Aus Kroatien by Arthur Achleitner


Main
- books.jibble.org



My Books
- IRC Hacks

Misc. Articles
- Meaning of Jibble
- M4 Su Doku
- Computer Scrapbooking
- Setting up Java
- Bootable Java
- Cookies in Java
- Dynamic Graphs
- Social Shakespeare

External Links
- Paul Mutton
- Jibble Photo Gallery
- Jibble Forums
- Google Landmarks
- Jibble Shop
- Free Books
- Intershot Ltd

books.jibble.org

Previous Page | Next Page

Page 25

Hinterdrein beim Fr�hst�ck im Pfarrhause fragte G�nter, warum das
allerorten �bliche "Zusammenl�uten" unterblieben sei.

Der Zupnik lachte. "Strickmangel!"

"Was? Keine Stricke an den Glocken? Warum?"

"_Abgerissen_ von den erbosten Bauern!"

"Abgerissen? Weshalb denn?"

"Weil der Zupnik den _Hagel nicht rechtzeitig_ nach Osekovo
hinausdirigiert hat!"

"O weh! Dann ist's heuer mit der--Tempestasdotation nichts!"

"Stimmt!--Keine Sorge, Herr Forstkommiss�r! Ihr R�nzel wird deshalb doch
mit Proviant gef�llt!"

So war es auch. Reichlich versorgt trat G�nter seinen Marsch an. Und an
einer vereinbarten Stelle, weit vom Dorfe entfernt, traf er mit dem
dorthin bestellten Waldh�ter zusammen, so da� der m�hereiche Dienst
begonnen werden konnte. Tags�ber Arbeit f�r Kopf und F��e, N�chtigung in
einer Rindenh�tte. Wie wohl tat da die Atzung als Spende des
Waldpfarrers, der des Hagelschlages wegen bei seinen erbitterten Bauern
in--Ungnade gefallen war!

Schmunzeln mu�te der Beamte, so er der b�uerlichen--Rachetat gedachte:
die Agrikel rissen die Str�nge ab, weil die Glocken "unter F�hrung des
Zupniks" den--Hagel nicht verjagt hatten....

Der Dienst f�hrte den Kommiss�r G�nter auch in das--"griechische
Waldmeer". So wurde ein Forst in der Ausdehnung von �ber 30000 Joch
(rund 12900 ha) aus dem Grunde in Fachkreisen benannt, weil er von
Kroaten griechisch-orthodoxer Religion in geringer Zahl besiedelt war.

Wer von der Beamtenschaft erstmals eine Kommissionsreise in dieses
Gebiet, "Gorievica" (Gorievitza) genannt, unternehmen mu�te, erhielt von
den gewitzigten Kollegen stets ein B�ndel von Ratschl�gen und Warnungen
in einer Form, die an dicke �bertreibungen gemahnte und zum Lachen
reizte. So besagte eine Schilderung aus dem Munde eines alten
Forstbeamten. Im "griechischen Waldmeer" wohnen die faulsten Menschen
Europas, das Walddorf Jesenas hat zwar einen Popen, doch das Beten lehrt
die "Griechen" der--j�dische Kr�mer, der ihre Steuern bezahlt, f�r alles
sorgt, was die D�rfler zum Leben brauchen; der die st�ndig drohende
Hungersnot verhindert, der, kurz gesagt, der "Herrgott" von Jesenas ist
und dies mit Zustimmung des--Popen.

Zu dieser "handgreiflichen" �bertreibung lachte Forstkommiss�r G�nter,
da� ihm das Wasser aus den Augen tropfte, und nicht ein Wort davon
glaubte er.

Vor Beginn der Dienstreise wurde der Oberwaldh�ter Kuster in Samarica
(Samaritza), einem Dorfe am Fu�e des gebirgigen Waldmeeres, vom
Eintreffen des Kommiss�rs benachrichtigt und beauftragt, alles Weitere
zur Verst�ndigung von F�rstern, Waldh�tern und wegen Unterkunft in den
Waldd�rfern zu veranlassen.

Im Wagen verlie� Forstkommiss�r G�nter seinen Wohnort (Sitz der
Vizegespanschaft), fuhr einen Tag lang, bis der Rosselenker erkl�rte,
auf der schlechten Stra�e nicht weiterfahren zu k�nnen. Auf dem R�cken
eines Bauernpferdes, ohne Sattel, wurde die Dienstreise fortgesetzt, bis
der Besitzer des Gauls versicherte, er sei nun m�de genug. Zu Fu�
"reiste" der Beamte weiter und erreichte abends das ziemlich gro�e Dorf
Samarica. Die aufgestellten "Ausspekulierer" (jugendliche Sp�heposten)
meldeten die Ankunft rechtzeitig, so da� der einsame, krachm�de Wanderer
mit--Glockengel�ute begr��t wurde.

Ob dieses seltsamen Empfanges h�chlich erstaunt, fragte G�nter den alten
Waldh�ter Kuster, wie denn ein Forstbeamter dazu komme,
mit--Glockengel�ute begr��t zu werden. Glockenklang geb�hre doch dem
einziehenden Bischof oder Archimandriten.

Kuster sch�ttelte das graue Haupt. "O, Gospodin! Der Archimandrit kommt
nie nach Samarica, ein Herr von der Gespanschaft in f�nfzig Jahren
einmal, ein Forstbeamter sehr selten! Also ist die Ankunft Euer
Hochwohlgeboren ein gro�es Fest, das geb�hrend gefeiert werden mu�! Gott
segne Ihren Einzug in Samarica und in meine hochbegl�ckte H�tte!"

In G�nter stieg etwas wie eine Ahnung auf, da� die Schilderungen der
Kollegen vielleicht doch nicht so arg--�bertrieben sein k�nnten.

Previous Page | Next Page


Books | Photos | Paul Mutton | Thu 19th Feb 2026, 12:22