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Page 34
Es ist nicht unwahrscheinlich, da� diese harmlose Wette, deren Sieg der
Gr�fin Wrbna ein artiges Handschreiben des Zaren und als Geschenk
eine--"Bibliothek" eintrug, einen vergn�genss�chtigen Adeligen auf die
Idee brachte, die "Familiensimpelei" auf den Edelsitzen in
eine--Pikanterie, in eine tolle "Mohrenherz" umzugestalten.
Auf einem Gutssitz hatten die siebzig G�ste mit etwa vierzig Pferden und
Dienerschaft binnen f�nf Tagen "ratzekahl" gezecht. Der Gutsherr war f�r
ein Jahr ruiniert. Der "Oberarrangeur" und Vergn�gungsmeister verk�ndete
f�r den n�chsten Tag den Abzug und die Fahrt zum benachbarten Edelsitz,
wohin vorsichtshalber Botschaft gesendet worden sei. Da bei dieser
Verk�ndigung nicht alle Damen anwesend waren, benutzte der "Maestro"
die Gelegenheit, in die R�ume der Frauen einzudringen. Die Raumnot hatte
dazu gezwungen, in je einem Zimmer acht bis zehn Frauen unterzubringen,
ebenso M�dchen und Kinder unter Aufsicht �lterer Damen. Die M�nner waren
in Scheunen (Schlafgelegenheit auf Stroh), zu einem Teil auf
nahegelegenen Bauerngeh�ften einquartiert, wo die Herren toll genug
"wirtschafteten".
Den Gipfel der Tollheit und Scheu�lichkeit erklomm das f�r den letzten
Abend auf dem Gutssitz ausgef�hrte _Lottospiel um die--Frauen_!
Die vom schweren Zechen berauschten M�nner "w�rfelten" um die Ehefrauen,
mit denen sie die letzte Nacht vor der Abreise nach einem anderen
Edelsitz zubringen sollten. Die Dienerschaft (Zofen) wurde mit Geld
bestochen und zu Angaben verleitet, in welchem Zimmer und in welchen
Betten die einzelnen Damen n�chtigten. Die Namen dieser Frauen mit den
erkauften Angaben wurden dann auf Zettel geschrieben, diese Zettel in
einen Hut geworfen und durcheinandergemischt. Jeder "Edel"mann dieser
seltsamen Korona--mit dieser Sch�ndlichkeit waren alle freudig
einverstanden--zog einen Zettel heraus, der ihm f�r die Nacht eine
"Genossin" zuwies.
Nicht gegen das sch�ndliche Spiel um Ehre und Frauenw�rde, gegen die
Zuchtlosigkeit, erhob sich erstmals ein Widerspruch, es wurde nur die
Bef�rchtung ge�u�ert, da� der Betrug verfr�ht durch Licht entdeckt
werden k�nnte. Dieses Bedenken zerstreute der "Erfinder" des
"Frauenspieles" mit dem Hinweis, da� _rasches Lichtmachen mit Feuerstein
und Schwefelfaden unm�glich_ sei, da� also bei dieser langsamen, den
Frauen sehr l�stigen Prozedur den betreffenden "illegitimen" Eheherren
im Entdeckungsfalle die Flucht aus dem Zimmer wesentlich erleichtert
sei. Die Anwesenheit anderer Damen in den Stuben erregte �berhaupt keine
Bedenken. Der _Weibertausch_ wurde _richtig ausgef�hrt_! Und es gab
_keinen_ �ffentlichen Skandal in Kroatien wegen dieser--afrikanischen
"Erlustierung".
Die "vergn�genss�chtigen" berauschten Herren der Sch�pfung schlichen
barfu� in die Frauengem�cher und schmuggelten sich in die--ausgelosten
Betten. Wurde von einer oder der anderen Frau der schm�hliche Betrug
irgendwie erkannt und L�rm geschlagen, so fl�chteten die Herren sofort
aus den Stuben, bevor Licht erzeugt werden konnte. "Dank" _Feuerstein
und Schwefelfaden_, der Langsamkeit, mit diesen Hilfsmitteln Licht zu
machen, vermochten sich die "Witzbolde" rechtzeitig in Sicherheit zu
bringen. Und dies des �fteren!
Wegen dieses "witzigen Frauenspieles", das noch immer in der Erinnerung
lebt und auch mir im Jahre 1912 in Kroatien erz�hlt wurde, hat Dr. von
Tkalac um 1840 einen seiner Verwandten interpelliert, der an diesem
"Weibertausch" damals "aktiv" beteiligt war. Die Antwort ist in Tkalac
"Jugenderinnerungen" wie folgt festgehalten: "Was willst du, es war eine
tolle Zeit! Da wir beinahe alle H�rner trugen und dabei keiner erfuhr,
wer von uns ihn damit gekr�nt hatte, war es das kl�gste, zu schweigen.
H�tten wir uns alle etwa wie die n�rrischen Franzosen schlagen und
gegenseitig nieders�beln sollen? Was nun einmal geschehen war, konnte
man doch nicht ungeschehen machen. Und wenn die Frauen keinen L�rm
schlugen, mu�te man annehmen, da� sie ... zufrieden waren."
Als 72j�hriger Greis bewertete der auf seine kroatische Abstammung sonst
ehrlich-stolze, hochgebildete Dr. von Tkalac diese Ereignisse in seinen
"Erinnerungen". "Es mu� eine 'tolle Zeit' gewesen sein, in welcher _den
Menschen jede F�higkeit zu ernstem Denken und ernster Arbeit abhanden_
gekommen zu sein schien. Der �sterreichische gro�e Staatsbankerott vom
Jahre 1811 scheint merkw�rdigerweise diese stets lustige und
leichtsinnige Generation gar nicht ber�hrt zu haben."
Auf die tolle Zeit folgte 1817 eine schreckliche allgemeine Hungersnot
und bitterste Verarmung. Der Wucher kam zu h�chster Bl�te und richtete
besonders die Grundbesitzer v�llig zugrunde. Um sich �ber Wasser zu
halten, nahmen sie nominell zu zehn und zw�lf vom Hundert Geld auf, und
da sie nicht mit Bargeld zur�ckzahlen konnten, zahlten sie in
Naturalien--Wein, Getreide, Pflaumen (zum Branntweinbrennen), Heu,
Bau-und Brennholz--, die ihre Gl�ubiger ihnen zu wahren Spottpreisen
abkauften, wodurch sich die Zinsen auf drei�ig und vierzig Prozent
erh�hten. Oder die Grundbesitzer suchten sich dadurch zu helfen, da� sie
einen Teil ihres Allodialbesitzes oder ihrer Untertanen mit Haus und
Grundst�cken verpf�ndeten, so da� manchem Grundbesitzer, der f�nfzig und
mehr Untertanenh�user besessen hatte, schlie�lich nur f�nf oder sechs
�brigblieben, mit denen er au�erstande war, sein Gut zu bewirtschaften,
und deshalb g�nzlich verarmen[13] mu�te.
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