Stufen by Christian Morgenstern


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Page 57

(Vergleiche z.B. die gro�en �rzte unserer Zeit.)



1907


Enthusiasmus ist das sch�nste Wort der Erde.

* * * * *

Je freier ein Geist wird, desto gebundener wird er sich f�hlen und nennen.
Und am Ende wird er sagen: Wer wei� sich mit hunderttausend Stricken
gefesselter als ich?

* * * * *

Dieses Verwerfen in Bausch und Bogen, dessen wir uns so oft schuldig
machen, ist schrecklich. So wenn einer von Rousseaus Bekenntnissen sagt:
das verlogene Zeug. Ja ja, verlogen vielleicht hier und dort und am
dritten Ort -- aber auch am vierten und f�nften? -- Und wir selbst, die
wir so sprechen, sind es also an keinem? Nirgends verlogen, nirgends
angreifbar, nirgends verwerflich?

* * * * *

Es k�nnen nur einigerma�en gleiche Naturen in ihrem ganzen Umfang einander
erkl�ren und absch�tzen. Heut aber will jedermann interpretieren, wenn er
nur schreiben gelernt hat.

* * * * *

Man soll �ber einen wahrhaft gro�en Menschen nicht reden. Denn wor�ber man
bei ihm reden kann, darauf kommt es nicht an. Es kommt allein darauf an,
wie er dir innerhalb und in deinen tiefsten Stunden erscheint. Von diesen
unionibus mysticis aber kann man nur -- schweigen oder doch nur in
Momenten gro�er innerer Kraft zeugen.

* * * * *

Glaube mir, es gibt nichts Gro�es ohne Einfalt. Der Mensch, das Individuum
ist Gottes Einfalt, ist einf�ltig gewordene Gottheit. In der Beschr�nkung
zeigt sich erst der Meister.

* * * * *

Lieber einem zu viel als zu wenig Ehre geben. Ehre sage ich, nicht 'Lob'.
Tadeln, ja ganz ablehnen k�nnen und doch immer noch ehren, das hei�t
f�hlen lassen: Mein Bruder, was ich auch sagen mu�, so wenig ich eine
Blume in ihren inneren Organen verletzen m�chte, so wenig m�chte ich Dich
-- verletzen! das ist es.

* * * * *

Man soll nie auf irgendwen hinabsehen, der auf irgendeinem Wege -- und sei
es zehnmal ein wider Sitte und Gesetz versto�ender -- zur Freiheit strebt.

* * * * *

Wenn ich dies und das nicht tue, so tut es ein anderer -- welch grober
Gedankengang! Als ob --

* * * * *

O, wie erniedrigt doch die 'Konversation', wie verf�hrt sie uns
fortw�hrend zu Urteilen, die wir gar nicht haben, deren wir uns gleich
darauf sch�men, die nichts als h�heres Geschw�tz sind, das mit unserm
wahren Wesen nur eben soviel zu tun hat, als es dessen Teil an Torheit und
Schw�che aufdeckt.

* * * * *

Mancher sucht sein Leben lang Kameradschaft, -- aber man mu� mit diesem
Bed�rfnis im Herzen nicht zu Frauen gehen. Sie wollen, eine jede,
ausschlie�lich _geliebt_ sein, sie wollen aus aller Kraft die Episode der
Liebe, aber ohne sie dabei als Episode aufzufassen. Sie wollen ein ganzes
Leben in Beschlag nehmen, aber daf�r kein Leben der Kameradschaft, sondern
ein Leben der Liebe geben. Ein Leben der Liebe aber ist ein Unding, wie
ewige Musik oder ewiger Fr�hling. Die Liebe verdirbt die Seele zur
Kameradschaft, sie ist kalt und hei�, eifers�chtig und unberechenbar, die
Kameradschaft, die Freundschaft ist allein wahre Seelenliebe, sie ist bis
zu jedem m�glichen Grade unegoistisch, sie ist der h�chste Zustand
zwischen Mensch und Mensch. Die Liebe ist das Mittel zum Werden des
Kindes, aber die Freundschaft ist das Mittel zum reif und s�� Werden
deiner selbst.

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Books | Photos | Paul Mutton | Sat 17th Jan 2026, 17:20