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Page 69
* * * * *
Die kleinen Schw�chen legt man am schwersten ab, so wie man der Moskitos
weit schwerer Herr wird als des Skorpions oder der Schlange. Und so ist es
recht eigentlich das Kleine, was den Fortschritt der Menschheit aufh�lt:
Gedankenlosigkeit, Unaufmerksamkeit, Tr�gheit, Lauheit.
1911
Man m�chte sich wie Bruder Bernardo auf irgend einem Marktplatz dem
Gesp�tt der Welt aussetzen, um gleich ihm ein jegliches um Christi Liebe
willen geduldig und heiter zu ertragen -- und leidet vielleicht schon
darunter, wenn die Schaffnerin, die das Zimmer aufr�umt, vergi�t, guten
Morgen zu w�nschen, oder wenn der T�rh�ter des Hauses schlecht geschlafen
hat.
* * * * *
Du sollst nicht zu sein begehren, was du nicht bist, sondern nur einfach
etwas von deiner Pflicht zu tun versuchen, Tag um Tag.
Denn es ist viel schwerer, einen Tag in wahrhafter Aufmerksamkeit und
Wachsamkeit von Anfang bis Ende zu verleben, als ein Jahr in gro�en
Absichten und hochfliegenden Pl�nen.
* * * * *
Jedem Menschen sein Recht lassen und wenn es uns noch so sehr als Unrecht
erscheint. Den Kampf gegen dies sein Unrecht deshalb nicht aufgeben, aber
ihn nicht au�er sich f�hren, gegen jenen, sondern in sich, gegen sich,
gegen das in sich, was, wenn auch noch so verborgen, jenem Unrecht
entspricht. Oder k�nnten wir leugnen, da� wir innerlich an allem noch
irgendwie teilhaben, was an B�sem au�er uns geschieht? Da� in uns von dem
z.B., was Millionen in Kriegsbegeisterung versetzt und zu
unverantwortlichen Handlungen verf�hrt, noch genug lebt, um unsere ganze
Wachsamkeit und Tapferkeit gegen uns selbst aufzurufen, und sei es nur ein
gewisses Sichfreuen bei dem 'Sieg' des schw�cheren Gegners oder eine
'gerechte Emp�rung' �ber dies und das, was das blutige Handwerk nach sich
zieht? Wir m�chten allzugern wahrhaben, es sei menschlich sch�ner, mit dem
Schw�cheren sich zu freuen, als die gleichm��ige Trauer �ber Siegende wie
Besiegte eine Quelle neuer Gel�bnisse vermehrter Anstrengung in uns selber
werden zu lassen; es sei nicht leichter, emp�rt �ber Grausamkeiten zu
sein, als die Blitze der Entr�stung auf und in uns selbst abzuleiten, auf
das Triebwesen, dessen feinere Wildheiten auch in uns noch nicht v�llig
geb�ndigt, noch nicht genug in rein dem vergeistigten Ich dienenden
Kr�ften leben.
* * * * *
A. Sie sollten gerade da, wo Sie besondere Antipathie empfinden, doppelt
streng gegen sich selbst vorgehen, nicht aber Ihrer Antipathie nachlaufen,
wie der Student seiner Flamme.
B. Wie? Ich sollte mich auf meine Instinkte nicht mehr verlassen d�rfen?
A. Ja und nein. Schauen Sie Ihren Instinkten zu wie Ihren Hunden, mit
denen Sie �ber Land gehen. Aber behalten Sie sich stets vor, sie
zur�ckzupfeifen, und pfeifen Sie gelegentlich auch einmal ohne Grund,
einfach weil Sie der Herr sind und die Instinkte Ihre Diener.
* * * * *
'Da� du dann niemals mehr Wein anr�hrtest!' rief ein Knabe seinem Vater
zu, der mit ihm die Wendeltreppe eines Turms emporstieg. 'Welche
Selbst�berwindung! Welche -- Entsagung!'
Der Vater nickte l�chelnd und wies dem Sohne die Aussicht, die das eben
erreichte Treppenfenster erlaubte. Nachdem sie diese eine Weile bewundernd
genossen, stiegen sie weiter und gelangten zum n�chsten. Welche Entsagung!
rief da der Vater verstellt. Hier haben wir nicht mehr den Blick von
vorhin. Wie sch�n war es, auf all die nahen D�cher hinabzuschaun; da
st�rte noch keine Landschaft wie jetzt ...
'-- St�rte?' fragte der Sohn --
... und sind wir erst droben, so werden wir auch diesem Rundbild entsagen
m�ssen; denn droben, du wei�t ja, schaut man bei hellen Tagen das Meer ...
Des Jungen Augen leuchteten auf und dann, der Schelmerei gewahr, ma�en sie
lange und nachdenklich den Sprecher ... bis -- hoch, ein Silberstreif --
das Meer am Horizont erschien und sie mit Tr�nen f�llte. (Denn wie liebte
schon dieser Knabe das Meer!)
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