Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 42

Wenn es erlaubt ist, _meinen_ Eindruck mit einem einzigen Wort zu
erw�hnen, so w�re zu sagen, da� ich "tirolisch" gerufen habe: "Oha!"
Mehr Worte standen nicht zur Verf�gung.... Das Staunen war zu gro�. Der
Eindruck viel gewaltiger als etliche Tage sp�ter hoch am Vratnik beim
ersten Anblick der tief unten blauenden Adria, die der "Benzinist"
bereits kannte. Da� das Erscheinen eines Reichsdeutschen in Plitvice, im
s�dlichsten Zipfel Kroatiens, Aufsehen erregte, ist begreiflich; haben
ja noch wenige--Kroaten den weiten m�hevollen Weg "hinunter" gefunden.
Die Regierung Kroatiens hatte sich Jahrzehnte hindurch bem�ht, der
Pester "Hegemonie" eine Bahnverbindung von Ogulin nach Plitvice zur
Erschlie�ung der Wasserwunder abzuringen. Immer vergeblich! Plitvice
liegt auf--kroatischem Boden, nicht auf ungarischer bzw. magyarischer
Erde. Vor etwa acht Jahren war es gelungen, eine Verbindung mit Hilfe
eines--Postautomobils zu schaffen. Sechs Personen hatten darin Platz,
und zur Besichtigung der Wasserwunder von Plitvice war--eine ganze
Stunde Zeit gegeben. Wer diese Verf�gung ersonnen, h�tte verdient,
strafweise "Pr�sident" der "Drzava SHS" zu werden.... Oder "Ehrenb�rger
von M�nchen" w�hrend der "wonnigen Tage der R�terepublik 1919".

An sich aber war die Verf�gung sehr nett, n�mlich als durchschlagender
Beweis, da� "St. Bureaukratius" auch in der slavischen Welt gedeiht!
Eine einzige Stunde Besichtigungszeit f�r das gr��te Wasserwunder des
Erdballs!!! Einfach "k�stlich"! Doch es gibt auch f�r jenen
s�dslavischen St. Bureaukratius eine Entschuldigung in der Person jenes
Altm�nchener Hausbesitzers, der in jener Zeit, als M�nchen noch M�nchen,
eine reinliche gem�tliche Stadt und nicht spartakistisch durchseucht
war, nach Paris fuhr, drei Tage sp�ter aber schon wieder im "k�niglich
bayerischen" Hofbr�uhause sa� und die erstaunten Freunderln bez�glich
der �berraschend schnellen R�ckkehr dahin aufkl�rte, da� in Paris "auch
nichts los" sei. Alles gesehen, alles sei genau wie in M�nchen. "Auf dem
_P�re la chaise_ einmal--_herumgetanzt_, is aa nix!"------

In _Plitvice_ kann man, was im Flachlande Kroatiens unm�glich ist,
reichlich und gefahrlos--Wasser trinken. Wein ist aber besser, der
Slibovitz ausgezeichnet.

Wir haben uns bem�ht, m�glichst viel von den Wasserwundern dieser
s�dkroatischen M�rchenwelt auf die photographische Platte zu bringen.
Doch der beste Apparat kann nicht das uns�glich sch�ne Farbenspiel
offenbaren. Wollte ein gottbegnadeter K�nstler sie malen, _den_ Menschen
m�chte ich kennen lernen, der beim Anschauen der Bilder dem Maler
glaubt, die Wahrheit auf die Leinwand gezaubert zu haben....

In Agram kann man immer viel Dinge h�ren, die man nicht zu glauben
braucht. Die Versicherung, da� es in der Lika schon l�ngst keine R�uber
mehr gibt, das Reisen v�llig sicher und gefahrlos sei, hatte mein
"Automobilherr" mit Vergn�gen entgegengenommen. Mir war in Erinnerung,
in einem Geschichtswerk gelesen zu haben: "Ni gora bez vuka, ni Lika bez
hajduka!" (Weder ist das Gebirge ohne W�lfe noch die Lika ohne R�uber!)
Der Spruch stammt aus unruhigen Zeiten, als noch den Nordkroaten und
Slavoniern Likabewohner und R�uber sinnverwandte Worte waren. Zu lesen
war aber auch, da� der Likaner damals nicht aus Habsucht Hajduk wurde,
sondern aus gekr�nktem--Ehrgef�hl wegen Verpr�gelung; unter dem
�berstrengen Grenzregime wurde das geringste Vergehen grausam mit
Stockschl�gen usw. bestraft. Entehrenden Strafen zu entgehen, flohen die
kurzh�ndig Verurteilten ins Gebirge; bitterste Not und Verzweiflung
machten die Hungernden dann zu R�ubern. Als Kaiser Franz Joseph die
Leibesstrafe, die grausame Verpr�gelung, aufhob, h�rten in der Lika die
R�ubereien sehr rasch auf. Der letzte Hajduk namens Toma Kovacevic aus
Vranik wurde im Jahre 1872 hingerichtet.

Von alledem sagte ich kein Wort. Aber als "Justamentmensch" und echt
bayerischer Dicksch�del wollte ich bez�glich der �ffentlichen Sicherheit
im s�dlichsten Zipfel Kroatiens und hart an der bosnischen Grenze, also
"fern von Europa" eine "Probe auf das Exempel" machen, es auf einen
r�uberischen �berfall ankommen lassen. Also wurde die Geldtasche im
Kasten des Hotelzimmers versperrt, als einzige Waffe wie immer nach
alter Gewohnheit das griffeste Jagdmesser mitgenommen. Speiste vorher
mit den Reisegenossen zu abend, und dann ging ich bei salzburgischem
Schn�rlregen "im Mondschein spazieren". Ein Ausflug in pechschwarzer
Nacht auf einsamer Landstra�e zur bosnischen Grenze. Mutterseelenallein
und furchtlos, neugierig und erpicht, mit likanischen R�ubern
Bekanntschaft zu machen und etliche Worte auf S�dkroatisch wechseln zu
k�nnen.

"Schrecklich solide" Leute diese Likaner. Bleiben bei Muttern zu Hause,
wenn es finster ist und schn�rlregnet, lieben die Trockenheit und W�rme.
Ein Vergn�gen war dieser frostige Spaziergang so tief im S�den wirklich
nicht; aber "poetisch" das Geheul frierender Dorfk�ter in langgezogenen
elegischen T�nen.

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Books | Photos | Paul Mutton | Fri 20th Feb 2026, 22:21