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Page 33
Was sich auf kroatischem Boden abspielte, bildete nach Jahrzehnten noch
immer den Gespr�chsstoff, so da� Dr. von Tkalac (geboren 1822) aus den
Erz�hlungen befreundeter Adeliger, die den tollen Rummel mitgemacht
hatten, entsetzensvolle Eindr�cke empfing und mit Schaudern dar�ber
schrieb.
Just die sogenannten gebildeten Klassen st�rzten sich kopf�ber, wie
besinnungslos, toll geworden von Zerstreuungswut, in Vergn�gungen, die
als "Niggerhetzen" selbst auf afrikanischem Boden--Erstaunen erregt
haben w�rden. Der Drang nach Vergn�gen um jeden Preis war �berm�chtig
geworden; man wollte sich austoben, gierig, toll, ohne zu denken, da�
alles, auch die Vergn�gungssucht, Grenzen haben m�sse, sinnloser
Geldverbrauch zum Ruin f�hre, jede Entartung sich auf lange Zeit hinaus
bitter r�chen werde.
Aufgebaut waren diese "Festivit�ten" auf der ber�hmten slavischen
Gastfreundschaft, die auch f�r die Kroaten und Serben nicht nur als
Tugend, sondern geradezu als nationale und moralische Pflicht gilt, den
slavischen V�lkern schon im Kindesalter sozusagen eingeimpft wird. Wer
sich dieser Pflicht entzieht, gilt als ehrlos, ist der allgemeinen
Verachtung ausgeliefert und wird als ausgesto�en betrachtet. Deshalb ist
der Slave, besonders der S�dslave, immer bestrebt, Gastfreundschaft, die
ihn selbst ehrt, zu erweisen; freudig gibt er sein Bestes und auch sein
Letztes, um den Gast zu ehren, und inniger Dank des Gastes bildet f�r
den Slaven Lebensgl�ck.
In jenen Jahren offenbarte sich, da� auch die Gastfreundschaft--entarten
kann.
Im Umkreise von mehreren Meilen kennen sich selbstverst�ndlich die
Grundbesitzer �berall. Gegenseitige Besuche mit ganzer Familie waren von
jeher zu gewissen Zeiten oder bei besonderen Anl�ssen �blich. Zu
jagdlichen Veranstaltungen (gro�en Treibjagden) erschienen nur Herren in
gro�er Anzahl, immer mit eigenem Fuhrwerk und Dienerschaft. Zu
Familienfesten jedoch jeweils die Familien mit Kind und Kegel, gesamtem
Tro�, mitunter sogar mit Tafelzeug, wenn etwa bekannt war, da� wegen
�bergro�en Andranges von G�sten Mangel an Tischger�ten eintreten konnte.
Infolge der pl�tzlich ausgetretenen Vergn�gungswut hielt man sich nicht
mehr an die fr�her �blich gewesene Besuchsansage oder Einladung: man
erschien mit gesamter Familie, Dienerschaft, Pferden und Geschirr eines
Tages auf dem n�chstgelegenen Edelsitz, feierte das Bilikum, blieb
mehrere Tage, d. h. bis der betreffende Gutsbesitzer erkl�ren mu�te, da�
er nichts mehr zu bieten habe und gezwungen sei, sich mit seiner Familie
den G�sten--anzuschlie�en, die nun weiter zum n�chsten Edelsitz zogen.
Schwatzen, Essen und Tanz f�r Frauen und T�chter, Essen, Trinken, Tanz
und Kartenspiel f�r die m�nnliche Welt. Mitunter mehr als ein Dutzend
vielk�pfiger Familien zusammen auf dem "heimgesuchten" Edelsitz. Von
einem Gut zum andern, bis alles--"abgegrast" war; dann boten aber die
zigeunernden G�ste selbst Gastfreundschaft bis zum letzten Kalb,
Schwein, Fa� und Knopf. Dieses Herumziehen w�hrte im Turnus, der nicht
�ngstlich in den nachbarlichen Grenzen gehalten werden mu�te, da man
auch bei nichtbenachbarten Gutsbesitzern "einfallen" konnte und
Gastfreundschaft fordern durfte, bis der Winter mit Regeng�ssen und
Schnee die damals schlechten Stra�en unfahrbar machte, auf den
Edelsitzen Vorr�te nicht mehr vorhanden waren.
Tropfenweise kamen die Schilderungen vom Prunk der endlosen Feste aus
Wien nach Kroatien. Vom Ausspruch des ritterlichen geistvollen F�rsten
de Ligne: "_Le congr�s danse, mais il ne marche pas_" (der Kongre�
tanzt, aber er geht nicht vorw�rts), interessierte die adeligen Kroaten
nur der erste Satzteil, und den Ausspruch der Gr�fin Bernstorff, der
Gemahlin des d�nischen Gesandten ("Es ist, als k�me man vom Lande und
sehne sich nach langentbehrter Zerstreuung"), drehten die kroatischen
Notabeln einfach um: sie trugen die langentbehrte Zerstreuung auf's
Land--hinaus! Das neumodische Karussellreiten des Hochadels in Wien
wurde auf manchem Edelhofe nachgeahmt und als Sport nicht wenig belacht.
F�r die Volksfeste im Wiener Prater fehlten Verst�ndnis und Gelegenheit;
doch hatten die Notabeln im slavischen S�den ihre Freude an den Wiener
Scherzen, z.B. an der Verdrehung des Wortes "D�nemark" in "Tandelmarkt"!
Soviel Deutsch verstanden die Nobili s�dlich der Save sofort, um den
"K�nig vom Tandelmarkt" zu verulken.
Es fehlt der Nachweis daf�r, da� die harmlos galante Wette des
russischen Zaren mit der sch�nen Gr�fin Flora Wrbna-Kageneck bez�glich
des schnelleren Toilettemachens von den kroatischen Edelleuten
irgendwie nachgeahmt wurde. Auf ulkhafte Art scheint es geschehen zu
sein, selbstverst�ndlich plumper als der Vorgang in Wien, wo der Zar
punkt neun Uhr in Begleitung von Zeugen im gew�hnlichen Anzug bei Zichys
erschien, sich zum Austrag der Wette meldete, dann abtrat und schon nach
Umflu� von f�nf Minuten in voller Uniform wieder im Salon der Gr�fin
Zichy erschien und die Wette--verloren hatte, da die Gr�fin Flora
Wrbna-Kageneck sich--in eine Hofdame der Zeit Ludwigs XIV.
verwandelt--bereits im Saale befand.
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