Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 48

Der Staresina hob den wei�bebuschten Kopf, richtete die blitzenden Augen
auf den Zupnik und sprach. "Wer _zu Fu�_ geht, kommt auch �ber eine
bauf�llige Br�cke!" Nach kurzem Abschied verlie� der Vorsteher das
Pfarrhaus und stapfte nach Karlstadt.

Zwei Tage sp�ter stand er wieder vor dem Pfarrer und berichtete, da� der
�berstarke Bl�tenduft der Linde "neue Rechte", nove pravice[16],
ank�ndigen wollte, ein neues Urbanialgesetz, das der Kaiser und K�nig
den Bauern zum Schutz gegen die aussaugenden Grundherren gegeben habe.
Mit der Raubwirtschaft und Bauernschinderei sei es jetzt zu Ende; die
Bauern h�tten nun mit kaiserlicher Erm�chtigung ein Recht, Neuntel,
Zehent und Robot zu verweigern, ihre Peiniger, die Blutsauger,
zur�ckzuwerfen und zu verpr�geln, wenn die Gutsbeamten mit Gewalt
vorgehen.

Der Pfarrer ahnte Schlimmes und bat flehentlich, jede Gewalttat zu
unterlassen, das Neuntel von der beendigten Ernte diesmal noch zu geben,
da einstweilen vom Reichstag nur die "k�nigliche Proposition"
angenommen, das Gesetz selbst vom Monarchen noch nicht "sanktioniert",
nicht vollziehbar sei.

Der Staresina war nicht zu belehren, die Mitteilung von dem in Budapest
angenommenen Gesetz zum Bauernschutz zu Kopf gestiegen. Er wollte nicht
mehr auf den Pfarrer h�ren, wiewohl der Vorsteher sonst zug�nglich war
und mit allen Gemeindeangeh�rigen den greisen Zupnik aufrichtig
verehrte. Scharfen Tones, metallhart sprach der Staresina die Worte.
"Jetzt wird die Linde sprechen; sie allein entscheidet mit dem letzten
Wort!" Damit verlie� der alte Zaka den Widum und blieb dem Pfarrer fern.

Von Haus zu Haus lief die aufw�hlende Kunde von dem "neuen Recht". Und
f�r den n�chsten Sonntag nach Beendigung des Gottesdienstes wurde der
"Rat unter der Linde" einberufen. Die "Linde sollte sprechen"....

Schwere Bef�rchtungen erf�llten die Seele des ehrlichen Pfarrers, der
sich entschlo�, in der n�chsten Sonntagspredigt die Gemeinde vor den
Folgen der Zinspflichtverweigerung umso mehr eindringlich zu warnen, als
im Dorfe Leute auftauchten, die zweifellos zu offenem Widerstand
aufreizten und den Bauern alle Freiheit und obendrein eine goldene
Zukunft versprachen.

Fast ein halbes Jahrhundert hindurch war der Pfarrer unter oft
bitterharten Verh�ltnissen Seelsorger, doch nie fiel ihm der Gang zur
Kanzel so schwer wie an diesem Sonntag. Und wie er den Leuten zureden
sollte, wu�te er nicht, als er bereits auf der Kanzel stand. Beim
Anblick der M�nner mit gewisserma�en bissigem Gesichtsausdruck kam die
Erleuchtung pl�tzlich und ebenso j�h der unbeugsame Entschlu�, all die
Beliebtheit und Verehrung dranzusetzen, den verhetzten Bauern
r�ckhaltlos, unbek�mmert um die Folgen f�r den Prediger, die Wahrheit zu
sagen. Und so hub der greise Zupnik zu sprechen an, da� es leicht sei,
im schwer arbeitenden und unter harten Lebensverh�ltnissen leidenden
Volke mit lockenden Worten gro�e, ja ungeheure Hoffnungen auf
schrankenlose Freiheit und goldene Zeit zu erwecken. Wer die
leichtgl�ubige, begehrliche, geldl�sterne Menge mit frechen
Versprechungen �bersch�tte, der habe immer gewonnenes Spiel, mag der
Schw�tzer ein Verr�ter, ein Dieb, ein �berl�ufer, ein Schuft sein. Das
Volk opfert immer f�r eine gl�nzende Hoffnung die kleine Habe, das
bi�chen angeborenen gesunden Menschenverstand. Blitzdumm sei es, die
wenigen letzten Gulden den Schw�tzern nachzuwerfen in der Hoffnung, da�
die kommende Zeit Dukaten in schwerer Menge einbringen werde. Die
Zukunft bringe aber kein Geld, �berhaupt keinen Gewinn, daf�r aber
bittere Entt�uschung und schweres Ungl�ck in der Familie, in der
Gemeinde, im Vaterlande. Das sei immer und �berall so gewesen, wo
Geldgier und Faulheit gr��er waren als Verstand und Vernunft. "Die
Gescheitesten auf Gottes weiter Erde sind wir Kroaten schon in fr�heren
Jahrhunderten nicht gewesen, weil wir f�r andere Leute und fremde
Interessen Blut und Leben hingegeben, daf�r keine Entsch�digung, nicht
mal ein Dankeswort erhalten haben. Leute von Krasic! Zeiget doch ihr,
da� wir nicht die D�mmsten von Kroatien sind! Ein bissel dumm sein, ist
ja ganz nett und bek�mmlich f�r Leib und Seele! Aber die Allerd�mmsten
wollen wir nicht sein! Wir sind es aber, wenn wir auf ein Gesetz pochen,
das noch nicht Gesetzeskraft erlangt hat, weil der Kaiser-K�nig es noch
nicht sanktioniert hat. Es mu� das Neuntel von Getreide und Heu gegeben
werden, weil der Monarch die Bauern _noch nicht_ von dieser
Abgabenpflicht befreit hat! Sobald das geschehen ist, das Gesetz
rechtskr�ftig geworden ist, bin ich der erste, der es verk�ndigen und
euch auffordern wird, der Grundherrschaft das Neuntel und Zehntel zu
verweigern! Bis jetzt sind wir _noch nicht_ so weit: wir m�ssen zinsen!
Seid vern�nftig, M�nner von Krasic!"

Ein Gepolter machte den Kanzelredner stutzig. Der Pfarrer hielt inne und
guckte betroffen auf die Bauern, die r�cksichtslos aus den
Kirchenst�hlen traten, in Haufen das Gotteshaus verlie�en. Nur Weiber
und Kinder blieben beim greisen Pfarrer zur�ck, der die Predigt j�h
beendete und tiefbetr�bt den Gottesdienst fortsetzte.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 10:08