Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 41

F�r Reisen im Kraftwagen sind immer von Wichtigkeit die
Stra�enverh�ltnisse und Charaktereigenschaften der Bev�lkerung des
jeweils zu durchfahrenden Landes. Die Gutm�tigkeit des kroatischen
Volkes, solange der Kroat keinen Schnaps im Leibe hat, wird ger�hmt;
dicht neben ihr sitzt aber die "negative Intelligenz", die sich in
Kopflosigkeit �u�ert, wenn ein Automobil herankommt. Ein lammfrommes
Pferd mu� erschrecken, so der Fuhrmann ihm pl�tzlich mit den H�nden an
den Kopf greift und die Augen verdeckt. Just im gef�hrlichsten Moment,
da der Kraftwagen vor�berf�hrt, erweist sich die Neugierde viel st�rker
als die Vorsicht; der Bauer ben�tigt zweifellos die H�nde zum--Schauen,
zieht sie also von den Augen des Pferdes weg, und der Zusammenprall ist
fertig....

Wenige Stunden hinter Karlstadt beginnt die Melancholie des Karstlandes,
genannt _Lika_, ein begr�ntes Gebiet, aus dem stellenweise stattliche
Berge, kahle Felsh�upter aufragen; tief eingerissen sind die wenigen
Flu�t�ler mit Wasserl�ufen, die pl�tzlich im Boden verschwinden,
unterirdisch Seen bilden und unvermittelt wieder zutage treten. Auch die
Korana hat solche "Mucken". Eine eigenartige Welt, echtes Karstgebiet
mit seinen Eigenheiten, das im n�rdlichen Teil der fruchtbaren T�ler und
Dolmen nicht entbehrt. Herbe sp�rliche Sch�nheit in tiefster
Melancholie, wie sie aus Lenaus Gedichten weht....

Beim t�rkisch angelegten St�dtchen _Slujn_ prahlt die lichtblaue Korana
erstmals mit ihrer Sch�nheit in �berraschenden Wasserf�llen.

Nach S�den steigert sich die �de der Lika zur Schaurigkeit, �berall
steile H�hen, tiefe Schluchten, freiliegendes Gestein, in den Dolinen
wenig Ackerboden, geringwertige Weidepl�tze. Winzige D�rfer, deren
trostlose H�uschen tief im Boden stecken, mit Stroh oder D�nger gedeckt
sind. So eine "Wohnst�tte" enth�lt einen einzigen Raum, den die
Familie, Ziegen, Schweine, H�hner und etliche G�nse "bewohnen". Der
Winter soll in der Lika sehr streng und lang (6-7 Monate) sein und
enorme Schneef�lle bringen. Die Lika umfa�t 6212 Quadratkilometer, hat
eine Bev�lkerung von rund 192000 Seelen und besa� (1890) im St�dtle
Gospic eine einzige Apotheke f�r die ganze Provinz!

Stundenlang w�hrte die Fahrt durch dieses melancholische Karstgel�nde.
Dann endlich erklomm das ratternde Auto eine letzte Anh�he, bekr�nt von
einer steinernen Kanzel hart an der schmalen Stra�e. Ein auffallendes
Bauwerk in weltentlegener, schauriger Einsamkeit, das eine
Zweckerforschung geradezu erzwingt.

Ein Blick in die Tiefe, ein Ruf h�chster �berraschung!

In einer wohl hundert Meter tiefen Erosionsschlucht entwickelt die hier
smaragdgr�ne Korana die zaubervollste Romantik: viele wei�sch�umende
Kaskaden, blaue Bassins, graugr�ne Seen, entz�ckend geformte Terrassen
inmitten wuchtig starrender Sturzfelsen. Wahrhaftige Wasserwunder,
m�rchensch�ne Gebilde, erzeugt von einem einzigen Wildbach. Die Pforte
zu einem Paradiese auf s�dkroatischem Boden!

In dr�ngender Sehnsucht nun weiter mit der H�chstgeschwindigkeit des
Kraftwagens, hinein in die M�rchenwelt von _Plitvice_.

Ein blauschimmernder See, umrahmt von herrlich prangenden W�ldern, die
�ppigkeit einer Tropenwelt; hochst�mmige Buchen mit m�chtigsten Kronen,
dichtbemantelte Edeltannen, Ahorn massenhaft mit gro�artigem Wuchs.
Nicht minder h�ufig die Eibe, doch nur als Gestr�pp. Ein ungeheurer
Naturpark, �berw�ltigende Waldeinsamkeit bei einem unglaublichen
Wasserreichtum. Der untere (Kozjak-) See schillert in seltsamen
Farbent�nen, bald tiefblau, dann smaragdgr�n, gelb und grau.

Auf gr�ner Anh�he thront das vom Agramer Komitee zur Erschlie�ung der
Plitvicer Wasserpracht erbaute Hotel.

Auf die L�nge von acht Kilometern sind hier zusammengedr�ngt 13 (!) Seen
und 30 (!) entz�ckende Wasserf�lle bei einem H�henunterschiede von rund
200 Metern. Wasserwunder der bescheidenen blauen Korana, der Tochter des
Kapelagebirges, die nach dem Verlassen des Plitvicer M�rchengebietes
alsbald im Karstboden versinkt, sp�ter wieder zutage tritt, als
unscheinbares Fl��chen nach Norden eilt und sich bei Karlstadt mit der
schiffbaren Kulpa vereinigt.

Jeder der dreizehn Seen von Plitvice (kroatisch und russisch plit =
Felsplatte) zeigt sich anders hinsichtlich der Konfiguration und
Wasserfarbe; das Farbenspiel ist von der Temperatur abh�ngig, unter
f�nfzehn Grad Celsius erscheinen alle Seen grau!

So alt das Haus Habsburg geworden war, von m�nnlichen Mitgliedern hatte
sich kein Prinz je nach--Plitvice "verirrt". Die Kronprinzessin
Stefanie, jetzige Gr�fin Lonyay, lie� sich gelegentlich einer
Quarnerofahrt bereden, von Zengg an der kroatischen K�ste aus die
M�rchenwelt von Plitvice zu besuchen. So qualvoll die Wagenfahrt
gewesen, die Dame hatte den Besuch nicht bereut; sie war sprachlos vor
�berraschung.

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Books | Photos | Paul Mutton | Fri 20th Feb 2026, 20:14