Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 45

Verbieten konnte der Komitatsgewaltige diese Umz�ge der Turopoljer
nicht, �berhaupt vor der Wahl nicht eingreifen; das "Dekret" mu�te
"beachtet" werden "vor" den Wahltagen, wenigstens der Schein der
Nichtbeeinflussung gewahrt werden. Mit Wein und Bratochsen zugunsten des
ihm sympathischen Wahlkandidaten Lentulaj durfte Herr von Zdencaj nicht
"operieren".

Lentulaj selbst lie� angesichts der starkbetriebenen "Korteschierung"
Cegeteks die Ohren h�ngen und die Hoffnung sinken. Am letzten Abend vor
der Wahl sah er sich den Rummel auf dem Hauptplatz an, wo die Anh�nger
Cegeteks in weinseliger Begeisterung die am Bratspie� "duftenden" Ochsen
betrachteten und ihren Kandidaten "hochleben" lie�en.

Es war nichts zu wollen, gegen Cegeteks Freunde nicht aufzukommen. In
gedr�ckter Stimmung ging Lentulaj zum Chef, dem Obergespan Nikola von
Zdencaj, und klagte ihm das Wahlleid: "Keine, nicht die geringste
Aussicht, amice, selbst wenn ich Geld f�r zehn Ochsen und hundert F�sser
Wein bester Sorte h�tte! Ich werde nicht gew�hlt werden, mit Glanz
durchfallen!"

Der Komitatsgewaltige hatte zwar noch keine Idee, wie der sympathische
Wahlwerber und Vizegespan "durchgedr�ckt" werden k�nnte, aber
entschlossen war Herr von Zdencaj zu einer "m�nnlich festen" Tat. Also
lachte er zun�chst und sprach die aufmunternden Worte. "La� mich nur
machen! Du wirst zum ersten Vizegespan 'gew�hlt' werden, ohne Wein und
ohne Ochsen! Ich b�rge daf�r!"

Lentulaj dankte, glaubte nicht an solche M�glichkeit, hoffte aber doch,
da er die--Willenskraft des Obergespans aus dem Dienstleben kannte, und
verbrachte eine schlechte Nacht zwischen schmerzlichem Verzicht und
beseligender Hoffnung.

Schon um acht Uhr morgens war der Sitzungssaal des Komitathauses, "Aula"
genannt, als Wahllokal, von Wahlberechtigten und Neugierigen, die dort
nichts zu tun hatten, dicht gef�llt. Der Obergespan Nikola von Zdencaj
konnte sich durch die Menschenmenge nur mit M�he hindurchdr�ngen und
seinen Platz an dem Pr�sidialtische erreichen.

Sonst als Komitatsgewaltiger ein kleiner Herrgott, war der Obergespan
diesmal nur eine geduldete, wenig beachtete Pers�nlichkeit, der
Wahlleiter, weiter nichts. Im Stimmengewirr, dem Summen in einem
Bienenkorbe �hnlich, ging seine Ansprache v�llig verloren; die W�hler
h�rten wenig, die Anh�nger Cegeteks gar nicht auf die Rede Zdencajs, mit
der die Wahlhandlung er�ffnet wurde.

Ver�rgert forderte der Obergespan "Silentium", und dann schrie er in den
menschen�berf�llten Saal die Mitteilung, da� _zwei_ Kandidaten, die
Herren von Lentulaj und Cegetek, zur Wahl stehen, einer von ihnen f�r
den Posten des Vizegespans zu w�hlen sei, und zwar der Einfachheit
halber "per acclamationem", durch Zuruf.

Diese "Einfachheit" pa�te den Anh�ngern Cegeteks, die in erdr�ckender
Mehrheit im Saale erschienen waren, ausgezeichnet in den Kram.
Donner�hnlich wuchtig und brausend erschollen die Rufe aus Hunderten von
Kehlen. "Wir wollen den Cegetek!"

�ber die Lage konnte kein Zweifel mehr bestehen: es stand ein einziger
Mann, der Obergespan allein, gegen eine erdr�ckende Mehrheit von
Gegnern, die fest entschlossen waren, nicht zu wanken, nicht
nachzulassen, bis ihr Wille durchgesetzt sei. Den Willen, nicht Cegetek,
sondern seinen erprobten Amtshelfer von Lentulaj "w�hlen zu lassen",
hatte aber der Obergespan. Und zum Willen hatte Herr von Zdencaj auch
noch die Kaltbl�tigkeit, wiewohl er gleich den W�hlern Kroate, ein sonst
hitziger S�dslave war. Also rief der Obergespan dr�hnend in den Saal:
"Silentium! Ich kandidiere zwei Herren: Lentulaj und Cegetek? Wer davon
ist genehm? Lentulaj oder Cegetek?"

Ein ohrenbet�ubendes Gebr�ll brach los. S�mtliche Anwesende im Saale,
ausgenommen die Herren am Pr�sidialtische, tobten und br�llten den
Namen: "Cegetek!"

Obergespan v. Zdencaj blieb ruhig und klaren Kopfes, wiewohl er den
Ausruf zum dritten Male in den Saal schrie: "Silentium! Cegetek oder
Lentulaj!"

In h�chstgesteigerter Erregung, gereizt und aufgestachelt durch das
Verhalten des Pr�sidenten, der immer wieder den Namen des
Gegenkandidaten nannte, br�llte die Mehrheit. "Cegetek! Nur Cegetek!
Kein anderer! Cegetek!"

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 4:18