Aus Kroatien by Arthur Achleitner


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Page 29

"Wie? Was? Notschlachtung erfolgt doch nur, wenn ein St�ck Vieh
Beinbruch erlitt oder Lebensgefahr vorhanden war! Um vom Fleisch noch
etwas zu retten, wird--Notschlachtung vorgenommen! In--Europa!"

"In �sterreich, Euer Hochwohlgeboren zu dienen! In _Kroatien_,
wenigstens in unseren Waldbezirken, wird Vieh aus--_anderer_ Not
geschlachtet."

"Welche--Not kann das sein?"

"Die--_Not_ entsteht durch den _Eigent�mer_ des Viehst�ckes oder durch
die _Gendarmen...._"

G�nter starrte den alten Waldh�ter mit weitaufgerissenen Augen und
offenstehendem Mund an.

"So ist es, Gospodin! Euer Hochwohlgeboren werden leicht und rasch
verstehen, wenn ich sage: Die durch Verrat heraufbeschworene
Entdeckungsgefahr zwingt zur--Notschlachtung im Wald. Suchen der
Viehbesitzer, dem ein St�ck abhanden kam, oder die von Verr�tern
verst�ndigten Gendarmen nach dem angeblich gestohlenen Rind oder nach
der verschwundenen Kuh, _so mu� das St�ck sofort im Walde geschlachtet,
m�ssen die gr��eren und besseren Teile in gr��ter Eile--verschleppt
werden!_--Das _St�ck_ ist immer--_gesund_! Was--Notschlachtung ist,
wissen jetzt Herr Kommiss�r."

"Ja, danke f�r die interessante Aufkl�rung. K�nnen Sie sagen, wie man
_hierzulande ein St�ck Vieh--stiehlt_?"

"Aus eigener Praxis nicht, gn�diger Herr! Aber wie andere Leute sich ein
St�ck Vieh 'verschaffen', das kann man �berall h�ren; es ist das kein
Geheimnis. Auch die Gendarmen wissen alles, kommen jedoch immer zu sp�t,
das hei�t, wenn die Notschlachtung schon vor�ber, das zerteilte St�ck
bereits verschwunden ist.--Auf _normale_ Weise wird ein St�ck Vieh,
meist Kuh, mit Hilfe eines _erschwindelten_ Viehpasses gestohlen.
Zun�chst ist das Wichtigste, von dem Viehst�ck die Farbe oder besondere
Kennzeichen 'auszuspekulieren'; je gew�hnlicher und regelm��iger Farbe
und sonstiges Aussehen sind, desto leichter gelingt die Sache. Wei� man
�ber das Aussehen genau Bescheid, so geht man auf den Viehmarkt, sucht
ein m�glichst �hnliches St�ck und l��t sich in Kaufunterhandlung ein.
Man leistet eine Anzahlung von zwei bis drei Gulden, die sogenannte
'Likova'[11], borgt vom Verk�ufer den amtlich gestempelten 'Viehpa�'
aus, der die Beschreibung des Viehst�ckes und die Verkaufserlaubnis
enth�lt, und bittet den Viehbesitzer um etwas Geduld, da man auf dem
Markt noch etliche St�ck Vieh ansehen und kaufen wolle. Hat der
Viehbesitzer noch keine schlimmen Erfahrungen gemacht, so gibt er den
'Pa�' her und sieht ihn im Leben nicht wieder. Mit dem 'Pa�'
verschwindet 'man', und jetzt erst wird der Diebstahl eingeleitet. Der
'Pa�' hat nur den Zweck, den 'Besitz' des _gestohlenen_ Viehst�ckes
auszuweisen, wenn man dieses auf dem n�chsten Viehmarkt _verkaufen_,
also Bargeld erzielen will. Mi�lingt die Verbringung des gestohlenen
Viehst�ckes zum Markt, tritt Verfolgungsgefahr ein, kommen die Gendarmen
dazwischen, so erfolgt die erw�hnte _Notschlachtung_, damit von dem
gestohlenen Viehst�ck gerettet werde, was in der Eile geborgen werden
kann...."

Der Forstkommiss�r lachte. "Wer mag wohl den schlauen Trick ersonnen
haben? Den Bauern ist er nicht zuzutrauen!"

In seiner dem�tigen Weise sprach Kuster: "Sehr richtig geurteilt,
gn�diger Herr! Alle Intelligenz stammt von unserem--Hauswirt! Er ersann
den Trick, damit die Waldgriechen und nat�rlich er selbst �fter
zu--Fleisch kommen. F�r die Ausf�hrung seiner Pl�ne haben die
Waldgriechen alle Schlauheit; sie werden fast nie erwischt, und da sie
sonst sehr faul sind, die m�hsame und gef�hrliche Verbringung
gestohlenen Viehes zu Markt scheuen, frisches Fleisch lieben, so erfolgt
auf einen Viehdiebstahl sehr oft, fast regelm��ig die Notschlachtung."

"Ja, wenn das alles die Gendarmen wissen, warum erfolgt denn
beim--Kr�mer keine Haussuchung? Das Vorhandensein gr��eren
Fleischvorrates beim Dorfkr�mer mitten im Forst ist doch stets
verd�chtig, Nachweis �ber rechtschaffenen Erwerb unm�glich! Warum wird
nicht nachgesucht?"

"Halten zu Gnaden, Herr Kommiss�r? W�rden die Gendarmen bei
unserem Hauswirt nur ein einziges Mal nach unrechtm��igem
Fleischbesitz--schn�ffeln, so bekommen sie zeitlebens in
Jesenas--_nichts mehr zu essen_! Der Hunger tut aber auch den Gendarmen
weh im gro�en Forst, wo auf Meilen im Umkreise nichts, gar nichts zu
haben ist...."

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Books | Photos | Paul Mutton | Thu 19th Feb 2026, 20:09