Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 36

Studienfahrten in Dalmatien werden wohl in jedem Reisenden sehr wirksame
Eindr�cke hinterlassen; eines aber ist in diesem slavischen Lande sicher
nicht richtig zu studieren, nicht zu erlernen: die kroatische Sprache!

Also wurde das Land ausgesucht, bereist und studiert,
wo--angeblich--_reines_ Kroatisch gesprochen wird, alles ganz anders und
"jako (vrlo) interessante" ist.

Das in seinen gebirgigen Teilen m�rchensch�ne Land Kroatien hat neben
anderen Vorz�gen die sch�ne Eigenschaft, da� man--gen�gend Zeit
vorausgesetzt--alle Notabeln kennen lernen, die wunderbare kroatische
Gastfreundschaft genie�en kann, wenn man mit einem einzigen Adeligen
befreundet ist. Aber, woher die Zeit nehmen! Der Aufenthalt auf jedem
Edelsitz (curia nobilis)--schon von weitem erkennbar an der zum Schlo�
f�hrenden, kennzeichnenden Pappelallee--verschlingt wenigstens eine
Woche, da doch auch der Bibliothek und der Umgebung volle Aufmerksamkeit
gewidmet werden mu�, wenn man zu Studienzwecken im Lande weilt.

In allen s�dslavischen L�ndern st��t man auf r�hrende Dankbarkeit, wenn
die Leute merken, da� man als Reichsdeutscher den guten Willen hat, sich
der betreffenden Sprache nach M�glichkeit zu bedienen. Besonders in
Kroatien ist das "bocchesisch-marinierte" N�rgeln (�brigens mehr
scherzhaft als bissig gemeint) nicht �blich; Belehrung wird auf
freundliche Bitte hin bereitwillig und freudig in zartester Form
erteilt.

Von Zara aus hatte meine Wenigkeit f�r einen bestimmten Tag die Ankunft
auf einem kroatischen Edelsitz mit einem kroatischen brzojav (Telegramm)
angesagt. Von der letztm�glichen Eisenbahnstation ging es zu Wagen in
sausender Fahrt auf staubiger Landstra�e dahin. Der Insasse war von der
langen Reise m�de, �bern�chtig, schlaftrunken, wenig empf�nglich f�r die
Sch�nheit des Sommermorgens in fruchtbarer Gegend. Nicht das geringste
Interesse war vorhanden f�r die Reitertruppe, die auf abgem�hter Wiese
�bte. Soll die Stimmung des "tunkenden" Reisenden genau wiedergegeben
werden, ist's nur in bajuvarischer Sprache m�glich. "Mei' Ruah' m�cht'
i!" Schlafen, ausruhen um jeden Preis.

Da� sich beim Anrollen meines Wagens von der Kavallerieeskadron ein
Offizier entfernte und gegen die Stra�e galoppierte, war mir
uns�glich--"wurscht". Aber der Offizier hoch zu Ro� tauchte am
Wagenschlag auf, gr��te h�flichst auf kroatisch und hie� den Gast dann,
im Trab mitreitend, in deutscher Sprache auf kroatischem Boden
willkommen mit den Worten. "Gute Ankunft, Herr--Achleitner! Lustig sein!
Zum Abend kommen wir alle zur Begr��ung! Servus!" Und weg war der
Offizier. Der Schlaf war auch weg. Ich f�hlte ordentlich, da� mein
Gesichtsausdruck "schafm��ig" war. Beispiellos verbl�fft.

Als eine Pappellallee in Sicht kam, waren die Zurufe der Bauern: "Zivio
gospodin tajni savjet!" (Hoch, Herr Geheimer Rat!) leicht als
"eingelerntes Zeug", befohlen vom Gutsherrn, zu erraten.

Mittags gab es mit umst�ndlicher Feierlichkeit den Willkommstrunk
mit--onomatologischer Beigabe. Der Mensch lernt nie aus. Zwar bestritt
der Schlo�herr nicht die M�glichkeit, da� das kroatische, mit nur einem
"l" zu schreibende Wort "Billikum", also "Bilikum", vom Deutschen
abgeleitet und dem kroatischen Wortschatz einverleibt worden sein k�nne,
aber sehr wahrscheinlich sei solche Anleihe nicht, da das Wort "Bilikum"
"spielend leicht" aus dem Kroatischen erkl�rt werden k�nne: "Pije-li,
kume?" (Will er trinken, Gevatter?) Piti = trinken, pijem = ich trinke.

Angesichts des "zweiliterigen" Willkommsbechers erstarb jede
Widerspruchslust. Der Wissenschaft halber wurde zun�chst diese
Ableitungstheorie notiert; dann ging's an die Leerung des
Willkommsbechers. Eine kurze Dankrede und ein pr�chtiges "Diner" darauf,
hernach erquickender Erholungsschlaf im Bett.

Auf kroatischen Edelsitzen hatte ich erstaunlich viel Gl�ck insofern,
als zur rechten Zeit Schlechtwetter eintrat und dadurch das "Schn�ffeln"
in Archiv und Bibliothek erm�glicht war. Fundgruben kostbarer Art f�r
Kulturhistoriker. Im Archiv des "Kume" (Gevatters), so nannte meine
Wenigkeit in Gedanken den Hausherrn wegen der Ableitung des Wortes
'Bilikum' aus dem Kroatischen, gab es ziemlich viel handschriftliches
Material aus der Franzosenzeit. Dar�ber wurde begreiflicherweise bei
Tisch, besonders abends, eingehend gesprochen bunt durcheinander in drei
Sprachen, von denen wir wegen hochgradiger "Verge�lichkeit" das
gallische Idiom Unbehagen verursachte. Darauf aufmerksam zu machen, da�
"mein Franz�sisch" "verschwitzt" sei, fehlte die Gelegenheit. Im
Spr�hfeuer dieser noch dazu sehr flink gef�hrten Gespr�che begann der
Gast Schlimmes zu--ahnen. Am Ton war bei einer Gespr�chswendung die
Ironie herauszuh�ren; doch nicht f�r Kroatien und sonstige K�nigreiche
als Belohnung ergab sich die M�glichkeit, rasch den Sinn zu erfassen,
als der Hausherr schalkhaft l�chelnd erw�hnte: "J'ai du bien au soleil!"

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Books | Photos | Paul Mutton | Fri 20th Feb 2026, 10:06