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Page 37
Von allen G�ttern verlassen, �bersetzte der Gast in Gedanken so rasch
als m�glich wortw�rtlich und damit regelrechten Bl�dsinn! "Ich habe
viel--Sonne!" Anzuwenden w�re aber die ironisch gemeinte Deutung
gewesen. "Ich bin Gutsbesitzer!"
Alle Augen richteten sich auf den Gast, von dem eine �u�erung erwartet
wurde.
In dieser peinlichen Lage flogen zu allem Ungl�ck die Gedanken aus
Kroatien nach Tirol; der Satz unseres alten Ludwig Steub im Fremdenbuch
der altber�hmten Weinstube des Gasthauses "Klause" bei Kufstein trat in
Erinnerung und beherrschte alles. "Einschreiben, einschreiben, nichts
leichter als das, wenn man nur immer gleich w��te: was?!"--Im gegebenen
Falle: Reden, reden; nichts leichter als das, wenn man nur w��te:
was!... Flink von Tirol weg und hinein in die--kroatische Grammatik, und
das Z�nglein plapperte die Antwort auf den franz�sischen Witz: "Nemam
sada sunce!" (Ich habe jetzt keine--Sonne!)
Schallendes Gel�chter. Die Tafelrunde kr�mmte sich und schrie wie toll
geworden. Und hielt diese gr��liche Antwort f�r einen--spr�henden Witz,
der mit schrecklichem L�rm und H�ndeklatschen aufgenommen wurde.
Als sich die Tischg�ste etwas beruhigt hatten, gl�ckte es mir, das
Mi�verst�ndnis aufzuhellen und die Bitte vorzubringen, das l�ngst
vergessene Franz�sisch wegzulassen und zugunsten meines Lerneifers
Kroatisch, reines Kroatisch, aber h�bsch langsam, zu sprechen. Diese
ehrliche Bitte wurde Anla�, da� der Hausherr die "Episode des Herrn
Nikola von Zdencaj", der damals, zur Franzosenzeit Kroatiens, Obergespan
des Agramer Komitates war, zum besten gab, und zwar viel witziger, als
sie in von Tkalac' "Jugenderinnerungen" zu lesen ist.
Herr von Zdencaj (etwa mit "Brunner" zu �bersetzen), war ein arger
Franz�sling, der sein Geld nach Bojarenart viel lieber in Paris als in
Agram oder Wien "verjuxte". Er blieb in Kroatien, als die Franzosen sein
Vaterland besetzten, machte aus seiner Vorliebe f�r Gallien nun erst
recht kein Hehl und gab sich alle M�he, "echt franz�sische" Dienerschaft
in sein Haus zu bekommen. Das gelang aber nicht, obwohl Zdencajs Freunde
in Paris alles versuchten, Domestiken f�r Kroatien anzuwerben; nur einen
Sprachlehrer konnten sie senden, der dann die kroatische Dienerschaft
Zdencajs in "Pariser" Domestiken ummodeln sollte. Mehr Talent als der
Deutsche hat ja der Slave f�r fremde Sprachen; doch zu raschem Erlernen
geh�rt doch auch ein gewisses Ma� von Intelligenz. Die Diener Zdencajs
versagten kl�glich, merkten sich kaum die franz�sischen Taufnamen, mit
denen sie angerufen wurden. Im Hausdienst mu�te Franz�sisch gesprochen
werden; Zwangsdressur, unz�hlige Probediners, damit die kroatischen
Diener das Servieren und Sprechen auf Pariser Art f�r das gro�e
Festmahl am--Napoleonstage erlernten. Ein Ereignis sollte dieses
Festdiner f�r Westkroatien werden. Gelehrig oder doch anstellig, gut
brauchbar waren Zdencajs Domestiken unbestreitbar, doch ein gewisses
Mi�trauen wurde der Gebieter nicht los. Deshalb hielt er am Festtage
selbst noch am Morgen eine Probe an der bereits geschm�ckten Tafel ab.
Zdencaj erteilte seine Befehle im Franz�sisch jener Zeit, im
"Bojaren-Patois"; die in "Jean", "George", "Pierre" usw. umgetauften
kroatischen Diener antworteten "franz�sisch", machten ihre Sache gar
nicht schlecht w�hrend dieser Generalprobe, so da� Zdencaj aufatmete und
beruhigt dem Festdiner entgegensah. Bis zum Abend f�hlte sich Zdencaj
als Grandseigneur, und als solcher begr��te er seine franz�sischen und
kroatischen G�ste. Erstere waren in der Mehrheit, da Milit�r und
Beamtenschaft geladen war. Slavische Gastfreundschaft sollten die
Franzosen kennen lernen, Gastlichkeit in �ppigster Form, sich aber wie
daheim in Frankreich f�hlen durch die Art der Bedienung. Zdencaj ha�te
das laute Flaschen�ffnen bei Tisch, den L�rm, das "Schnalzen" der
kr�ftig und rasch gezogenen Korke; deshalb waren vor Dinerbeginn ganze
Batterien edler franz�sischer Rotweine ge�ffnet und in einem Nebenraume
bereitgestellt worden. F�r diese Seltenheiten interessierten sich die
Diener des Hauses Zdencaj viel st�rker als f�r die erwarteten G�ste, so
da� die Domestiken schon eine Stunde vor Beginn des Festmahles
nach--Burgunder dufteten und "weinselige" Augen machten.
Nikola von Zdencaj "bekomplimentierte" in der Art des achtzehnten
Jahrhunderts den etwas verfr�ht erschienenen kommandierenden General und
bald darauf den Gouverneur, so da� es unm�glich war, die Dienerschaft im
Auge zu behalten.
Nach l�ngerem Begr��ungsgespr�ch ging es zur Tafel.
Die ersten G�nge wurden zwar nicht nach Pariser Art, nicht sehr "diskret
serviert", doch Verst��e gr��erer Art kamen nicht vor. Als der erste
Braten aufgetragen wurde, gewahrte der sp�hende Kontrollblick des
Hausherrn, da� einem der G�ste, noch dazu einem franz�sischen
Stabsoffizier, der Teller nicht gewechselt worden war. Zdencaj versuchte
zun�chst mit Augenwinken den Fehler ausbessern zu lassen. Daf�r fehlte
es bei den weinseligen kroatischen Dienern an Achtsamkeit. Der Gebieter
"stupste" Janko und deutete auf Gast und Teller. Worauf Janko auf den
Franzosen lossteuerte und den Teller wegnehmen wollte. Der Offizier
meinte l�chelnd: "Bien oblig�!"
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