Leute wollten zur
Beerdigung gehen, die pers�nliche Freiheit erzwingen. Die Gefahr eines
neuen Krawalls stieg bedrohlich auf. Da lie�en die Soldaten alle Leute
frei. Auf Anordnung des Pfarrers wurden die Todesopfer auf Brettern auf
den Friedhof getragen und in ein gemeinsames Riesengrab gelegt. Was
arbeitsf�hig war, mu�te mithelfen, auch die Gaffer aus den
Nachbard�rfern.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 17:42