Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 50

Mit dieser Hilfeleistung erreichte der Staresina aber nur
die--_beschleunigte_ Benachrichtigung der Gutsherrschaft von dem Krawall
in Krasic und deren Verlangen von _milit�rischem_ Schutz bei der
Komitatsbeh�rde.

Geheuer war dem Vorsteher nicht, als er die �bel zugerichteten
Gutsknechte erblickte, denen die Bauern und das Weibsvolk nicht den
geringsten Beistand leisten wollten. Sogar das Verbinden der halbtot
Geschlagenen wurde verweigert. Der Ha� war z�gellos geworden. Nur mit
M�he konnte der alte Zaka seine eigenen Angeh�rigen dazu bewegen, die
Verletzten notd�rftig zu verbinden und auf einem Leiterwagen bis in die
N�he des gr�flichen Schlosses zu fahren, wo die Knechte wie gebundene
K�lber abgeladen wurden. Worauf die Staresina-Leute _sofort_ Rei�aus
nahmen und im Galopp davonrasselten.

Zaka selbst wanderte nach Karlstadt, wo er den Sachverhalt vorbringen,
um "gut Wetter" bitten wollte. Was er von den Schreibern zu h�ren bekam,
lautete bereits �bel genug; bis zum Vizegespan gelangte der Staresina
�berhaupt nicht. Und im Gerichtsgeb�ude �u�erten etliche Juratusi
(Auskultatoren, Rechtspraktikanten), da� wegen der Schandtat in Krasic
das Standrecht verk�ndet, jeder dritte Mann werde geh�ngt werden. Und
wenn der Staresina nicht schleunigst verschwinde, werden ihm als dem
"Oberhetzer" f�nfzig Stockpr�gel auf Grund der "alten Rechte"
verabreicht werden.

Stehenden Fu�es verlie� Zaka die Kreisstadt und und lief heim, so rasch
es den steifen alten Beinen noch m�glich war. Er eilte auch noch in das
Dorf Jaska, das an der Stra�e von Agram nach Karlstadt lag, und wo der
Vizestuhlrichter Zaba (Frosch) seinen Amtssitz hatte. Diesen
Gerichtsbeamten wollte der Staresina um Rat und F�rsprache bitten. Aber
der Herr war nicht zu Hause. Dem alten Vorsteher entschl�pfte die
�u�erung, da� der Richter nie zu Hause sei, wenn man ihn zu Rat und
Hilfe ben�tige. Wegen dieser Bemerkung wollte der Gerichtsdiener dem
alten Zaka ein viertelhundert "amtliche" Stockpr�gel "aufmessen".

Ver�ngstigt und erbittert tat der Staresina im Heimatdorfe das D�mmste,
so er tun konnte: er rief die Bauern unter die Linde und erz�hlte ihnen
seine Erlebnisse in Karlstadt und Jaska.

Die Folge dieser aufreizenden Mitteilung war, da� die Krater Bauern
nicht nur alle Schlagwerkzeuge, sondern auch Schu�waffen hervorholten,
sich zum Empfang von Panduren (Gerichtsdienern) und Gendarmen
bereithielten, nicht mehr abwehren, sondern in entfesselter Mordlust
alle Personen totschlagen wollten, die aus der Kreisstadt und von Jaska
kommen w�rden.

Zu sp�t merkte der Staresina, was er angerichtet hatte, und da� sich
dieser Sturm nicht mehr beschw�ren lie�. An die M�glichkeit, da� der
Gutsherrschaft Milit�r zum Schutz gegeben werden k�nnte, dachte er
�berhaupt nicht.

Gro� war deshalb die �berraschung, als am dritten Tage nach dem Krawall
eine verst�rkte Kompagnie Soldaten mit Offizieren und mit einem
Hauptmann zu Pferd an der Spitze in Krasic einr�ckte. Reden konnte der
Vorsteher nicht mehr, nur mitlaufen, als die zum erbitterten Kampf
entschlossenen, mit allerlei Mordwaffen ausger�steten Bauern zur Linde
sprangen.

"Unter der Linde" hielten sich die Bauern gesichert, vor dem ersten
Angriff der Milit�rmacht gefeit. Mochten auch glauben, da� die Soldaten
das Schie�en nicht wagen w�rden, solange man im Bannkreis der "heiligen"
Linde stehe. "Pod lipom" fand der Staresina auch die Sprache wieder, die
f�r einen Vorsteher n�tige Intelligenz freilich nicht, denn er richtete
an den Kapetan (Hauptmann) die naive Frage, was das Erscheinen so
vieler, nicht zu Gast geladener Soldaten in Krasic zu--bedeuten habe.

Der Hauptmann verstand nicht Kroatisch und lie� durch den Profosen
fragen, was der Staresina mitteilen wolle.

F�r sein Patriarchenalter war Zaka ein arger Hitzkopf, oder es hatte ihn
der h�hnische Ton, das sp�ttische Lachen des Profosen au�er Fassung
gebracht; der Vorsteher rief erregt, da� das kleine Dorf so viele
Soldaten nicht beherrbergen k�nne, dazu keine Lust habe; die Bauern von
Krasic aber wollen weiter nichts als ihre vom Kaiser-K�nig gegebenen
Rechte. Zum Schlu� kr�hte der alte Zaka die Forderung, da� die Soldaten
sofort abzumarschieren h�tten!

Lachend �bersetzte der Profos die "Befehle" des Staresina dem Hauptmann,
dem man das Erstaunen �ber das Verhalten des Dorfvorstehers und des
sichtlich angriffslustigen Bauernhaufens anmerken konnte. Eine kurze
Zwiesprache folgte in scharfem Ton seitens des Kommandanten, der an dem
"Spa�" bereits genug hatte.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 14:09