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Page 52
1907
Ich glaube, wir haben alle als Erbe unserer Zeit eine schlimme Laxheit
mitbekommen. Das Verst�ndnis f�r unerbittliche Forderungen ist mehr und
minder gesunken. Beweist das nicht, da� der Mensch die Vorstellung eines
gerechten Gerichts nach dem Tode (vollstrecke sich das nun selbst mit
Naturnotwendigkeit oder werde es vollstreckt) -- braucht? Braucht -- und
sei es nur: um nicht unter seiner eigenen M�glichkeit zu bleiben? Wird man
wirklich seine Pers�nlichkeit mit solcher Inbrunst ausbilden, wenn man sie
nicht -- f�r eine unbekannte Zukunft ausbilden zu m�ssen meint? Was sind
alle Appelle der Erde gegen jenen einen schauerlichen Appell der Ewigkeit?
Also Furcht, wird mancher sagen. Nun ja, _auch_ das. Wie w�re Gro�es
entstanden, ohne dies Ingrediens? Und w�re es etwas Schimpfliches, sich
vor dem F�rchterlichen -- und ist das Geheimnis der Welt, des Lebens nicht
f�rchterlich? -- zu f�rchten? Man f�hrt heute die 'Entstehung der
Religion' (welch ein Ausdruck!) vielfach auf Furcht zur�ck. Nun, ihr
armseligen Psychologen: nicht diese Furcht war das Tr�bselige, sondern
euer Mangel an Furcht ist es, euer Mangel an Gef�hl, Phantasie,
�berlegenheit. Jawohl, �berlegenheit. Ich kenne nichts Untergeordneteres
als den Menschen, dem Wissenschaft irgend etwas _erkl�rt_. Der
Wissenschaft nicht blo� als eine gewaltige und fruchtbare �bung des
Menschengeistes betrachtet, nein: als etwas, das ihm wirkliche
Wesensaufschl�sse �ber Welt und Leben gibt. Denn dies etwa, da� alles nach
denselben gleichen Gesetzen vor sich gehe, ist doch kein Wesensaufschlu�!
Oder den Bau des Menschen etwa bis auf seinen letzten Zellenbaustein
beschrieben haben, ist doch noch kein Wesensaufschlu�! Das ist
Handwerkerei, eine Sache mit goldenem Boden, ganz gewi�; aber _Joseph_ war
Tischler, nicht Jesus. Was wei� Joseph, der Handwerker, vom Geist und
Wesen der Dinge?
* * * * *
'Geist' ist heute Marktware, wer redet noch davon? Ein wirklich eigener
Gedanke aber ist immer noch so selten wie ein Goldst�ck im Rinnstein.
1908
Wir m�ssen aus der wissenschaftlichen Idylle endlich wieder ins Gro�e
kommen. Wieder Atem holen lernen, das ist es. Das Netz, das die
'Geschichte', die 'Weltgeschichte' �ber uns geworfen, als Netz erkennen
und seine Maschen so weit machen, da� wir jeden Augenblick frei sein
k�nnen, den wir frei sein wollen.
* * * * *
Machen wir uns doch von der Tyrannei der Geschichte frei. Ich sage nicht:
von der Geschichte, ich sage: von der Tyrannei der Geschichte.
* * * * *
Die Z�rtlichkeit, womit sich der moderne Mensch behandelt, ist
erstaunlich. Was alles ist nicht 'f�r sein Innenleben wichtig'! Man liegt
heute auf den Knien vor diesem seinem 'Innenleben'. Aber es ist nur eine
andre Art Mops oder Affenpintscher, wof�r nun die ganze Welt als Ki�chen
und Zuckerchen gerade gut genug ist.
* * * * *
Unsere Zeit, welche die interessanten 'Aberglauben' fr�herer Zeitalter
selbstbewu�t entwertet, ist selbst nur weniger interessant, keineswegs
weniger abergl�ubisch, und wird einst ungleich anderer Nachsicht der
Betrachtung bed�rfen, wenn sp�tere Geschlechter eingesehen haben werden,
da� dem Menschen, unbeschadet aller begreiflichen und jeweils sogar
notwendigen Vordergrundsoptiken, als letzte Hintergrundstimmung doch nur
Eines ziemt: Bei Gott kein Ding f�r unm�glich zu halten.
1909
Optik! Optik! Wenn ihr euren ganzen 'heutigen' Geist nur einmal von oben
sehn k�nntet. Eure Wissenschaft, eure Kunst, euer t�gliches Leben! Nicht
um dies alles gering sch�tzen, o nein, nichts weniger als gering, sondern
um es _richtig_ sch�tzen zu lernen. Eine Menschheit, die zu sich selbst
und ihrem Treiben noch keine wirkliche Distanz gewonnen hat, ist unreif,
so erwachsen sie sich auch sonst geb�rden mag.
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