Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 40

Gottlob wurde diese "Liebe" nicht auf uns deutsche "Benzinisten"
�bertragen; gelegentliche Versuche kroatischer Kinder, dem Kraftwagen
Steine nachzuwerfen, hatten nichts zu bedeuten.

In Hotels wurden lediglich die Ohren gespitzt; man wollte h�ren, welcher
Sprache die Automobilisten sich bedienten. Als Deutsche wurden wir
freundlich und gut bedient.

Was der Name "Kroat", slavisch Hrvat, Horvat, Arvat, eigentlich
bedeutet, wissen die Kroaten selber nicht. In Agram war es vor zehn
Jahren ganz unbekannt, da� die Erkl�rung des Namens im--Titel des
Bischofs von Zengg steckt! Der Titel lautet: "Bischof von Modrusch und
Korbavia". Letzteres Wort stammt von "Korba", das sich im Russischen
erhalten und die Bedeutung hat: nasse, sumpfige Gegend. Dieses Korba
steckt in den topographischen Namen: Korpula, Skorba, Karwin, Charbin.
Die Bewohner wie die Grenzgegenden an der "Korba" in alter Zeit
erhielten den Namen "Korbati", was Ufergebirge, Uferbewohner bedeutet.
Aus "Korbati" wurde dann: Chorbaten, Karwaten (Karpaten), Kroaten.

Deutschland machte die Bekanntschaft mit den Kroaten, mit ihrem Mut, mit
ihrer Beutegier und Grausamkeit im Laufe des Drei�igj�hrigen Krieges.
Der Name "Kroat" (Krawat) wurde ein Schimpfwort im Deutschen ("Schimpf"
in neuerer Bedeutung, nicht in der mittelalterlichen, wo das Wort soviel
wie Vergn�gen, Unterhaltung bedeutete); dazu hat ab 1740 Baron von der
Trenck mit seinen Panduren und Greueltaten sein Teil reichlich
beigetragen. Nicht mit Unrecht sagt der Kroate Dr. von Tkalac im Vorwort
zu seinen "Erinnerungen": "Kroatien und die Kroaten spielen in der
deutschen Litteratur keine erfreuliche Rolle. Da� die Kroaten bei dem
letzten gro�en Einfall der Mongolen im Jahre 1242 durch ihren Sieg in
Grobnik (bei Fiume) Europa vor Verw�stung und Barbarei gerettet, da� sie
jahrhundertelang eine Vormauer Europas gegen das damals noch m�chtige
T�rkentum bildeten, ist weit weniger bekannt, als da� sie dem Hause
Habsburg im Drei�igj�hrigen, im Erbfolgekrieg von 1740 und im
Siebenj�hrigen Krieg Heerfolge und Schergendienste leisteten und sich
dadurch die Feindschaft der abendl�ndischen V�lker zuzogen. In
'Wallensteins Lager' l��t Schiller von einem Scharfsch�tzen einen
kroatischen Soldaten mit den Worten ansprechen: 'Kroat, wo hast du das
Halsband gestohlen?' Der Kroat antwortet: 'Du willst mich betr�gen,
Sch�tz', und der Trompeter best�tigt dies: 'Seht nur, wie der den
Kroaten prellt?' Die Gaunerei des Scharfsch�tzen macht auf die Zuh�rer
keinen Eindruck, aber seine Ansprache: 'Kroat, wo hast du das Halsband
gestohlen?' bewirkt eine Ersch�tterung des Zwerchfells, die nicht wieder
vergessen wird. Und wenn nun gar in geographischen und geschichtlichen
Werken Kroatien als ein Land dargestellt wird, das von verschiedenen
halbwilden V�lkerschaften, namentlich von Panduren, Hajduken,
Schereschanern, Morlaken, Uskoken, Primorzen, Schokatzen, Raitzen usw.
bewohnt wird, wissen gar viele nicht, da� die Mark Brandenburg von einer
Menge verschiedener V�lkerschaften, wie Potsdamern, Charlottenburgern,
Teltowern, Sch�nebergern, Lichterfeldern usw., bewohnt wird. Ich will
nun freilich nicht behaupten, da� Kroatien das irdische Paradies und die
Kroaten das auserw�hlte Volk Gottes seien, aber wenn man sich f�r die
unwirtlichsten L�nder Innerafrikes und Zentralasiens und f�r deren
wilde und stupide Bev�lkerungen interessiert, w�rde wohl auch das nicht
so fern liegende Kroatien und sein Volk verdienen, da� man sich in
Deutschland �ber beide besser unterrichtete." Bitter klagte Dr. von
Tkalac auch dar�ber, da� er als Universit�tsstudent in Berlin als eine
Art ethnographisches Wundertier, weil Kroat von Geburt, angestaunt
wurde. Eine den h�chsten Kreisen Berlins angeh�rende Dame konnte es
�berhaupt nicht begreifen, da� ein Universit�tsstudent, der Griechisch
und Latein verstand und Italienisch, Franz�sisch und Deutsch sprach,
ein--Kroat sein konnte.

�hnliche und bittere Klagen zu erheben, hatten die Slovenen vielfach
Ursache, die man stets zum Dienervolk herunterdr�cken wollte, und deren
Sprache man bestenfalls als Verst�ndigungsmittel f�r Dienstboten
bezeichnete. Wer viel und lang in slovenischen Familien der Intelligenz
verkehrte, mu�te zur �berzeugung gelangen, da� �berlange ungerechte
Behandlung, gewaltsame Unterdr�ckung eine gef�hrliche Verbitterung im
slovenischen Volke heraufbeschw�ren werde. Z�ndstoff war mehr als genug
vorhanden. Die �berst�rzte Gr�ndung der schlecht geleimten "_Drzava
SHS_" war allerdings nicht vorauszusehen. Seitens der Slovenen und
Kroaten ist sie ein menschlich begreiflicher Racheakt. Und "Rache ist
s��". Ist sie aber gen�gend ausgekostet, wird auch die Verbitterung
weichen, bei den S�dslaven und Deutschen der s�dlichen Gebiete die
Vernunft einkehren und lehren, da� man aufeinander angewiesen sei und
miteinander leben m�sse. Hoffentlich dann beiderseits mit weiser
M��igung in Politik und nationalen "Gef�hlen"....

Auf der flinken Fahrt zu den so gut wie unbekannten Wasserwundern von
Plitvice macht man erstmals die Bekanntschaft mit der stahlblauen Korana
in _Karlstadt_, wo sich Kulpa und Korana, diese interessanten Fl�sse
Kroatiens, vereinen. Was doch die Neuzeit alles schafft! Aus einer
wuchtigen Grenzfestung, die im sechzehnten Jahrhundert als Trutzburg
gegen die nahe T�rkei (T�rkisch-Bosnien) angelegt wurde, aus dem
d�steren, blutgetr�nkten St�dtle Karlovatz ist eine moderne, fast
elegant zu nennende, freundliche Stadt mit sch�nen Geb�uden geworden.

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Books | Photos | Paul Mutton | Fri 20th Feb 2026, 18:16