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Page 32
So wu�te man in "Illyrisch-Kroatien" kein Wort von der V�lkerschlacht
bei Leipzig, nichts von sonstigen Ereignissen.
Eines Tages fr�h morgens war in Franz�sisch-Kroatien _kein franz�sischer
Soldat mehr zu sehen_: alles in n�chtlicher Stille pl�tzlich abgezogen.
Darob gro�es Erstaunen, Verwunderung. Bevor das Volk aber die Nachricht
vom Abzug der "Okkupations"truppen erfuhr, und ehe der Adel sich dar�ber
richtig freuen konnte, wurde amtlich verk�ndet, da� _Kroatien_ nunmehr
unter der _"v�terlichen" Regierung �sterreichs_ stehe.
Die Schilderungen der Stimmung in Kroatien wegen dieser Ereignisse gehen
weit auseinander, je nachdem der Autor �sterreicher, Franzose, Ungar
oder Kroat gewesen. Sehr plastisch wei� Dr. von Tkalac (Weber) in seinen
"Jugenderinnerungen aus Kroatien" zu erz�hlen; aber ganz zuverl�ssig ist
dieser vornehme Kroate nicht wegen seiner leidenschaftlichen Parteinahme
f�r den "Westen", und �berdies war er zu jener Zeit noch nicht geboren,
kannte die Verh�ltnisse nur aus den Mitteilungen seines Vaters, der
wegen des finanziellen Aderlasses ein grimmiger Franzosenhasser war.
Da� das von den Franzosen endlich befreite Volk seinen Bedr�ckern
"grollte" nur deshalb, weil die Besatzungstruppen ohne "klingend Spiel"
bei Nacht und Nebel abgezogen waren, glaubt dem Herrn von Tkalac wohl
der st�rkste Mann von Europa nicht. Er erz�hlt auch, da� die
"grollenden" Bewohner von Karlstadt nach dem Abzug die franz�sischen
Adler von den Amtsgeb�uden herabrissen, und da� die Leute in die
Freimaurerloge eindrangen und dort alles kurz und klein schlugen, die
Tr�mmer aus den Fenstern warfen und auf dem Platze verbrannten. Der
B�rgermeister, zugleich "Meister vom Stuhl", habe Widerstand nicht
gewagt, weil er wu�te, da� die �sterreichische Regierung die
Freimauerei nicht dulden w�rde.
�sterreich regierte "v�terlich" absolutistisch auch in Kroatien, wo man
an die ungarische Gesetzgebung und Verwaltung schlecht und recht gewohnt
war. Kein Wunder, da� den Kroaten gewisse "v�terlich-�sterreichische"
"Spezialit�ten", wie Stempel- und Registrierungstaxen, Tabak- und
Salzmonopol usw., nicht gefielen. Auch die Nichtwiedergew�hrung der
Selbst�ndigkeit der Gemeindeverwaltung nach ungarischen Muster
("Autonomie der Munizipien" genannt) pa�te den an ungarische Freiheiten
und L�ssigkeiten gew�hnten Kroaten nicht. Der Wiener Bureaukratenzopf
wurde als sehr l�stig empfunden. Wegen r�cksichtsloser Steuereintreibung
ballte das gequ�lte Volk die F�uste. Dr. Tkalac erz�hlt, da� ein nach
Karlstadt, dem Hauptsitz der vielen Beh�rden, gekommener Bauer beim
Anblick eines Amtsschildes mit dem �sterreichischen Doppeladler ausrief.
"Der franz�sische Adler hatte nur _einen_ Schnabel, wieviel wird nun
diese Bestie mit _zwei_ Schn�beln fressen!" Der Ausruf mu� von einem
"biederen" Landsmann verraten worden sein, da der nicht �ble Witz dem
Bauer "teuer zu stehen kam". Den aus slovenischen Landesteilen nach
Kroatien berufenen �sterreichischen Beamten wird es nicht m�glich
gewesen sein, den erw�hnten Ausspruch eines Kroaten schlankweg zu
verstehen. Tkalac irrte sich mit der Behauptung, da� sich Slovenisch
sprechende Beamte mit der kroatischen Bev�lkerung "leicht" verst�ndigen
konnten. "Leichter" als Deutsch ja, aber nicht leicht; denn der
slovenische Dialekt von K�rnten und Krain wird auch heute noch nicht von
kroatischen--Bauern verbanden. Man mu� das im praktischen Verkehr selbst
erprobt haben, um sich ein Urteil dar�ber erlauben zu k�nnen. Beide
Dialekte weichen sehr stark von einander ab. Hingegen k�nnen sich
gebildete Slovenen und Kroaten ziemlich leicht verst�ndigen, wenn sie
sich ihrer Idiome dialektfrei bedienen. In jenen Jahren gab es aber im
praktischen Verkehr eine reine, dialektfreie Sprache weder bei den
Slovenen noch bei den Kroaten.
Zum Zeitalter des �belsten Absolutismus geh�rte auch die
Gesinnungsschn�ffelei, die von den Beamten arg getrieben worden sein
mu�te, da es zu Aufstand, Verbrennung �sterreichischer Amtsschilder und
gewaltsamer Vertreibung der Beamten, auch der sogenannten Krajnci
(Krainer), der slovenisch sprechenden Herren aus den Erbl�ndern,
gekommen war. Das Wort "Krajnjac" (Krainer) war gleichbedeutend mit
"Beamter" geworden und entfachte den Ha� der Kroaten, die, von
ungarischer Freiheit in der Selbstverwaltung verw�hnt, gegen die
absolutistische "k.k." Bedr�ckung sich auflehnten. Der Adel und die
B�rgerschaft murrten, blieben aber ruhig in der Hoffnung, da� das
"_Provisorium" der �sterreichischen Besetzung_ Kroatiens nicht
allzulange w�hren werde. Der Klerus wurde respektiert und hatte deshalb
keinen Anla� zu Klagen.
Das war die Stimmung im Lande w�hrend des "Provisoriums" der
�sterreichischen Besetzung.
Im September 1814 begann der Wiener Kongre�, dem wegen der Befreiung vom
"k.k. Joche" mit gro�en Hoffnungen entgegengesehen wurde. Von der Komik
der Kongre�vergn�gungen drang manche Nachricht auch nach Kroatien. Was
aber in der Kaiserstadt komisch wirkte, machte die Kroaten, wenigstens
in adeligen Kreisen,--toll. Die Parole: "Morgen wieder lustik" begriffen
sie sofort und setzten sie in Wirksamkeit auf Narrenweise und
in--Entartung. Wer nach langer Kerkerhaft in die Freiheit gelangt, wird
von der vermeintlichen Z�gellosigkeit berauscht und wird toll, reif f�r
das Irrenhaus.
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