Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 44

Auf Entfernung von etwa zwanzig Schritten mu�te der Kerl gemerkt haben,
da� ihm ein Mensch entgegenkam; er blieb stehen und horchte.

Das tat auch meine Wenigkeit. �berdies schnupperte ich, da der Wind
etwas wie--Schafwitterung an die Nase brachte. Sind--Schafhirten
gef�hrlich? Ich glaubte nicht daran und schritt weiter.

Nur noch f�nf Schritte Entfernung. Schafdunst zum �belwerden.

Distanz zwei Schritt. Der Kerl hob einen Arm in die H�he. Das sah aus,
als sei ein Schlag auf mein deutsches "Denker"haupt beabsichtigt. Aber
der "Schafene" hatte keinen Stock in der Faust. Ob etwa einen Stein, das
war in der Finsternis nicht zu erkennen. Gro� und demgem�� gef�hrlich
konnte der "Stein" nicht sein. Ein Steinchen brauchte der festgebaute
bayerische Dicksch�del nicht zu f�rchten. Also drauf ankommen lassen!
Schl�gt der Kerl zu, bekommt er im selben Augenblick die Klinge des
Jagdmessers in die Brust.

Ein Zuruf, zwei Worte in kroatischer Sprache: "Dobro noc!" (Gute
Nacht!) Weich im Dialekt gesprochen, Schafwitterung dazu, dick und
aufdringlich.

Dank meinerseits im Vor�bergehen: "Lahko noc!" (Leichte Nacht!) und dazu
ein Auflachen der Selbstverspottung wie des Vergn�gens dar�ber, da� der
Kerl sich vor mir--gef�rchtet hatte.

So endete das "furchtbare" Abenteuer zu n�chtlicher Stunde auf einsamer
Landstra�e tief im S�den Kroatiens, im "R�uberwinkel" "fern von Europa".




Eine Wahl ohne Ochsen, ohne Wein.


Im Kroatien der drei�iger Jahre stand die ungarische Feudalverfassung in
Geltung; der Schwerpunkt des gesamten Verwaltungssystems lag in der
Autonomie der Komitate. An der Spitze der Komitate standen jeweils
entweder ein erblicher oder ein vom K�nig ernannter Obergespan (supremus
comes, kroatisch: veliki zupan = gro�er F�hrer). Dem Obergespan
untergeordnet waren zwei Vizegespane (podzupani), die Ober- und
Vizestuhlrichter sowie die Notare als Vollzugsorgane der Verwaltung und
der Rechtsprechung (Gerichte). Justiz und Verwaltung waren damals wie
�berall in diesen Organen vereinigt (so z.B. in Tirol, in Bayern usw.).
Diese Organe wurden in Kroatien--gew�hlt und zwar von der "Kongegration"
des im Komitat ans�ssigen Adels auf jeweils drei Jahre. "Dekretiert"
war, da� diese Wahl, die zu jener Zeit auf lateinisch "restauratio"
genannt wurde, "frei" sein sollte, von der Regierung nicht beeinflu�t
werden durfte. Was eine "Wahl" nach ungarischem Muster, "frei" und von
der Regierung nicht "beeinflu�t", bedeutet, wei� heutzutage jeder
Gymnasiast und Realsch�ler. Wie aber vor 1848 in Kroatien "gew�hlt"
wurde, erz�hlt Dr. von Tkalac in seinen "Jugenderinnerungen" auf Grund
von Mitteilungen, die er aus dem Munde des--bereits genannten--Agramer
Obergespans Nikola von Zdencaj, eines "ber�hmten Wahlmachers", selbst
erhalten hatte. Die Darstellung ist, wie mir auf mehrfache Umfragen
best�tigt wurde, richtig und einwandfrei, wiewohl sie jedem Begriff von
"Wahl" ins Gesicht schl�gt und das Dekret, betr. "Nichtbeeinflussung",
in noch nicht dagewesener Weise verh�hnt. Doch zu den Verh�ltnissen
jener Feudalzeit pa�te der Vorgang im Komitat Turopolje (T�rkenfeld) zu
Agram, Anfang der drei�iger Jahre, ganz ausgezeichnet; die Wahl eines
Vizegespans bleibt typisch und ist wohl in Ewigkeit bez�glich "Freiheit"
und "Nichtbeeinflussung" nicht zu �bertreffen. Sogar die gegenw�rtige
jugoslavische Briefzensur in Agram, so Erstaunliches sie leistet, ist
kaum ein Abglanz jener gro�artigen Willk�rherrschaft seitens der
Komitatsgewaltigen.

Der Agramer Obergespan des Komitates Turopolje, Nikola von Zdencaj, sah
der n�tig gewordenen Neuwahl des ersten Vizegespans, der "Restauration",
aus dem Grunde mit gewissem Unbehagen entgegen, weil sich sein Gehilfe
Lentulaj (etwa mit Ruderer, Steuerer, Lenker zu �bersetzen) der Neuwahl
unterziehen mu�te, Zdencaj diesen sehr verst�ndigen, rechtlichen und
diensterfahrenen Beamten nicht verlieren wollte. Die Gefahr solchen
Verlustes war gro�, da die Gegenpartei nicht Lentulaj, sondern einen
Herrn Cegetek (Zwitscherer), einen kreuzbraven Mann, aber von geringen
Verwaltungsf�higkeiten, "korteschierte", d. h. f�r ihn die Wahlagitation
betrieb. Ein Teil des Landadels lie� ziemlich viel Geld springen,
Gutsbesitzer spendeten Wein in Gebinden und Ochsen, welch letztere im
ganzen am Spie� zur Belebung der Wahlstimmung auf dem Marktplatz in
Agram gebraten werden sollten, jeden Abend zwei Ochsen bis zum
Wahlschlu�. "Wein in Str�men". Kein Wunder deshalb, da� die Turopoljer
in dichten Scharen schon vor dem Wahltage nach Agram zogen und die
sch�ne Stadt "bev�lkerten". F�r Speise und Trank war ja reichlich
gesorgt; au�erdem zogen diese Scharen l�rmend und singend zur Belebung
der Wahlstimmung unter F�hrung von Anh�ngern Cegeteks von Kneipe zu
Kneipe.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 21st Feb 2026, 2:17