Aus Kroatien by Arthur Achleitner


Main
- books.jibble.org



My Books
- IRC Hacks

Misc. Articles
- Meaning of Jibble
- M4 Su Doku
- Computer Scrapbooking
- Setting up Java
- Bootable Java
- Cookies in Java
- Dynamic Graphs
- Social Shakespeare

External Links
- Paul Mutton
- Jibble Photo Gallery
- Jibble Forums
- Google Landmarks
- Jibble Shop
- Free Books
- Intershot Ltd

books.jibble.org

Previous Page | Next Page

Page 49

Unter der duftenden Linde versammelten sich die D�rfler von Krasic zum
Schwur, alle Abgaben der Grundherrschaft zu verweigern, die "Blutsauger"
(Beamten) mit Gewalt zu vertreiben, wenn n�tig totzuschlagen. Denn damit
sei der Kaiser-K�nig einverstanden, der die alten Rechte (stare
pravice) erneuerte und der Bauernschinderei ein Ende gemacht habe.

Gegen den greisen Pfarrer fiel kein Wort; die Verehrung sa� tief genug,
die Dankbarkeit wurzelte so fest, da� einer der Hetzer aus Karlstadt,
der zu einer Art "Katzenmusik" vor dem Widum auffordern wollte,
regelrecht verpr�gelt und aus dem Bereich der heiligen Linde entfernt
wurde. Und nach Beendigung der Versammlung unter der Linde ging der
Staresina zum greisen Pfarrer und bat um Verzeihung, da� die Bauern so
rappelk�pfisch w�hrend der Predigt die Kirche verlassen hatten.

"Wenn es nur das w�re! Es wird noch viel schlimmer kommen!" meinte
ahnungsvoll der bek�mmerte Zupnik.

"Wollen wir hoffen, da� der K�nig das Gesetz sanktioniert, _bevor_ die
Ernte eingebracht ist!"

Der greise Pfarrer verwies auf die Langsamkeit, mit der in Pest und Wien
gearbeitet werde.

"So? Dann tr�gt der K�nig Verantwortung und Schuld!"

"Und die Krasicer werden in--Blut schwimmen!"

Der alte Zaka richtete einen langen Blick auf den greisen Pfarrer,
seufzte tief und ging.

Als die Linde verbl�ht hatte, ihr auffallend starker Duft erloschen war,
brachten die Bauern die letzten Garben unter Dach und Fach. Der �bliche
Erntejubel unterblieb. Die Spannung war zu gro�, die Erwartung, was nun
erfolgen werde.

Der Staresina ging nach Karlstadt und fragte bei der Vizegespanschaft
an, ob das Urbanialgesetz sanktioniert worden sei. Er kam mit dem
betr�benden Bescheid zur�ck, da� bis auf weiteres alles beim alten
bleibe, also das Neuntel der Ernte gezinst werden m�sse, widrigenfalls
die bockbeinigen Bauern mit Gewalt dazu gezwungen w�rden. Alle Bauern,
nicht nur die von Krasic!

Das Wetter schlug um. Auf die s�dlich-hei�en Erntetage folgten
windgepeitschte Regeng�sse, die den Boden Kroatiens in Morast
verwandelten, den Verkehr unterbanden. Auf Seitenstra�en und Dorfwegen
konnten Ochsenfuhrwerke kaum durchkommen.

Die Bauern des abseits gelegenen Dorfes Krasic frohlockten in der
Meinung, da� das Neuntel ihnen verbleiben werde, einmal weil der
"Lindenschwur" bekannt geworden sei und die Herrschaft eingesch�chtert
habe, und dann, da� den Blutsaugern die--Rache verregnet sei.

Verregnet war allerdings auch der Erntetanz unter der Linde; er sollte
stattfinden am n�chsten sonnigen Sonntag.

Der Warmwind flog �ber das Land und trocknete rasch auf. Schon am
zweiten Tage darauf staubte die gute Stra�e von Karlstadt nach Ogulin
wieder. Und die Sonne brannte hernieder.

In Krasic war es rasch trocken, die Linde hatte sich alle Tropfen vom
Laub gesch�ttelt; k�stlicher Erdgeruch �berall, wonniger Duft in den
Rebgel�nden.

Im Dorf erscholl heftiges Peitschengeknall. Herrschaftliche Gutsbeamte
waren mit Leiterwagen gekommen, wollten das Neuntel von den Bauern
einheimsen und wegfahren. Eine r�cksichtsvolle Neuerung: man _holte_ das
Neuntel, _ersparte_ den _Zinspflichtigen_ die _Bringung_ zum weit
entfernten gr�flichen Schlosse. Dagegen hie� es: Rasch heraus mit dem
Getreideneuntel! Alsbald gab es L�rm in Haus und Scheune des Staresina,
dessen Enkel ausliefen wie bei Feuersnot und Einsturzgefahr.

Und sogleich wimmerten die Kirchglocken, riefen um Hilfe gegen Bedr�cker
und N�tiger.

Gem�� dem "Schwur unter der Linde" r�ckten die Bauern aus mit Beilen,
Sensen, Schaufeln und sonstigem Werkzeug, das zum Schlagen gebraucht
werden kann. In regellosen Haufen setzten sich die Krasicer zur Wehr,
griffen an.

Der Staresina Zaka wollte freilich nur die Verjagung der habgierigen
Gutsbeamten und ihrer Helfer; aber einmal im Angriff wurde in den Bauern
die Kampflust der S�dslaven, mit ihr die Wut gegen die Peiniger und
Blutsauger lebendig. Und da gab es kein Halten mehr. Halbtot wurden die
Handlanger geschlagen, und nur der gr�fliche Upravnik (Verwalter) konnte
sich unverletzt retten, weil der Dorfvorsteher sich sch�tzend vor ihn
gestellt hatte.

Previous Page | Next Page


Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 12:10